Wacken Open Air 2026 - Festivalbericht

Wacken Open Air 2026 - Festivalbericht
Prolog:
Wenns mal etwas länger dauert, kanns ja trotzdem gut werden. Eine Woche vor Start des 35. Wacken Open Airs konnten die Veranstalter dann endlich ihr ersehntes „Sold Out“ über das Plakat anbringen. Die Umstände der extremen Wetterverhältnisse, gerade 2025 betreffend, wollte die Masse so nicht mehr hinnehmen. Wurden diese zunächst noch etwas lapidar abgetan, änderte sich die Grundhaltung im Laufe des Jahres, es wurden Maßnahmen angekündigt und dann nach und
nach umgesetzt: Platten vor den Bühnen (die dann doch nicht gelegt wurden, da man ein Schwimmbecken gebaut hätte), befestigte Wege verdoppeln und es wurde sogar eine feste Straße angelegt, mitten durch die Ackerlandschaft. Die Hauptwege bekamen verschieden beleuchtete Lichterketten zur Orientierung (Wacken ist, wenn man sich dennoch verläuft) und es gab sehr viele neue, teils überdachte Sitzmöglichkeiten sowohl vor, als auch auf dem Infield.
So konnte dann auch eine Woche lang mit voller Hütte dem Metal gehuldigt werden und man kann sagen, das 35. Jubiläumswacken wurde ein voller Erfolg mit bestem Wetter und Laune.
Sonntag
Los geht’s tatsächlich schon am Sonntag, somit kann man also von einer kompletten Woche Wacken sprechen. Mob Rules spielen an diesem Tag im Landgasthof Wacken, kurz LGH genannt. Ob die Band an einem anderen Tag keine Zeit hatte, ob sie einfach vor kleinerem Publi
kum spielen wollte, keiner weiß es, jedenfalls findet sie nicht auf einer Open Air Bühne statt.
Ebenfalls spielen Skyline dort, die Band, die einst traditionell die Hauptbühne eröffnen durfte. In 2026 dann wieder am Donnerstag auf der Hauptbühne. Der Tradition wegen ist dies nach wie vor ein gutes Ding, relevant im Sinne als Opener des Infield oder mit Covern anteasern, wer nächstes Jahr spielen könnte, ist da sicherlich nicht mehr viel.
Montag:
Mambo Kurt darf an jedem Tag und zum Teil mehrfach spielen. Unglaublich irgendwie, keine Ahnung ob da sowas wie ein Weltrekordversuch hinten dran steht, der Mann einfach einen
enormen Spaß hat und das Publikum nicht genug bekommt oder er letztendlich zu einem Meyboard mutiert ist, halb Mensch halb Keyboard eben. Sachdienliche Hinweise werden vom Totentanz Magazin gerne entgegengenommen und diskret vernichtet.

Ansonsten fällt auf, dass die Louder Stage etwas mehr nach links und somit in die Senke gerückt wurde. Von der Sicht her besser, aber die Verteilung links und rechts fällt somit etwas schwerer und jeder kennt das Phänomen vom stauenden Publikum in der Einlassschleuse und dem Platz weiter hinten. Unschlüssig ob dies wirklich eine Verbesserung darstellt.
Auch die Wasteland Stage wurde mit dem kompletten WasteLAND nach rechts zum Eingang der
Louder gerückt. Zwar hat man dort etwas mehr Platz, die Bands die dort spielen haben aber leider eine undankbare Position, denn die Masse strömt eben doch über den Plaza und zufällig verirrt man sich daher selten zur Wasteland.
Dienstag:
Essensvielfalt gibt es wie gewohnt en masse, von der 4 Euro Frikadellen, über Burger, Pizza (Mario Stand neben der Hauptbühne unglaublicher Andrang), Knobibrot, Steak und Wurst bis hin zu Pulled Pork Burger, Falaffel, Handbrot, Zwiebelfleisch, Hirschgulasch und und und. Es sind eben Festivalpreise, damit muss man rechnen. Wenn man sich die Preisentwicklung aber auf dem normalen Markt anschaut, kann man sagen, diese wurde hier nicht zelebriert, dafür war es eben vorher unnatürlich teuer.
