Dark Fortress, Goatcult, Klamm, Mortuus Infradaemoni, Farsot, Todgelichter
07.03.2009 Aschaffenburg - Jukuz
Ich habe alles knapp kalkuliert, da ich annahm, das Festival würde ohnehin nicht nach mitgeteilter Zeitangabe beginnen. So beendete ich meinen Arbeitstag ca. 40 Minuten früher als ich sollte, holte unterwegs meine Fotokamera und den ungeduldigen Nachwuchs ab und ging los, um beim Weltuntergang im JuKuZ dabei zu sein.

Ich lag fast richtig: Unpünktlichkeit, allerdings mit Minus-Wert. Um 19.34 Uhr, als wir den Saal betreten haben, hatten die ersten zwei Bands bereits ihre Auftritte absolviert, grrrh! Doch ich habe keine Zeit mich zu ärgern, der Abend geht ja weiter. Ich kann mich nicht als einen bekennenden Black Metal Fan bezeichnen, ziehe mir halt rein, was in meinen Händen landet. Aus dem Programm kenne ich nur Dark Fortress und auch sie werde ich heute zum ersten mal live genießen dürfen. Dennoch bin ich gespannt auf die bleibenden Darbietungen und schaue mich um: der Saal ist fast voll, keiner von meinen Bekannten ist da, die schwarzen Gestalten sind relativ jung, ruhig und introvertiert.
Mortuus Infradaemoni wird in der Programmübersicht als die kultigste Band vorgestellt. Mit den auf Minimum reduzierten Werkzeugen (Gitarre, Bass, Schlagzeug und der Gesang natürlich) erzeugte die Band enorme, düstere Energie, die zusammen mit dem Nebel den Saal gefüllt hat, wovon mir stellenweise allerdings zu viel wurde und der Refrain des letzten Liedes auf mich ziemlich grotesk gewirkt hat: Schweiß und Schminke strömte dem Sänger herunter, während er mühevoll sang: "mir ist kalt!!!!!!!!!". Tja, das Tragische und Komische sind von einander nicht weit entfernt… Ich habe mich von der Bühne abgewendet und in dieser Position habe mir das Lied bis zum Ende angehört, da er doch gut war ...

Mit Farsot steigert sich die Dramatik des Abends in die irrealen Sphären, oder besser gesagt: in das schmerzhaft-melodische Inferno. Das Publikum nimmt willig diese Höllenqual auf sich.
Todgelichter wirken hingegen souverän, kalt, hart – very black ... Den nordischen Bestien ist offensichtlich bewusst, dass sie ihre Musik bestens zu präsentieren wissen. Mit einer Stimme, auf die selbst Satan stolz wäre, klärte der Sänger Mort über die Vergänglichkeit des organischen Daseins, über das schwarze Nichts und andere existenzielle Dinge eines Schwarzmetallers auf. Irgendwann traten sie die Bühne leider ab, nun setzten die Headliner den düsteren Mysterium fort.
Majestätisch erschaffte Dark Fortress glanzvolle Symphonien der Destruktivität: die Luft vibrierte vom Wehgeschrei und Klangmassaker inmitten der übrig gebliebenen Ruinen und versetzte den Zuschauer in dekadente Träume. Einigen wurde von dieser nonkonformistischen Art allerdings zu viel und sie verließen den Saal. Die Musiker knoten aber die Melodien, Rhythmen und Tempi unbeirrt weiter.
Doch am Nachtrande ist alles aus, der düstere Zauber verklang, das Licht ging an; Ich fand mich im JuKuZ wieder, seufzte tief, klemmte meinen Nachfahr unter den Arm und ging nach Hause.
Auf genauso diese Art und Weise wollte ich unterhalten und untergraben werden, das Festival hat mich nicht enttäuscht.

