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Anthrax

...kommen um uns zu holen!

Bis zur letztjährigen Tour mit Motörhead, war es ein paar Jahre recht ruhig in musikalischer Hinsicht um die Erfinder des Moshmetals gewesen. Einzig durch den unrühmlichen Zusammenhang mit den Anschlägen durch Milzbrand-Erreger geisterte der Name Anthrax nicht nur durch die musikalische Presse, sogar in der täglich erscheinenden Zeitung mit den 4 Buchstaben wurde mal von der Band berichtet. Aber jetzt melden sie sich zurück und mit dem Album "We've Come For You All" bewegt man sich etwas zurück zu den Glanzzeiten mit Joey Belladonna, ohne die inzwischen neueren Elemente zu vernachlässigen. Scott Ian stand daraufhin auch gerne Rede und Antwort und das Ergebnis könnt ihr hier lesen!

Scott, mit "We've Come For You All" geht ihr wieder einen Weg in Richtung Moshing-Metal, nur dass es etwas zeitgemäßer klingt. Wie würdest du jemandem den Anthrax-Sound versuchen zu beschreiben?

Ach, ich würde einfach sagen: Das ist Anthrax 2003! Natürlich haben wir ja nicht unsere Wurzeln vergessen, nur hören wir uns nun mal nicht mehr an, als hätten wir 1987. Wobei man aber trotzdem hören kann, dass wir zu dieser Zeit schon aktiv waren. Das dringt eigentlich überall durch, wir sind schließlich noch die selben Personen.

Was kannst du mir über die Texte erzählen?

Es sind ganz unterschiedliche Texte. Wir haben erst einmal die Songs geschrieben und dann einfach überlegt, was man für ein Thema als Text dazu verwenden könnte. Die Musik diente uns sozusagen als Inspiration für die Texte. Wenn wir beispielsweise ein richtig fettes Gitarrenriff hatten, war uns klar, dass wir in der Wortwahl aggressiv vorgehen würden. Die Musik erzählte mir einfach, was ich für einen Text schreiben sollte. Nimm einfach mal den Song "What Doesn't Die", als ich die ersten Riffs dafür hatte, war mir klar, dass dazu am Besten "angry lyrics" passen würden. Letztendlich handelt dieser Text von den Pfaffen, die sich an Kindern vergehen und bei diesem Thema kann man ganz schön wütend werden, also passt es! Der Song "Safe Home" hingegen ist dann eher ein Liebeslied, mit viel Emotion und so, jeden falls für Anthrax Verhältnisse, haha!

Wer war eigentlich für die Texte mehr verantwortlich, du oder John?

Es war eigentlich eine Arbeit, bei der wir uns ergänzt haben. Ich schrieb zuerst die Musik und hatte die Idee für einen passenden Text, John arbeitete diese Idee Darauf hin aus und ich machte dann noch den einen oder anderen Vorschlag, was man daran ändern könnte.

Ihr habt in der Zwischenzeit einen Besetzungswechsel gehabt. Statt Paul Crook bedient jetzt Rob Caggiano die Gitarre, wobei Paul soweit ich weiß, nie festes Mitglied bei Anthrax war!

Da hast du recht, Paul war zwar 6 Jahre dabei, aber es war wie in einer Beziehung zu einer Frau, bei der man irgend wie weiß, dass sie nicht die richtige fürs Leben ist. Nur so kann ich das Verhältnis von Paul zu Anthrax beschreiben, weil ja eigentlich nichts verkehrtes an Paul war.

Wie kamt ihr in Kontakt zu Rob?

Wir kennen ihn eigentlich schon seit 1995, als wir einen neuen Gitarristen suchten. Rob schickte uns ein Foto und ein Demo und bat um ein Vorspielen. Aber es war zu diesem Zeitpunkt bei uns schon beschlossene Sache, dass Paul die offene Position besetzen sollte. Seine Bewerbung kam also ein paar Tage zu spät. Wir sahen ihn dann die nächste Zeit öfter, da er mit seiner damaligen Band Boiler Room die Clubs in New York unsicher machte und deswegen entwickelte sich daraus eine Freundschaft. Als dann der Zeitpunkt kam, dass wir dachten, es wäre Zeit für einen Wechsel, war Rob natürlich erste Wahl und glücklicherweise sagte er auch sofort zu.