Und das Bier? Das wurde ja billiger aber dürfte auch Streitpunkt Nr 1 auf dem gesamten Festivalgelände gewesen
sein. Geschmacklich für den deutschen Gaumen eben wirklich eine Herausforderung, selbst ausländische Gäste schütteln bei dieser Entscheidung den Kopf. Vereinzelt gibt es natürlich Stimmen, die das „Bud“ mögen, frisch gezapft ist es auch zunächst nicht schlecht, die letzten 0,1 Liter vom 0,5er Becher sind aber jedes Mal so abgestanden, dass es eine Zumutung wurde. Die frische Pinselei der Marke auf der Mauer des LGH lässt aber vermuten, dass es sich leider wirklich um einen 5 Jahres Vertrag handelt. Mal sehen wie die Zahlen so aussehen, Samstags war jedenfalls vielerorts das Zeug für Cola Mischgetränke leer, was vermuten lässt, dass die Leute Alternativen gesucht haben.
Achja, und die super funktionierende Kooperation mit dem Bembel (Apfelwein in Dosen), wurde auch größtenteils aufgegeben, diesen gab es nur noch an ausgewählten Ständen.
Wacken lebt nicht nur von Verbesserungen, sondern auch von Fehlentscheidungen (die dann aber meist erkannt und rückgängig gemacht wurden, wir sind gespannt und werden berichten).
Im LGH dürfen Pentastone aus Darmstadt ihren female fronted modern Metal spielen und treten somit vor dankbarer Kulisse auf, egal wann man diesen Saal betritt, es herrscht eigentlich immer eine ausgelassene und gute Mitmach Stimmung dort, ob Live Band oder Karaoke Auftritte. Der Anstrich von Bud an der Hauswand hat also zumindest drin zunächst nicht geschadet.

Mittwoch:
Ein einzelner Mann im Wasteland, Van Tastik, mit Gitarre bewaffnet, ein Schlagzeug vor sich (ein imaginärer Affe mit Becken auf der Schulter) und Samples im Gepäck, so kann ein Tag in Wacken auch mal starten. Als Alleinunterhalter gar nicht mal so schlecht und guter Einstieg um die Wochenmitte zu starten.
Visions of Atlantis haben wir es zu verdanken, dass da draußen noch eine Power-Masken-
MetalBand ihr Unwesen treibt, Oberzombie Dr. sowieso produzierte die Atlanta und hatte dann die innovative Idee, Ghost meets Powerwolf meets Sabaton (2 der 3 folgen ja noch am Samstag) zu machen. Warum nicht mal auf einer Erfolgsformel schwimmen?
Womit es direkt die Überleitung zu Thundermother gibt, die sich den Arsch abtourten, gerade in der Pandemie wurde ja niemand verschont, und die mittlerweile fast schon kleiner auf einem Plakat bei Judas Priest als Support stehen, als die erwähnten Dominum. Tja, wenn man sich die Headliner am Samstag anschaut, dann sieht man, worauf die Masse anscheinend so abfährt. Mal sehen die
wievielte Kopie der Kopie noch durchgewunken wird, bis es dann doch zu viel wird. Das alles spielt sich auf der LOUDER Stage ab, während auf der FASTER nicht unähnliches passiert. Hier reden wir aber dann nicht unbedingt vom Masken und Powermetal Ball (ok, vielleicht doch Masken) sondern eher vom Fun und Partyball.
The Butcher Sisters, Eskimo Bassboy (oder so ähnlich) und Hämatom dürfen ihren „Gagamania Wednesday“ abhalten, wurde tatsächlich so getauft. Wo früher auf dem Wacken dem Nachbarn der Stecker gezogen oder ins Aggregat gepisst worden wäre, hätte er solche Musik laufen lassen, findet dies jetzt auf der Hauptbühne statt. Vielleicht haben sich dann doch über die Jahre die falschen Menschen auf Wacken vermehrt? Man weiß es nicht, man weiß es nicht und erinnert sich vage an einen Film namens „Idiocrazy“.
OK, ganz so ist es natürlich nicht und was soll man sagen, es ist teilweise eine Vermischung von
Musikstilen die eben jüngeres Publikum anzieht oder wie bei Hämatom, deutschsprachiger Metal, der aber eher belanglos daherkommt und ohne einen Pusch im Rücken und den Masken niemanden interessieren würde. Tut aber auch nicht weh und vor allem hält die Band nicht mit Ansagen gegen Rechts hinterm Berg.
