Bang Your Head
26.+27.06.2009 Messegelände Balingen
Alle Jahre wieder kommt das Bangerkind ... die jährliche Pilgerfahrt nach Balingen gehört zum Metallerleben wie die Stretchjeans und die Friseurallergie. Auch 2009 lockte das Bang Your Head mit einem reizvollen Billing nebst einer drei Mann starken Totentanz-Gesandschaft eine größere Horde Fans auf die Baar (die Hochebene zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, ihr geographisch unwissenden Nichtschwaben!). Ich war im Vorfeld etwas skeptisch, wie das System mit den Shuttlebussen zwischen Zeltplatz und Festivalgelände funktionieren würde, doch dies war unbegründet - die Busse fuhren häufig und zuverlässig. Wettertechnisch hatten die Veranstalter von unbändiger Hitze (Freitag) bis zu ebenso unbändigem Regen (Samstag) ebenfalls ein abwechslungsreiches Billing gebucht, aber seit dem Orkan 2005 bin ich immer schon froh, wenn zumindest so etwas erspart bleibt. Und damit leiten wir elegant über zum musikalischen Teil. (Till)
Freitag, 26.6.2009

Hatstik
Die Sonne briet, die Klamotten waren in kürzester Zeit durchgeschwitzt, die Gründstückspreise für Schattenplätze auf dem Gelände befanden sich bereits um 10.00 Uhr in schwindelerregenden Höhen, als Hatstik die Bühne betraten, um das Bang Your Head zu eröffnen. Balingen wie fast immer eben. Nicht jedoch musikalisch, denn was uns das Trio aus der Region andrehen wollte, hätte ich nicht unbedingt auf diesem Festival vermutet. Life Of Agony waren ja schon eine akustische Umweltverschmutzung erster Güteklasse, aber warum darf eine drittklassige Kopie dieser Truppe dann auch noch beim Bang Your Head auftreten? Habt ihr Horst eure Seelen verpfändet oder war er auch mit einer kleinen Überweisung zufrieden? Der lahme Alternative Rock war jedenfalls alles andere als geeignet, um zu früher Stunde das Publikum aufs Gelände und vor die Bühne zu locken, in Tateinheit mit der Hitze war es eher eine Motivation zum Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts. (Till)
Alestorm
Anders ging es da schon bei den selbsternannten schottischen Piraten zu, die auf der Grave Digger-Tour deutlich auf sich aufmerksam machen konnten und somit heute nicht wenige Leute anzogen - davon ein gutes Dutzend stilsicher im mehr oder weniger authentischen Piratenoutfit. Okay, man kann Alestorm vorwerfen, daß sie eigentlich nur wie Turisas mit Piratenimage und ein bißchen mehr Power Metal klingen, aber ich mag die Band. Gute Songs, ansprechend und teilweise richtig mitreißend und somit sehr livetauglich, was auch in Balingen unter Beweis gestellt wurde. Das Set bestand jeweils zur Hälfte aus Songs der beiden bisherigen Alben, wovon "Over the sea", "Wolves of the sea" und "Captain Morgan's revenge" noch herausstachen. Das Fehlen von "Heavy Metal pirates" war natürlich unverzeihlich, und daß Keyboards zum Umhängen grausam häßlich sind, wurde auch schon vor 25 Jahren erkannt, nichtsdestotrotz legten sich Alestorm ordentlich ins Zeug und hatten die Sympathien des Publikums auf ihrer Seite. Die demnächst entstehende Lücke, welche Running Wild hinterlassen werden, können Alestorm sicherlich nicht füllen, aber von ihnen ist noch mehr zu erwarten, da bin ich sicher. (Till)

