Enslaved - Mid

(Nuclear Blast) 

 

Enslaved waren bei mir mal extrem hoch im Kurs gestanden, doch seit Keyboarder und Co-Voice Herbrand Larsen 2016 aus – und Hakon Vinje eingestiegen ist, stimmt für mich leider der Vibe nicht mehr. Früher wäre es zudem undenkbar gewesen, dass die Nordmänner gemeinsame Sache mit einem Shanty-Chor machen, war der intelligente, urwüchsige Viking Metal doch immer eine Antithese zum schunkeligen Pagan Metal-Unfug. Man kann also durchaus sagen, dass es schon Enslaved Alben gab, auf die ich mehr gewartet habe als auf dieses. Mehr aus alter Verbundenheit denn aus schierer Neugier aber befasse ich mich dann doch damit.

 

Und werde nicht enttäuscht: denn das, was ich höre, lässt mich erneut mit einigermaßen ambivalenten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite sind Enslaved immer noch begnadete Komponisten. Einige Stücke wie das wuchtige, unerwartet straighte „Solar will“, das sich immer massiver auftürmende „Mountains“ (im Grunde Post Metal) oder das mit toller Hookline aufwartende "Tales of trees"treffen komplett meinen Nerv, während mir die Eso-Folk-Nummer „Spirit helper“ mit seinem Indianer Gejaule (nur in musikalischer Hinsicht abwertend gemeint) einfach nur auf die Nerven geht. Der Rest fügt sich ungefähr zwischen diesen beiden Polen ein, mit deutlicher Tendenz zum Besseren, auch weil der Klargesang, den sich Drummer und Tastenmann teilen, überraschend griffig ist und Enslaved halt einfach nicht schlecht können.

 

Richtig gut aber scheinbar auch nicht mehr, das letzte wirkliche Überalbum war für meine Begriffe „In times“ und das ist dann doch schon über eine Dekade her. Dass die Norweger aber auch im 17. Anlauf noch Relevanz ausstrahlen und nicht zum eigenen Abziehbild verkommen sind, ist aller Ehren Wert. Tolle, über alle Maßen kreative Band, auch wenn die Gegenwart aus meiner Sicht hinter der ruhmreichen Vergangenheit etwas verblasst.

 

(Chris)

 

https://enslaved.bandcamp.com/album/mi

 


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