Der internationale Metal Battle findet derweil parallel mit den Siegerbands aus den jeweiligen 55(!) Ländern abwechselnd auf der HEADBANGER und W:E:T Stage statt. Hier stehen die Hoffnungsträger für die nachfolgenden Jahre, wobei sich hier wirklich sämtliche Gernes tummeln. Gewonnen hat in diesem Jahr Force aus Chile, die von der Jury gekürt wurden. Es gab aber noch
einen zweiten Gewinner in diesem Jahr, denn das Publikum konnte weltweit online abstimmen und diese entschieden sich für Sentient Void von den Philippinen. Glückwunsch da draußen, mal sehen ob es der Karriereleiter weiterhin hilft.
Ein Urgestein aus Australien geht auf Abschiedstournee und bei dem Lebensstil und der Bandgeschichte ist hier mal stark davon auszugehen, dass sich diese Tournee nicht endlos zieht und auch kein Comeback mehr stattfindet. Die Rede ist von Rose Tattoo, die am späten Abend auf der WET die Altrocker bedienen. Angry Anderson steht zwar noch mit seinen 78 Jahren, machte aber schon
beim letzten Gastspiel in Wacken klar, dass ein Kneipenauftritt mehr sein zuhause wäre, als diese große Bühne. Aber, sei ihm gegönnt, noch einmal vom großen Publikum abgefeiert zu werden und es war wirklich sehr gut gefüllt an dem Abend. Kurios dass dieser Mensch offenbar seinen eigenen Spucknapf neben den Drums stehen hatte!
Auf der Wasteland gibt es ebenfalls kultiges zu hören, The Troops Of Doom mit dem ehemaligen Sepultura Gitarristen Jairo „Tormentor“ Guedz ballern einem ordentlich was um die Ohren,
während Sacred Steel zwar gut abräumen, man sich wegen deren ultra trueness doch fragt, wie sie sich überwinden konnten, dem Wacken Trubel zuzustimmen. Die Fans vor Ort freuen sich und huldigen dem heiligs Blechle aus Süddeutschland, die in diesem Jahr ebenfalls ein Jubiläum haben, nämlich 30 Jahre.
Ein Gastspiel von Jairo von Tormentor bei den Freitags aufspielenden Sepultura wäre natürlich geil, aber ein Herr Kisser möchte ja nichts mehr über die Vergangenheit wissen. War im letzten Interview dazu etwas bissig unterwegs, der Kleine.

Donnerstag:
Ein kleiner Hitzeschub und es wird schon wieder anstrengend am Donnerstag auf dem Acker. Obs daran lag oder was auch immer los war, Alien Ant Farm haben nicht so richtig Gas gegeben und kamen irgendwie mit angezogener Handbremse rüber. Zwar wackeln beim Radio Hit „Smoth Criminal“ allerhand Beine umher, aber da war die Luft raus.
Im Gegensatz zu den deutschen, wiedergekehrten, nach eigener Aussage nie weg gewesenen H-Blockx. Beide auf der Louder, bei gutem Publikumsandrang und beide in der Mittagshitze über 30 Grade, aber die Äitschies zeigen dann, wie es richtig geht. Sänger Henning kauft man die überglückliche Freude, endlich auf dem Wacken zu spielen, ab und beim letzten Song, „Ring Of Fire“ glänzt die Band sogar besser als beim eh schon gut aufgenommenen Coverstück mit einer arschcoolen Gitarre. So geht 90iger Crossover auch im Jahr 2026 gut rein.
Heaven Shall Burn hatten ja schon Anfang des Jahres einige Freitickets unter die Leute gebracht, die in ihrer Stadt zur Blutspende waren und jetzt gab es eine Verlosung, um deren Clubshow im LGH beizuwohnen. Krasse Sache und für alle Gewinner wohl ein einmaliges Erlebnis, eine Band dieses Kalibers in solch einer Atmosphäre zu sehen. Ob der LGH danach neu aufgebaut wurde ist nicht überliefert. Hinweise hierauf bitte in den eigenen Briefkasten werfen.
Vielleicht musste danach jemand zur Therapy? Diese spielten jedenfalls auf der Louder vor gut gefüllter Kulisse, Alternative Metal funktioniert heutzutage eben auch noch. Sänger Andy trägt jedenfalls ein stylisches „Die Verlierer“ Shirt und widmet den Song „Die Laughing“ Ozzy. Zum Ende hin gibt’s vor der Bühne sogar noch einen kleinen, humanen (die Fans sind ja nicht mehr die jüngsten) Moshpitty.