Kissin' Dynamite
Nach den schottischen Klängen kamen erstmals die Fans gepflegten Hardrocks auf ihre Kosten, als die schwäbischen Rocker von Kissin' Dynamite mit "My religion" loslegten. Um es vorwegzunehmen: Ich war gleich doppelt überrascht und absolut begeistert. Zum einen gefällt mir ihr Album ziemlich gut, jedoch konnte dies von der Band heute nochmal locker getoppt werden, denn die Show war gleichermaßen professionell, energiegeladen und authentisch. Man merkte einfach, daß Kissin' Dynamite ihre Musik lieben und leben, was in Metalsongs wie "Addicted to Metal" und "Steel of Swabia" ebenso deutlich wurde wie in hardrockigeren Gefilden wie "I hate hiphop" oder "Out in the rain". Und zum anderen war ich sehr überrascht, wie jung die Musiker noch sind - ich hatte keine Ahnung, daß die Band kollektiv aus Teenagern besteht, Sänger Hannes keine zwei Monate vor dem Festival sogar erst seinen 17. Geburtstag feierte! Angesichts dieser Tatsache ist die Leistung der Band gleich doppelt so hoch zu bewerten, und ich bin sicher, daß Kissin' Dynamite einen langen Weg nach oben vor sich haben, denn sie bewiesen eindrucksvoll, daß sie eine zwar nicht schlechte aber doch recht überbewertete Truppe wie Airbourne mühelos auf die Ersatzbank schicken können. Der Gig war einfach nur der Hammer - wer Kissin' Dynamite noch nicht kennt, wird hiermit zum sofortigen Reinhören zwangsverpflichtet. All hail to Swabia! (Till)

Ross The Boss
Die einzige wirkliche Enttäuschung des Festivals war zweifelsohne Ross The Boss. Wenn er zum Beispiel beim Keep It True seine Manowar-Vergangenheit wieder belebt, dann ist das ja noch in Ordnung, aber bei einem Festival wie dem Bang Your Head hat der Mann nichts verloren. Warum? Nun, die meisten seiner eigenen (neuen) Songs sind langweiliger Melodic Metal und zudem hat Ross auf der Bühne keinerlei Ausstrahlung. So reagierte auch das Publikum während des Sets sehr zurück haltend und reckte die Fäuste lediglich beim abschließenden "Hail And Kill" in die Höhe. Lahm! (Hansy)

Voivod
Zeit für eine der legendärsten Bands dieses (und wohl auch einiger anderer) Planeten: Voivod. Nach dem obligatorischen Bandnamensgeber peitschte "The Unknown Knows" schon mal ziemlich geil über einen hinweg. Doch was war das plötzlich bei dem kongenialen "Tribal Convictions"? Gleich mehrmals fiel die Gitarre von Dan Mongrain aus! Konnte es sein, dass Denis "Piggy" D'Amour aus dem Jenseits irgendwelche Einwände gegen seinen Nachfolger gehabt hat? Kaum vorstellbar, denn Dan integrierte sich hervorragend. Allerdings suchten aufgrund dieses Zwischenfalls noch mehr Neugierige den Weg Richtung Ausgang (dem überwiegenden Teil des Publikums waren Voivod eh zu abgedreht), so dass leider nur noch die Die-Hard-Jünger übrig blieben. Die durften sich am Ende aber zumindest noch über ein krankes "Astronomy Domine" freuen. Bleibt zu hoffen, dass Voivod nochmal auf Clubtour kommen, denn in düsterer Atmosphäre mit ein paar Lichteffekten gespickt, kommt die Band zweifellos besser zur Geltung. (Hansy)

Primordial
Zweifellos die stilistisch exotischste Band des diesjährigen Billings waren dann Primordial. Eine recht mutige Entscheidung seitens des Veranstalters, denn die Iren sind mit Sicherheit keine typische Festivalband. Lange, komplexe Songs zwischen Melancholie und Zorn sind nun mal beileibe nicht das, was sich der gemeine dickbäuchige BYH-Besucher gerne zwischen U.D.O. und Doro anhört, noch dazu bot die brütende Nachmittagshitze umso ungünstigere Bedingungen, um Primordials Musik zu unterstützen. Entsprechend angestachelt gaben sich Primordial alle Mühe, einen überzeugenden Gig auf die Bretter zu bringen, und das Publikum honorierte es tatsächlich. Während die Instrumentalisten relativ zurückhaltend bis headbangend ihren Dienst versahen, nutzte Neamtheanga öfter als jeder andere Sänger des Festivals den Laufsteg, begab sich auf Tuchfühlung mit dem Publikum, überzeugte nicht nur mit seinem unbestreitbaren Charisma sondern sang auch besser als je zuvor - hatte da jemand Gesangsunterricht? Auch seine Bühnenshow war etwas weniger posig und abgespeckter als gewohnt, was nur von Vorteil ist. Primordial sind mittlerweile eine sehr starke Liveband geworden, was die Fans trotz bescheidenen Sounds und drückender Hitze honorierten, denn Stücke wie "Gods to the godless", "Sons of the morrigan", "Heathen tribes" oder "The coffin ships" wurden ordentlich abgefeiert. (Till)

