Loikaemie, Stage Bottles
08.11.2009 Frankfurt, Nachtleben
Wirtschaftskrise, Konzertüberfütterung, Sonntagabend? Davon war heute im Nachtleben nichts zu merken - Loikaemie riefen und der Laden platzte aus allen Nähten. Schon vor Konzertbeginn war es eine Mühe, sich durch die Menge zu schieben. Lag vermutlich zum einen daran, daß die Truppe erst zum zweiten Mal in ihrer mittlerweile 15jährigen Karriere in Frankfurt gastierte, zum anderen am fanfreundlichen Eintrittspreis von 13,50 an der Abendkasse. Punks und Skins allenthalben, ein paar eingestreute Undefinierbare, der Chronist stilsicher mit Keep-It-True-Shirt zwischendrin - es sah nach einer guten Party aus.

Zuerst lag es an den Stage Bottles, die Fans anzuheizen, was auch gut gelang. Die Band hatte eine volle Stunde zur Verfügung, um ihren Punk von der Bühne zu schleudern, und dieser klang so, wie er sein muß: simpel, schnell und immer ordentlich auf die Glocke. Das krankheitsbedingte Fehlen des zweiten Gitarristen war kein großes Manko, die Stage Bottles rockten ordentlich, das Publikum ging ebenfalls gut ab und nutzte die Gelegenheit zum pogen ausgiebig. Alles wie gewohnt also? Nicht ganz, denn die Band veredelt ihre Musik bei zahlreichen Songs mit einem Saxophon, welches der Sänger recht kompetent handhabte. Nicht so cool wie Aurora (die Ungarn mit dem Trompetenpunk, für die Unkundigen), trotzdem eine saubere Vorstellung. Etwas auf den Zeiger gingen mir aber die nach jedem zweiten Song penetrant eingestreuten Anti-Nazi-Ansagen. Natürlich ist es richtig und auch notwendig, sich dergestalt zu äußern, aber man kann es auch übertreiben, denn mit solchen Parolen ist es wie mit der Währung: Eine zu hohe Auflage führt zur Abwertung.

Nach einer Stunde war der Spuk dann vorbei und schon während des Umbaus waren die vordersten Reihen kaum zu halten und brüllten sich mit "Loikaemie"- und "Oi!"-Chören in Rage. Geplänkel für das, was folgen sollte, denn als das Trio Infernale die Bühne betrat, brach das Gewitter wirklich los. Einen solchen Moshpit habe ich lange nicht mehr erlebt, vor der Bühne tobte eine wahre Schlacht, als Loikaemie mit "Wir sind geil" loslegten. Alles wirbelte durcheinander, brach sich fröhlich die Knochen, die Temperatur stieg in sommerliche Dimensionen und mußte mit ausreichend Bier reguliert werden, was nicht ganz einfach war, denn die Truppe da oben zeigte sich sehr motiviert und spielfreudig und hatte keinerlei Verschnaufpause für ihr Publikum vorgesehen. Statt dessen ein Knaller nach dem nächsten: "Oi! That's yer lot", "Good night white pride", "Sex, Gewalt & gute Laune", "Ihr tut mir leid", "Merk dir meinen Namen", "Join the underground", "Ihr für uns und wir für euch"…eine Stunde schnörkellose Action auf und vor der Bühne, was will man mehr? Good friendly violent fun, die Hämatome am nächsten Morgen dürften bei den Anwesenden zahlreich gewesen sein, was für die Qualität des Konzerts spricht. Loikaemie schreiben nicht nur gute Songs sondern schaffen es auch, mit ihrer Musik und ihren Texten die Szenen zu verbinden und zum gemeinsamen abfeiern zu veranlassen. Einen besseren Ausklang fürs Wochenende hätte ich mir jedenfalls kaum vorstellen können und kroch anschließend gut durchgeschwitzt und glücklich grinsend nach Hause. Laßt euch nicht wieder so lange Zeit, bis ihr das nächste Mal nach Frankfurt kommt, Oi!