Ob man jetzt die ohne Frage qualitative Musik von Uli Jon Roth mag oder nicht, authentisch ist der Mann ja auf jeden Fall und wenn er zwischen diversen Gastsängern (u.a. auch irgendwie seltsam besetzt mit Mille von Kreator) Roland Grapow von Masterplan als „Überbrücker“ technischer Probleme auf die Bühne holt, der die Menge vergeblich zum Mitsingen anheizen will und diesem dann kurz sagt, dass das nich so richtig geklappt hat, tja, dann weiß man um die Authentizität der Person Bescheid. Die Altrocker sind auf jeden Fall zufrieden, ebenfalls mit den kurzen Anekdoten zwischen den Songs und der Alt-Hippi liefert immer noch ab.
Noch vor Beginn der Show heizt Bassist Joey von Life Of Agony den Leuten ordentlich ein, sodass
direkt schon ein kleiner Pit startet, bevor überhaupt erst ehemals Keith, ehemals Mina, jetzt wieder Keith Caputo mit seinem Gesang anfängt. Wer auch immer da jetzt steht, die Fans feierns ab und es spiegelt mal wider, was eigentlich schon immer in der Metalszene so war: i dont give a fuck! Es ist den Leuten schlichtweg egal ob Männlein oder Weiblein und wenn die Polizei Schleswig-Holstein am Eingang mit Regenbogenfarben Werbung macht, dann ist das ok, aber auch das ist schlichtweg egal. Die Metalszene braucht keine aufgebauschten Shitstorm Skandale von Leuten, die sonst keine Bühne kriegen und sich daran aufgeilen, anderen was Schlechtes zu wünschen.
Manche brauchen anscheinend auch keinen Gitarren-Virtuosen, denn nach dem Auftritt von Yngwie Malmsteen konnte man Shirts sehen mit dem Aufdruck „Yngwie who?“. Während die einen wohl die ungewöhnliche Show mit wenig Gesang und viel Gitarrensolis und noch mehr Solis auf der Gitarre bewunderten, verachteten andere wohl das Ego der größten Koteletten, die 2026 auf dem Wacken zugegen waren.
Europe sind besser als Blaaz Of Glory. Muss man jetzt mal so sagen.Während die einen seit
Jahrzehnten über den Acker und im Schwimmbad immer wieder mit ihrem Fastnachtsensemble den finalen Runterzähler geben und so ausgelutscht sind, wie weggeworfene Stile von Chupa Chups, glänzen die Schweden vor ihrem Superhit mit einer begeisternden Performance und Stücken, die teilweise ins epische und teilweise ins normal rockige der 80iger abdriften. Und ein gewisser Alea von Saltatio Mortis versucht wohl, jegliche möglichen Slots der guten alten Doro auszufüllen. 2027 vielleicht mal besser hinter den Kulissen einspannen.
Bei P.O.D. auf der Louder war er zum Glück nicht zu sehen, dafür begeistert die Band um Rasta-Frontman Paul direkt nach einem Western Intro mit ihrem Hit „Boom“ die Masse und geben von Anfang an Vollgas. Springen, Moshen, Hüpfen, und Kreispitten, all das und noch mehr ist angesagt und wenn der Gig mit „Alive“ endet, dürfte wohl niemand unglücklich von diesem Auftritt von dannen ziehen.
Währenddessen spielen Blood Red Throne aus Schweden ihr „Altered Genesis“-Set. 21 Jahre hat das Album auf dem Buckel, bietet sich also ne special Celebration an. Schließlich ist 21 immer noch die zweite Volljähigkeitsgrenze und vielleicht darf die Scheibe jetzt endlich in den USA Alkohol trinken.
Sabina Clasen kanns auch nicht lassen. Ende verkünden mit Holy Moses, ein paar Monate später den erneuten Anfang mit Temple Of
The Absurd und natürlich auf Wacken spielen. Jo, soll sie machen, aber ein klein wenig tritt sie da in die Fußstapfen der „ich laber euch zu dass ich aufhör, ällabätsch, mach ich aber doch nich“ Leute. Mal sehen was noch so kommt und wenns mit den Templern doch nix wird, wer würde es übel nehmen wenn der Moses zurückkehrt? Nur ein paar, Metaller verzeihen bis sie umfallen.