Sacred Reich
Sacred Reich sind auch so ein Fall einer Reunion, die es nach den ersten Gigs nicht mehr lassen können. Aus musikalischer Sicht können die Jungs auch ohne Probleme mithalten, gerade Drummer Greg Hall fasziniert mich damals wie heute. Songs wie "Crimes against Humanity" und "Surf Nicaragua" sind auch textlich immer noch aktuell, lediglich geographisch sind die Themen heutzutage anders gelagert. Optisch wirkt das ganze etwas statisch. Lead-Axeman Wiley Arnett hat zwar noch seine Matte, aber Fronter Phil Rind würde auch als Dirk Bach-Double durchgehen. Stimmlich ist er aber noch voll auf der Höhe. Mit "War Pigs" gab es das gewohnt gute Black Sabbath Cover und als letzter Song wurde natürlich der Hit "Surf Nicaragua" rausgehauen. Die Publikumsreaktionen hielten sich aber in Grenzen, verglichen mit dem Mosh-Pit vom 89er Dynamo Open Air. War aber eine souveräne Leistung. (Schnuller)

Sodom
Auf den wiedervereinigten Thrash aus Übersee folgte der bewährte und beständige Thrash aus dem Pott. Sodom starteten mit "Napalm in the morning" als Aufwärmübung, bevor ein anständiges Hitprogramm auf die Fans niederprasselte. "Outbreak of evil", "Remember the fallen", "Agent orange", "M-16", "Ausgebombt" und noch einiges mehr gab es zu hören, was für entsprechende Stimmung sorgte. Glücklicherweise verzichtete man auf überflüssige Coverversionen und bewies, daß auch urdeutscher Thrash absolut festivaltauglich ist. Insbesondere Bernemann überzeugte einmal mehr mit unbändiger Spielfreude, während Bobby trotz unlängst gebrochenem Bein tapfer seinen Dienst versah und Tom ins Mikro röhrte wie eh und je. Wer Überraschungen sucht, ist bei Sodom fehl am Platz, aber ein sauberer Gig war es allemal, der unter Beweis stellte, daß man sich das Trio halt doch immer wieder anschauen kann, ohne gelangweilt zu sein. Der obligatorische Abschluß "Bombenhagel" hinterließ jedenfalls ein sichtlich zufriedenes Publikum. (Till)
Lita Ford
Neben Hardcore Superstar, war Lita Ford der Act, den ich auf jeden Fall nicht verpassen wollte. Hätte ich aber vielleicht besser. Lita war für mich die Enttäuschung des Festivals. Ok, man hatte auf der Bühne mit Monitor und Gitarren-Problemen zu kämpfen. Die Backing Band spätestens hatte nach dem dritten Songs damit keine Probleme mehr, nur Lita scheuchte ihren Gitarren Techniker in einer Tour über die Bühne. Fuchtelte hier und da, versuchte sich zwischendrin wieder an lasziven Posen. Wechselte nach jedem zweiten Song die Gitarre, was wiederum neue Probleme für den armen Techniker gab. Gesanglich war sie auch nicht so auf der Höhe, ob das aber nur am Monitorsound lag, bezweifle ich mal. Das sah alles andere als souverän aus. Nach etwa der Hälfte des Sets gab ich auf. Später gab`s noch ein Duett mit Ehemann Jim Gilette (Ex-Nitro Sänger) mit einem neuen Song. Die Songauswahl an sich war zwar ok, aber der Auftritt an sich ließ doch arg zu wünschen übrig. Lita hätte besser versuchen sollen, den Gig (trotz vorhandener Probleme) ordentlich durchzurocken. Das Wechselspiel zwischen "mit den Problemen hadern" und lasziv auf der Bühne posen ging mir und einigen anderen auf den Zeiger. (Schnuller)

