All Shall Perish, Sworn Enemy, Warbringer, Kohatred, Vaulting
08.08.2008 Darmstadt, Steinbruch Theater
Die momentane Trendlandschaft bringt sonderbare Konstellationen hervor - wie dieses Tour-Billing, das an einem ansonsten nicht weiter bemerkenswerten Dienstag Abend im hessischen Mühltal Halt machte. Die zwei lokalen Support-Bands Kohatred und Vaulting müssen in der Berichterstattung übergangen werden, der frühe Konzertbeginn erwies sich als unvereinbar mit meinen Arbeitnehmerpflichten. Im Anschluss, das Steinbruch-Theater hatte sich bereits halbwegs gut gefüllt, war es Zeit für eine Geschichtslektion, die ausgerechnet von den blutjungen Thrash-Rookies Warbringer verabreicht wurde.

Die trendhungrige Jugend hängt nur noch am Handy und schläuchelt Musik aus dem Netz? Hier kam der Gegenbeweis. Altmodischstes schwungvolles Gezacker, ein agiler, leider nicht sehr hörbarer Sänger und viel Würdigung für Slayer und die alten Bay Area-Kapazitäten, auch in modischer Hinsicht. Sworn Enemy könnten fast die Väter dieser Burschen sein und doch gebärdete sich Ihr Tough-Guy-Hardcore vergleichsweise moderner. Neben typischem New York- Unterprivilegiertem-Moshsound, in der Tradition von beispielsweise Sick of It All oder Biohazard, und ganz viel ungeregeltem Kreisverkehr vor der Bühne (der souveräne Fronter rief ständig zum "Circle pit"), der immer wieder auch Unbeteiligte miteinbezog, wiesen insbesondere die Tracks des neuen Albums einige gewaltige Metal-Riffs auf. Letztlich steuerten Sworn Enemy dennoch vor allem den Soundtrack zur Leibesertüchtigung in den ersten Reihen bei. Hüpfen, Treten, Schattenboxen - Musik zum Mitgehen eben, kompetent und sympathisch umgesetzt, nicht ohne Feinheiten (sogar Soli gab's) aber musikalisch nicht wirklich beeindruckend.
Dergleichen lässt sich von All Shall Perish nicht behaupten. Die technisch in einer Tour brillierenden Amis hatten sich mit Ihrer Metalcore-Extremversion die zunächst Sworn Enemy zugesprochene Headliner-Position erkämpft und konnten diese auch ordentlich ausfüllen. Dennoch, zu vorgerückter Stunde war nach dem zehnundvierzigsten, zugegeben meist detailreich ausgestalteten Breakdown ein bisschen die Luft raus. Leider nicht bei Schreihals Eddie, der auch weiterhin urgewaltig und oft gänzlich ohne Feingefühl auf sein Mikro einröhrte und dabei den an sich sehr ambitionierten Stücken so einiges an Klasse und Wirkung nahm. Bei den zwei Vorab-Tracks zum neuen Album "Awaken the dreamers" hielt sich der mit seltsamen Airdrumming-Einlagen nervende Shouter stimmlich auffallend zurück. Vielleicht geriet auch deshalb das mit klasse melodisierten Breakdowns versehene Midtempo-Stück "Never again" zum heimlichen Höhepunkt des All Shall Perish-Gigs. Eindeutiger Tiefpunkt dieses im Ganzen vor allem technisch überzeugenden Auftritts war ein peinliches Intermezzo auf unterstem Jackass-Niveau; einer der Zuschauer, der bescheuert und besoffen genug war, um sich dafür herzugeben, durfte sich ein Bandshirt verdienen: indem er ein Gläschen voll mit Schweiß austrank. Was so ein widerwärtiger Unsinn in der Setlist einer ernstzunehmenden Band verloren hat, die zudem politische Ambitionen verfolgt, ist mir rätselhaft. Dennoch aber überwogen an diesem Abend ganz klar die positiven Eindrücke.