Eine Woche zuvor spielten Savatage einen extra für diesen Auftritt konzipierten Gig mit Orchester in Pompei. Natürlich kann Wacken mehr Gäste aufbieten, aber das dürfte schon ein einmaliges Erlebnis gewesen sein und so verwunderte es auch nicht, dass die Truppe von zunächst nur gut aufspielend, aber etwas zu routiniert wirkte. Spätestens aber mit einsetzendem Sonnenuntergang, der den Herrschaften wohl den besten Anblick des ganzen Wochenendes beschert haben dürfte, ist das Eis aber gebrochen und auch die zahlreichen Flaggenträger die während dem gleichen
Einspieler auf der Leinwand während „Chance“ ins Publikum marschieren, setzen coole Zeichen! Wer letztes Jahr in Oberhausen dabei war, dürfte die unglaublich euphorische Stimmung noch gut im Kopf haben (neben der unheimlich dreist überfüllten Halle) und da konnte Wacken leider nicht mithalten. Aber Vergleiche, mit einem nicht zu toppenden Auftritt sind eben auch schwer, sodass es dennoch ein sehr guter war, mit einer leicht abweichenden Setlist, die auch ein paar Überraschungen bot, aber eben auch die coolen Einspieler von Jon am Flügel zu „Believe“.
Währenddessen darf Evil Jared & Krogi auf der Wasteland seinen Unfug treiben. Man hätte ja zu
gerne mal gesehen, ob genauso viele Klopfer verschenkt wurden wie in der Weihnachtsausgabe des Wacken (gabs im Stream), aber man kann bekanntlich in Wacken nur auf 2 Hochzeiten gleichzeitig tanzen.
Die Mittagshitze forderte ihren Tribut, denn Def Leppard haben zwar immer noch eine beachtliche Crowd vor der Bühne, die wäre aber bestimmt größer ausgefallen, wenn die Müdigkeit nicht hier und da eingesetzt wäre. Denn die niemals nicht zur NWOBHM gehörenden Leppis sind bei
unheimlich guter Spiellaune und auch der Sound ist fantastisch, neben einer super guten Lichtshow. Hier stimmt alles und die Band geizt auch nicht damit, Hits mit eher unbekannteren Songs abzuwechseln. Der einzige Regen des Wochenendes hielt sich aber auch in Grenzen und kam nicht flutartig vom Himmel. Top Einstand für die Feuertaufe und so auch gerne wieder. Warum nicht?
Der ehemalige Benediction Fronter Dave Hunt darf dann noch zu später Stunde mit Anaal Nathrakh ran. Was soll man sagen, Grindcore mit Prog Einschlag und Grunze meets Klargesang? Ziemlich krude Mischung, die die Leute vor der Headbanger Stage noch nachts zum Circle antreibt. Guter Abschluss.

Freitag:
Was gibt es besseres, als sich den Kater mit der ersten Band auf der Hauptbühne aus dem Kopf zu pusten? Außer ausschlafen, außer keinen Kater haben, außer einem Wellness…ok, welche Band passt besser zu einem verkaterten Kopf am Freitag Mittag auf Wacken? Richtig, Gutalax. Zunächst mal muss man sagen, die Band hat es musikalisch drauf, da gibt es andere Granaten, die nicht so tight spielen und gute Riffs reinballern. Sänger Martin macht dazu nicht nur die markanten Geräusche mit seiner Stimme, versteht sich als super Entertainer zwischendurch und bekommt auch den Preis für die besten Tanzeinlagen des Wochenendes (zumindest auf der Bühne, was manchmal vor der Bühne abgeht, dafür ist Ausdruckstanz gar kein Ausdruck).
Im Moshpit kommen die zahlreichsten Utensilien vor, die man sich nur ausdenken kann, natürlich
viel Klopapier, aber z.B. auch ein Pömpel auf der Glatze. Und in den hinteren Reihen sind überall nur grinsende Gesichter, die teilweise auch mal Tränen lachen müssen. Perfekt Leute, tut es euch an, wenn ihr die Gelegenheit habt.