U.D.O.
Was jetzt kam, war wie schwarz und weiss, Feuer und Wasser oder Himmel und Hölle. Absolut kein Vergleich zu der schwachen Leistung von Lita bzw. ihren Technikern/Soundmenschen. U.D.O. hatten von Anfang an einen Hammersound! Im Hintergrund thronte ein Drumkit, das mal richtig nach Metal aussah. Der Sound war glasklar und dazu wurde auf der Bühne Metal zelebriert, wie es sich gehört. Udo demonstrierte eindeutig, warum er das Angebot bei einer weiteren Accept Reunion mitzumachen, abgelehnt hatte. Klar werden sich in seiner Setlist immer Accept-Nummern finden. In der heutigen Mischung wurde aber klar, dass die eigenen Nummern den Accept-Sachen nicht nachstehen. Und überhaupt…warum Altes wieder aufwärmen. Die letzten Accept Studio-Alben schnitten im Vergleich mit den U.D.O. Alben definitiv schlechter ab. Als Opener wurde gleich mal "Metal Heart" rausgehauen, gefolgt von "Midnight Highway". Mit "They Want War" vom Debutalbum, konnten U.D.O. die Stimmung auch ohne Probleme halten. Nach zwei weiteren U.D.O. Songs ("24/7" und "Vendetta") folgte mit "Princess of the Dawn" (Geil!!!) und "Living for Tonight" (!!!) ein weiterer Accept-Block. Mit "Man and Machine", "Thunderball" und "Animal House" ging dann der offizielle Teil des Gigs zu Ende. Mittlerweile wurde es auch dunkel und die Lichtanlage kam das erste Mal zur Geltung. Der Zugabeteil bestand aus "Holy", dem frenetisch gefeierten "Balls To The Wall" und dem alten Gassenhauer "I`m A Rebel" zum Abschluss. Eine ganz, ganz geile Vorstellung!!! (Schnuller)
Journey
Und dann der Headliner. Die Verpflichtung Journeys wurde im Vorfeld sicherlich kontrovers diskutiert ("wir sind doch nicht beim Rock Of Ages" gegen "denkt nur mal an den geilen Foreigner-Gig"), aber Journey zeigten sehr schnell, wo der AOR-Hammer hängt. Der Opener "Seperate ways" zeigte eine perfekt zusammenspielende Band mit mehrstimmigen Vocals, von denen die meisten anderen Truppen nur träumen können. Dazu einen glänzend aufspielenden Neil Schon und einen ebenso in Hochform befindlichen Arnel Pineda, der pausenlos über die Bühne fegte, sämtliche anderen Sänger des Festivals mit Ausnahme Rob Rocks ins zweite Glied verwies und dem unvergessenen Steve Perry stimmlich tatsächlich beängstigend nahe kam. All dies eingebettet in einen erstklassigen Sound, mit einer Betonung auf den pfundigen Gitarren, die Journey ein ganzes Stück härter klingen ließen als gewohnt, was sicherlich niemanden gestört haben dürfte. Die Setlist ließ ebenfalls keine Wünsche offen und präsentierte alle Klassiker, die man von einer Band, die wahrscheinlich nirgends mehr Platz für die ganzen Platinalben findet, zwangsläufig kennt. "Don't stop believing", "Any way you want it", "Wheel in the sky", "Only the young", "Lights", "Ask the lonely"…einfach nur geil. Auch wenn ich nach dem famosen Kissin' Dynamite-Auftritt der Meinung war, die Band hätte mit Journey die Position tauschen sollen, waren die Veteranen doch der verdiente Headliner und standen vollkommen zurecht ganz oben auf dem Freitagsbilling. 2006 habe ich die Band mit Steve Augeri gesehen, es war nicht verkehrt, doch der heutige Auftritt war um Längen besser und eines der Highlights dieses Festivals. (Till)