Rein zufällig ist Rob auch noch Produzent, damit habt ihr zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen. Wie seid ihr mit dem Sound zufrieden?

Absolut zufrieden! Rob hatte nach dem Split von Boiler Room eine Produktionsfirma gegründet und hat schon mit Label wie Roadrunner oder Island Records zusammen gearbeitet. Das Erste was er sagte, nachdem er eingestiegen ist, war, dass er unser nächstes Album produzieren will. Darauf hin nahmen wir zum Test einen Song mit ihm als Produzenten auf. Der Song war "Superhero" und es klang fantastisch, also hatte er auch diesen Job! Exakt diese Version wurde dann übrigens auch für das Album benutzt.

Anthrax war schon so manches Mal für eine genreübergreifende Überraschung gut, wie zum Beispiel die Tour mit den Rappern von "Public Enemy". Habt ihr mal wieder so was in Planung?

Was heißt planen? Wir planen so etwas nicht, es sind immer kurzfristige Ideen gewesen, die wir da umgesetzt haben. Deswegen haben wir im Moment auch nichts dergleichen zu bieten. Jetzt wollen wir erst ein Mal sehen, dass wir die CD veröffentlichen und dann auf Tour kommen können.

Wie kam es eigentlich zum Wechsel des Plattenlabels?

Ganz einfach, Island Records war pleite!

Dumm gelaufen, oder?

Nein, im Gegenteil, das war gut so! Wir wollten sowieso weg vom Label und da ist es doch klasse, wenn man ohne Vertragskündigung zu einem neuen Label wechseln kann, hahaha. So konnten wir ohne Probleme zu Nuclear Blast in Europa, beziehungsweise zu BMG in den Staaten sowie in Japan zu JVC gehen. Besonders hier in Europa ist es mit Nuclear Blast wesentlich besser, da sie ja doch einen sehr guten Draht zu der Fanbasis und andere Kontakte haben. Es kam aber doch recht überraschend, denn wir waren gerade mitten bei den Aufnahmen zu "We've Come For You All", als wir es erfuhren. Da konnte momentan so eine Nachricht recht deprimierend wirken, da wir ja auch laufende Kosten haben. Aber wie gesagt, sind wir im Endeffekt recht froh darüber!

Was geht eigentlich ab zwischen dir und der Firma Burton Snowboards? Habt ihr einen Promodeal am Laufen?

Richtig! Jetzt muss ich dir aber erst mal was sagen. Hast du gewusst, dass du der erste von ca. 200 Journalisten bist, der mich danach fragt. Das finde ich richtig cool, dass ich jemandem auch da drüber was erzählen kann, haha. Ich trage schon einige Jahre Snowboarder-Klamotten von Burton auf der Bühne, ach was, eigentlich täglich! Ich trat eines Tages dann mit ihnen in Kontakt und erzählte, dass ich immer die Klamotten anhabe und einem Marketing Manager von Burton gefiel das wohl. Wir schlossen darauf hin einen mündlichen Deal ab, nicht mit Geld oder so, schließlich bin ich ja kein professioneller Snowboarder, aber ich bekomme jedes Jahr ein neues Equipment von ihnen. Dafür trage ich auch auf Promofotos die Burton- Klamotten und auf unserer Website wird auch Etwas darüber geschrieben. Sie machen dies auf ihrer Website ebenso und das ist der Deal. Weißt du, neben der Musik ist Snowboarden meine Lieblingsbeschäftigung, deswegen habe ich da auch keine moralischen Bedenken, hahaha! Etwas Besseres konnte mir doch gar nicht passieren!

Nun was anderes, könntest du die Karriere von Anthrax in verschiedene Abschnitte einteilen und wie würdest du die jeweiligen Abschnitte betiteln?