Auf der Headbanger Stage spielten die britischen Employed To Serve dann die Schöne und das Biest nur umgekehrt: Fronterin Justine growlte und der Klargesang kam vom Gitarristen. Massive Soundwand die die Leute ebenso, nur eben anders begeisterte, ohne Klopapier usw. Vorher, auf
dem Weg zum aufsammeln des Klopapiers begegnete einem noch TEN56, eine modern Deathcore Band die etwas spärlich besucht war, aber aufgrund ihres Agro Levels schon mehr Besucher verdient hätte. 12 Uhr ist aber auch ebenso hart, wie die Musik der Franzosen.
Während der Yngwie die größten Koteletten trug, konterte Janne von Grand Magus mit den
seltsamsten. Epischer Metal wurde geboten, an sich ja heutzutage nicht unbedingt selten, zumindest auf Underground Events. Aber irgendwie selten auf Wacken, da könnte man doch etwas gegensteuern. Aber vielleicht ist auch nicht genug Zielgruppe für mehrere solcher Bands vorhanden, reagiert doch der allgemeine Untergrundler sehr allergisch auf die Worte Wac und ken. Dass manche (evtl. mit Allergietabletten) durchaus beides unter einen Hut bringen bewiesen zahlreiche Fans, die ihre Fist in die Air schwenkten. Viele „Ohohoooo“ Gesänge danach zeugten davon, dass diese Art von Musik Wacken gut zu Gesicht steht.
Zwar sind es keine 30 Grad mehr, Paradise Lost spielen aber dennoch in der Mittagssonne, wozu der schleppende Deprisound eben nur bedingt passt. Die Anwesenden feierns dennoch ab und mit „Smalltown Boy“ holt man auch Gothicaner ab, die nicht komplett mit dem Repertoire der Band vertraut sind.
Der Kanadier Danko Jones hat es jetzt dann also auf die Hauptbühne geschafft. Viel Radio Airplay
und der Dunstkreis von Managments aus dem Hübner Haus sorgen für immer größere Popularität. Aber, es sind eben auch gute Songs hinzugekommen. Zwar immer nur ein wenig pro Album, aber mit steigender Zahl lässt sich dann auch ein gutes Set füllen. The italian Bassmän hüpft dazu wild umher und Dan K.O. schnauzt zwischen den Songs wie gewohnt in sein Mikro, bedankt sich aber nach dem Gig noch artig und will das ganze Publikum auch seiner Mutter auf dem Handy zeigen. Souveränder Auftritt.
Erstaunlich, 2025 mussten Saxon noch ihre Auftritte absagen, da Biff sich um seine Krebserkrankung bzw. Genesung kümmern musste und 2026 ist davon überhaupt nichts zu spüren bzw. meint man gerade, er habe mehr Energie als zuvor. 92 das erste Mal in Wacken, sollen Saxon bitte so oft sie wollen noch dort spielen, denn mit so einem Energiegeladenen Auftritt spielen sie manch andere junge Band noch in die Ecke. Es gab übrigens keinen Gastauftritt von Doro und irgendwie hat man die Dame nirgends gesehen, außer im Fernsehgarten am Sonntag, aber das ist eine andere Geschichte.
Döner auf dem Wacken 3,50€? Könnte vorkommen, wenn man den Österreichern von Insanity
Alert glauben kann, denn auf deren LED Leinwand wurde dies stark angepriesen. Aber dort sollte man eh mehr auf die selbstgebastelten Schilder achten, mit „Run tot he Pit, mosh for your life“ usw. Insanity Alert sind immer für einen gewitzten Mosh Pit gut und so dann auch hier auf dem Acker. Schön bunt und durchgeknallt um eine Nachmittagsmüdigkeit im Wasteland zu vertreiben.
In Flames sind ja immer wieder kontrovers bei Live Auftritten. Die persönliche Meinung zum diesjährigen: es war geil. 4 Songs vom letzten mega Album gespielt, natürlich die unsterblichen Hits wie „Cloud Connected“ oder „Only For The Weak“. Manch einer meinte man habe nichts differenziert gehört oder Anders habe zu viel genuschelt. Vielleicht steckte aber auch einfach noch etwas Klopapier in den Ohren vom Morgen, denn beim Schreiber kam der Gig super an. Lustig auch, dass sich zwei Circle Pits vorne etwas ineinander verhedderten, sodass Anders zum „Circlesnake or whatever“ aufrief.