Samstag, 27.6.2009
Cloven Hoof
Die Briten von Cloven Hoof hatten ein schweres Los gezogen. Nicht nur, dass man am frühen Samstag-Morgen bereits auf die Bretter musste nein, der Wettergott ließ es auch schon seit Stunden regnen und ein Ende war nicht in Sicht. Und trotz dieser widrigen Umstände schaffte man es die Hartgesottenen in den spärlich besetzten Reihen vor der Bühne in den Bann zu ziehen. Schon beim Keep It True zeigte sich, dass die Band noch lange nicht zum alten Eisen gehört - und das, obwohl seit Gründung auch schon 30 Jahre ins Land gegangen sind - und hier bestätigten sie dies noch einmal. Vor allem Sänger Russ North legte exzellente stimmliche Qualitäten an den Tag, die jeden Fan von NWOBHM gepaart mit sattem Power Metal zu begeistern weiß. Schöner Einstieg in den Tag und zumindest die ganz heftigen Regenergüsse konnte die Band bis zum finalen "Gates Of Gehenna" vertreiben. (Hansy)
Läaz Rockit
Thrash-Metal aus Kalifornien zum Ersten. Läaz Rockit bliesen zwar nicht alles und jeden weg (wie später Exodus), zeigten aber, dass man sein Pulver noch gezielt abfeuern kann. Vor allem der Mittelteil mit "Last Breath" und "Chasin' Charlie" konnte begeistern. Basser Scott Dominguez hat das Flummy-artige Rumhüpfen früherer Tage zwar reduziert, dafür konnte Sänger Michael Coons mit starker Stimme und als Bruce-Springsteen-Lookalike überzeugen. (Hansy)

Powerwolf
Ein klein wenig Abkühlung war nach dem gestrigen Bratpfannenwetter ja durchaus nicht verkehrt, doch mußte es gleich Dauerregen von früh morgens bis früh nachmittags sein? Zu gegebener Zeit begab ich mich also in den Taucheranzug und schwamm durch einige frisch angelegte natürliche Stauseen zum Festivalgelände, um Powerwolf zu sehen. Irgendwie ist es schon dämlich, daß die Band ihr Image nach wie vor aufrecht erhält, obgleich längst jeder weiß, was es mit Powerwolf auf sich hat, aber egal - die Musik zählt schließlich, und da haben die Herren bekanntlich einiges zu bieten. Der Gig war eine ansprechende Mischung aus den drei Alben ("We came to take your souls", "Kiss of the cobra king", "We take it from the living", "Raise your fist evangelist", "Saturday Satan", "Resurrection by erection") und zeigte eine engagiert aufspielende Band, die recht professionell agierte. Manchmal glattweg zu engagiert, denn daß der Keyboarder in seinen Spielpausen ständig nach vorne rannte, um auf dem Laufsteg den Animator zu machen und sich anschließend beeilte, rechtzeitig zum Keyboard zurückzurennen, wirkte eher albern und sorgte für manch Gelächter in der Menge. Nichtsdestotrotz haben sich Powerwolf eine beachtliche Fanschar erspielen können, was nicht nur an der "Duftmarrrke in den Charrrts" (O-Ton Attila) sondern auch am trotz Sauwetters zahlreich erschienenen und gut abgehenden Publikum zu erkennen war. Mit der Band ist noch länger zu rechnen und sie sind auf dem besten Wege, sich als feste Szenegröße zu etablieren. (Till)

Driver
Dass Driver einen Projekt-Charakter haben, wird keiner abstreiten. Immerhin haben es vom "Sons Of Thunder" Line Up immerhin 3 Protagonisten nach Balingen geschafft. Neben Fronter Rob Rock ist Guitar-Wiz und Produzenten Ikone Roy Z. und Keyboarder Edward Harris Roth noch mit an Bord. Ich schlug etwa beim zweiten oder dritten Song von Driver auf. Immerhin hatten sich trotz des strömenden Regens schon Etliche vor der Bühne festgebissen. Fronter Rob Rock ist bestens bei Stimme und ist auch dauernd auf der Bühne in Bewegung. Der Rest der Band glänzt mit Zurückhaltung und es gibt nur vereinzelt, hauptsächlich vom neuen Bassisten, etwas Interaktion mit dem Publikum. Keyboarder Edward sitzt gar die ganze Zeit am Bühnenrand. Eine ordentliche Angelegenhit, bei der besonders Mr. Rocks Lieblingssong "I`m A Warrior" am Schluss ausufernd zelebriert wird. Immerhin begann der Regen langsam nachzulassen und die Wolkendecke riss langsam auf. (Schnuller)