Okay, ich würde sagen, der erste Abschnitt ging von der Gründung der Band bis zur Veröffentlichung unseres ersten Albums "Fistful Of Metal", bei dem Neil Turbin noch am Mikro stand. Weißt du, viele Leute fragen mich, was das beste oder größte Erlebnis für Anthrax war und für mich ist es bis heute noch die Veröffentlichung des ersten Albums. Als wir 1981 Anthrax gründeten, da waren wir ja noch fast Kinder, die ein bisschen rumjammten und versuchten eigene Songs zu schreiben. Zweieinhalb Jahre später konnte man über Megaforce in den Staaten und über Music For Nations in Europa unsere LP kaufen. This was fucking mindblowing for us!!! Ja genau, das würde ich als ersten Abschnitt von Anthrax sehen und benennen würde ich es mit "A Dream Come True"!! Der zweite Teil begann, als Joey Belladonna in die Band kam. In dieser Zeit wurden wir vom Underground Act zu einer international erfolgreichen Band, die sogar Arenen füllte, so mit Majordeal und Allem. Wir waren unter den amerikanischen Metalbands anerkannt und uns wurden auch goldene Schallplatten verliehen. Deswegen nenne ich es die Zeit des Aufbruchs. Mit dem Weggang von Joey begann auch die jetzige dritte Phase mit John Bush. Was in den Achtzigern so klasse war, die Tourneen und der kommerzielle Erfolg blieben Anfang der Neunziger aus. Es war zu der Zeit frustrierend , einen Sänger zu haben, der sich nicht mehr so in die Band einbrachte, wie es die anderen Mitglieder taten. Als John dann in die Band kam, war wieder Alles anders. Er wurde nicht nur ein Teil von Anthrax, er brachte viel Mehr ein, ein neues Gefühl der Gemeinsamkeit. Er öffnete mit seinen Ideen neue kreative Wege für uns, was man ja zum Beispiel bei "Sound Of White Noise" hören kann. Diese Phase nenne ich deswegen einfach "Glückliche Zeit"!

Hast du denn heute immer noch die selben Einflüsse wie am Anfang?

Im Prinzip schon, denn wir beziehen unsere Einflüsse von uns, von Anthrax. Denn wenn wir einen Song schreiben, hören wir in uns rein, wie wir, die Band Anthrax, ihn noch besser machen kann. Aber du kannst natürlich auch alle Einflüsse der Metal-Geschichte benennen, angefangen bei Black Sabbath, bis heute!

Ich weiß, jeder hat dich schon zu den Stichworten Terror und Milzbranderreger gefragt. Was denkst du, jetzt wo sich der Wirbel etwas gelegt habt, darüber?

Es war eine ziemlich konfuse Zeit. Wenn ich morgens aufwachte, dachte ich als Erstes daran, ob nicht schon wieder ein Anthrax-Attentat vollzogen wurde. Das war, beziehungsweise ist ein Paradoxum, dass mit Anthrax so etwas angestellt wurde, wobei wir doch mit unserem Bandnamen jahrelang glücklich waren. Es zerrte total an unseren Nerven, dass wir persönlich von diesen Assoziationen betroffen waren. Wir konnten schließlich nichts dafür, aber trotzdem kann ich wiederum die Menschen verstehen, die diese Assoziationen aufstellten. Ich glaube, keine andere Band, mag der Namen auch noch so brutal klingen, war so etwas schon ausgesetzt und deswegen hatten wir des Öfteren mit dem Gedanken gespielt unseren Namen zu ändern.

Hast du noch was unseren Lesern mitzuteilen?

Ja, wir sind im März auf Tour in Deutschland und wir haben bei der Tour mit Motörhead ein wahnsinnig gutes Gefühl hier gehabt. Das waren unglaubliche Gigs und deshalb freuen wir uns total auf unsere Headlinershows. Wir wollen euch dort etwas bieten, see ya!!



Andreas



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