Währenddessen durften Crematory sich genauso alt feiern, wie die Ausgabe des Festivals: Glückwunsch zu 35 Jahren! Es ist zwar
natürlich der Tradition geschuldet, dass die WET Stage immer noch so heißt, also Wacken Evolution Tent. Denn eigentlich hat die Bühne somit nur noch was mit Wacken zu tun, die Evolution sollte ja für den Nachwuchs gelten, was man nach 35 Jahren auch mal eher Vorwuchs oder Spätwuchs nennen kann und ein Zelt gibt’s außen herum auch nicht mehr. Weiße Jacken und ein weißes Drumkit und in der Mitte ein sympathisch grunzender Pfälzer namens Felix. Mit einsetzender Dunkelheit untermalen auch stimmungsvolle Lichter passend den Sound der Düster Metaller und man munkelt, die Truppe hat vor, weitere 35 Jahre zu musizieren. Wir bleiben am Ball.
Natürlich können Judas Priest ihren übersuper Gig von 2011 mit über 2,5h Spielzeit niemals mehr toppen, aber irgendwie wird die Band dennoch in den letzten Jahren stärker. Das liegt bestimmt nicht an den (leider) ausgewechselten Gitarristen, sondern eher an Sänger Rob, der es irgendwie geschafft hat, seine Gebrechen hinter sich zu lassen und ähnlich wie Biff fitter denn je wirkt. Teleprompter? Vielleicht ab und zu, oft jedoch am Blick erkennbar nicht. Live? Allemal, Töne werden abgewandelt, länger oder kürzer gesetzt und und und. Krückstock? Fehlanzeige. Starr am Platz, nö, zwar kein Sprint aber dennoch in Bewegung. Unglaublich, wie ein Mensch sich in dem Alter nochmal zu neuer Form aufraffen kann und auch die Töne bei z.B. Painkiller sitzen. Allzu ausgefallenes durfte man natürlich nicht erwarten, mit „The Ripper“ oder „The Sentinel“ waren aber zwei der nicht dauerhaft gespielten Hits am Start, ansonsten aber ein super Auftritt.
The Haunted wurden zunächst mal schön als 1st timer angekündigt. Aber natürlich war die Band schon vorher dort. Nur kann man
natürlich bei dem Sängerwechsel, Peter raus, Marco rein, Marco raus Peter rein und Marco wieder zurück, mal den Überblick verlieren. Egal, guter Death Metal geht immer, während auf den ganz großen Bühnen sich die ewigen Helden die Klinke in die Hand geben.
Dazu gehört dann Abschlussgig auf Wacken die zweite.
Nachdem Running WIld 2009 schon mal ihren „Final Gig“ spielte, folgte die Reunion mit zwei weiteren Auftritten. Aber, erstmals 2003 auf dem Acker gezockt und man muss sagen, genau wie bei Judas Priest bleibt dieser Auftritt, mit richtiger Power, Überraschung („Treasure Island“) und Spielfreude unerreicht (zumindest für das neue Jahrtausend). Die nachfolgenden Auftritte waren leider etwas zahm und lahm. Auch hier die Parallele zu den Priestern, der 2026er Auftritt war besser als die vorangegangenen. Doch wer im Hinterkopf hatte, dass dieser hier wieder (und dann wahrscheinlich jetzt mal endgültig), der letzte Auftritt sein sollte, der wurde etwas enttäuscht. Running Wild spielen zwar wieder etwas kraftvoller und mit mehr Spaß in den Backen, aber neben einer Handvoll Best Of Songs kommen auch komplett ausgefallene Sachen daher, wie z.B. „Genghis Khan“, dafür aber auch komplett verzichtbares wie „Stick To Your Guns“ oder „Soulless“. Klar, ein Querschnitt durch die Alben und ein paar Ausgefallene Sachen neben den Hits wünscht man sich auf Tour, aber zum Abschluss? Nee, da will man Hit an Hit, den die Band mit Leichtigkeit hätte liefern können. So bleibt ein solider Gig, der im Hinblick auf „das wars“ leider wieder enttäuschte.