Warrior
Das Warrior Debut von 1985 hat mich seinerzeit total umgehauen. Das `98er Zweitwerk hat mich dann gar nicht mehr so beeindruckt und weitere Alben kenne ich sogar überhaupt nicht. Dass mit Parramore Mc Carty auch wieder der Sänger des Debuts dabei ist, ließ mich Einiges hoffen. Zu recht! Zum Einen hörte es endlich auf zu regnen und die Sonne kam zum Vorschein. Noch besser allerdings die Setlist. Mit Ausnahme von "Welcome Aboard" und "Only the Strong Survive" wurde das komplette Debut gespielt. Parramore war in bester stimmlicher Verfassung und traf jede Note. Auch die Hammerballade "Cold Fire" wurde ohne Wackler aus dem Ärmel geschüttelt. Mit "Fight or Fall" und Tonight We Ride" schafften es nur zwei weitere Songs in die Setlist, für mich ein Fest. Der Sound war ein Brett, die zweistimmigen Gitarren-Leads wurden zum Teil geschickt variiert und auch optisch machten die Jungs was her. Das Bühnenoutfit war an die Endzeit-Klamotten vom Debut angelehnt und auch Show-mäßig war Alles im grünen Bereich. Allen voran Gitarrist AC Alexander poste wie ein ganz Großer. Hut ab und Daumen hoch! (Schnuller)
Pink Cream 69
Kurzfristig als Ersatz für Tesla eingesprungen, spulten die Pinkies ihren Auftritt souverän runter. Vor allem die mehrstimmigen Gesangspassagen kommen immer punktgenau. Allerdings binden gerade diese Parts die komplette Band an ihre Mikros, so dass lediglich Sänger David Readman für die optischen Reize sorgen musste. Aber mit Songs wie "Welcome The Night" oder "Shame On You" kann man nicht wirklich viel falsch machen. Solide! (Hansy)

Hardcore Superstar
Mittlerweile war es wieder richtig warm, der Himmel blau und die Stimmung gut. Was kann also besser sein als eine Packung Sleaze Metal! Letztes Jahr hatten die vier Schweden Probleme mit ihrem Flug aus Paris, so dass ihr Gig leider ins Wasser fiel. Dieses Jahr waren sie auf jeden Fall da. Nach dem geilen Intro "This Worm's for Ennio" legten sie auch gleich mit "Beg For It", dem Opener des neuen Albums los. Guter Sound, das Drumkit im gleichen giftgrün gehalten wie das CD-Cover und mächtig Bewegung auf der Bühne. Neu Gitarrero Vic Zino hat sich schon während der letzten Tour bestens in die Band eingelebt. Das kleine Energiebündel ist am bangen und posen wie ein Großer und wetzt nicht viel weniger über die Bretter als Fronter Jocke. Gerade Fronter Jocke ist wirklich die ganze Zeit in Bewegung, nutzt die komplette Breite der Bühne wirklich andauernd und ist in ständiger Kommunikation mit dem Publikum. Dass er einige Male fast die Hose verliert gehört ja zum Outfit, wobei das bei einer Stretch-Jeans schon ein Kunststück ist. In der Setlist befinden sich ausschließlich Songs der letzten 3 Alben, die allesamt mit erstklassigen Party-Krachern bestückt sind. Egal, ob das jetzt "We Don`t Celebrate Sundays" vom selbstbetitelten Album, "Medicate Me" und der Titeltrack vom Vorgänger "Dreamin` In A Casket" oder "Nervous Breakdown" vom neuen Album ist. Hauptaugenmerk liegt allerdings auf den Songs des erst vor zwei Wochen veröffentlichten Albums "Beg For It", bei denen das Publikum allerdings schon textsicher mitbrüllt. Die Jungs haben es auf großen Bühnen definitiv drauf, so dass man sich auf die Club-Tour im Oktober freuen kann. Mein Festival Highlight! (Schnuller)

Exodus
Exodus sind sicherlich eine der Bands, die vom wiederkehrenden Thrash-Boom mit am meisten profitieren. Allerdings auch völlig zu Recht, wenn man sich die Shows mit Overkill, Torture Squad und Gama Bomb reingezogen hat. Das Quintett (und vor allem die Recken der ersten Stunde Gary Holt, Tom Hunting und Lee Altus) hat immer noch mächtig Spaß in den Backen und donnert vor allem mit leichter Hand ein Klassikerriff nach dem nächsten raus. Good friendly violent fun!!! - inklusive Moshpits und Wall of Death. Sehr geil! (Hansy)
Y&T
Auch Y&T sind mittlerweile schon alte Bekannte beim Bang Your Head und immer wieder Garant für satten Heavy Rock. Ob "Open Fire", "Mean Streak", "Rescue Me", "I Believe In You" oder das finale "Forever" - die Band um Dave Meniketti hat nunmal eine Menge Hits in petto, an die man sich leider viel zu selten erinnert. Zwar waren Y&T wohl die einzige Band, die den Bühnenauslauf nicht wirklich nutzte, aber das dezente Stageacting störte nicht wirklich jemanden. (Hansy)

W.A.S.P.
W.A.S.P. hatten sich in den letzten Jahren nicht nur Freunde an der Live-Front gemacht. Von den Launen des Front-Hünen Blackie Lawless war in der Vergangenheit oft genug Länge und Qualität der Gigs abhängig. Heute hatten W.A.S.P., bzw. Mr. Lawless, auf jeden Fall einen ganz guten Tag erwischt. Mit dem Anfangsdoppel "On Your Knees"/"Inside The Electric Circus" kann man nicht viel falsch machen. Basser Mike Duda und Gitarrist Doug Blair gaben die ganze Zeit alles. Auch Mr. Lawless war ganz gut drauf, lediglich einige der Zeitschindereien könnte er sich abgewöhnen. Sein liebstes Turngerät, sein Alien-Mikroständer, hatte er heute auch nicht dabei. Er war aber gut bei Stimme und die Band rockte sich dreckig durch das Programm. Selbiges bestand übrigens bis auf zwei Songs nur aus Songs bis zum `92er Meisterwerk "Crimson Idol". Also gefundenes Fressen für das BYH-Publikum. Es waren zwar keine großen Überraschungen dabei, aber wenn man "L.O.V.E. Machine", "Wild Child", "Chainsaw Charlie" oder "Blind In Texas" um die Ohren geblasen bekommt, beschwert man sich nicht. "I Wanna Be Somebody" dürfte natürlich nicht fehlen. Es gab zwar einige Stimmen, die am Anfang auf Playback geschworen hätten, allerdings waren später doch einige kleine Patzer bzw. Verstimmungen an den Gitarren auszumachen. Von diesen Vorwürfen können wir also freisprechen. (Schnuller)
Blind Guardian
Der krönende Abschluß des Festivals sollte dann von Blind Guardian zelebriert werden. Seit sie 1996 das erste Bang Your Head headlinen durften, sind sowohl das Festival als auch die Band zu den größten und wichtigsten in Europa gewachsen - ein perfektes Paar sozusagen? Der Einstieg mit "Time stands still (at the Iron Hill)" war jedenfalls gelungen, auch wenn ich erstmal ein paar Minuten brauchte, um den Anblick eines kurzhaarigen, verstrubbelten Hansi Kürschs mit grauem Dreitagebart zu verdauen. So sieht man vielleicht morgens vor dem Zähneputzen aus aber nicht als Headliner auf einem großen Festival, Hansi! Noch dazu klang seine Stimme anfangs recht brüchig und brauchte ein paar Songs, um in Fahrt zu kommen. Blind Guardian sind jedoch zu großartig, um einen schwachen Auftritt absolvieren zu können, gaben auf der Bühne alles und ließen sich auch nicht vom erneut einsetzenden Regen ins Bockshorn jagen. Die Setlist berücksichtigte weitgehend das erwartete Hitprogramm, das ich hier nicht aufzählen muß, jeder kennt die zahlreichen Klassiker der Band. Ein paar Überraschungen hatten sie aber doch auf Lager - jedenfalls weiß ich nicht, wann "Goodbye my friend" zum letzten Mal live gebracht wurde, "Blood tears" zählt auch nicht gerade zu den häufig gespielten Stücken und auch ein brandneuer Song vom wer weiß wann erscheinenden nächsten Album wurde präsentiert. Klang gut und hätte auch ohne weiteres auf "A twist in the myth" gepaßt. Die Fans gingen erwartungsgemäß ordentlich ab, wie man es bei Deutschlands bester Metalband gewohnt ist - da konnte auch der Regen nichts dran ändern. Keine Frage, Blind Guardian waren der verdiente Headliner, der krönende Abschluß eines wie immer gelungenen Bang Your Heads. Und ich bin sicher, auch 2010 wird sich das Kommen erneut lohnen - we'll be there! (Till)