Stimmig zu Sepultura läuft „Policia“ der Band Titas, welches ja ebenfalls mal von den brasilianischen Thrashern regelmäßig gecovert
wurde. Mit „Inner Self“ kommt dann natürlich direkt ein Oberknaller, es braucht keine zweite Ansage um Pits zu eröffnen, es stellt sich nur eine Frage: Wollen die Leute wirklich ihre 10000 Schritte vollkriegen oder warum rennt immer jeder im Kreis und es gibt keine stinknormalen Mosh Pits mehr, bei denen das Chaos regiert? Egal, letzter Deutschland Auftritt und neben einem Best Of Programm wird auch der brandneue Song „The Place“ gezockt, „Kaiwoas“ in einer Akustik Jam Session Version zu der im Verlauf noch ein paar Perkussionisten dazu stoßen und als Abschluss natürlich „Roots Bloody Roots“, bei dem zumindest Sänger Derek und Namenshalter Andreas ein paar Abschiedsemotionen mehr versprühen, als es der deutsche Pirat kurz zuvor vermochte.

2 Medleys und eine Reihe weiterer Hits von alt bis neu, so setzten Subway To Sally dem Tag parallel zu den Brasilianern ein Ende. Dabei gehen sie einen ähnlichen Weg wie In Extremo, denn als Anfang des Jahres Gründungsmitglied Simon seinen Ausstieg bekannt gab, spielt die Band einfach ohne einen Ersatz weiter live. Ob dies so bleibt und ob dies Einbußen gibt, bleibt abzuwarten, es ist einfach verdammt spät. Da verwundert es auch nicht, dass zumindest keine wirklichen wahrnehmbaren Fangesänge zu hören sind, die „Julia und die Räuber“ anstimmen. Der Band egal, „Blut, Blut, Räuber saufen Blut, Raub und Mord und gute Nacht“.

Samstag:
Crimson Glory am Samstag morgen (mittag?) auf der Headbanger Stage, es ist für jede Band schwer den Slot zu füllen, schließlich stecken mehrere Tage Party des Todes in den Knochen der Zuschauer und so verwundert es auch nicht, dass auf dem Platz eher spärlicher Andrang herrschte. Wobei es sich im Laufe des Gigs auch mehr und mehr füllte. Einige Stunden später hätte es bestimmt noch anders ausgesehen. Als Erinnerung an alte Tage hing noch eine Maske am Schlagzeug, hach was wäre die Band mit diesen heutzutage doch angesagt, bei all dem Maskentanz da draußen.
Nevermore nach Jahren der Abwesenheit und dem Tod des Aushängeschildes Warrel Dane?
Funktioniert! Sänger Berzan sieht optisch komplett anders aus, klingt aber wirklich wie sein Vorgänger und hat die DNA verinnerlicht. Mit Rauschebart, fetten Oberarmmuskeln und einer Weste, auf der Warrel als Ehrerbietung im Patch wacht, nimmt er das Publikum mit und man merkt ihm die ehrliche Dankbarkeit an, mit dieser Band Konzerte spielen zu können und vor so einem Publikum aufzutreten. Ein sehr gelungener Auftritt und Einstand, in diesem Fall gerne weitere Alben und weiter Konzerte. Jeff Loomis hat seine alte Heimat zurück.
„Assi mit Niveau“ ist dann nicht nur ein Song, sondern auch das Motto der Zeltinger Band. Sitzt in der Mitte der Bühne, singt und spricht mit lallendem kölschem Dialekt und meint zwischendurch auch mal „ich bitte um Ruhe, bin ja ein alter Mann“. Ein ultralustiges Zwischenspiel, was sogar den Eisverkäufer dazu bringt, für 2 Lieder stehen zu bleiben und einfach nur zu lachen und „Marmorstein und Eisen bricht“ mitzusingen. Ein Wechselbad zwischen Comedy und Kult!
Und es wurde Zeit, die Australier Airbourne zurück auf den Acker zu bringen. Was diese 4 auf der
Bühne abziehen und an Kalorien verbrauchen, davon träumen Mädels in Teveo-Arsch-Spalt-Hosen nur, denn hier verliert jeder so an die 18 Liter Wasser während dem Gig. Da dürfen dann auch ruhig mal ein paar Bier weggezischt werden, die sind schneller aus den Poren als der gemeine Metaller bangen kann. Joel lässt sich mal auf den Schultern eines Schranks durchs Publikum tragen und ein Kameramann filmt mal eben beim eigenen Crowdsurfen. Der Wahnsinn hält Einzug, wenn die O’Keeffe Brüder loslegen. Was für eine Energie!
Die Gothic Rocker von The Other dürfen sich auf der Wasteland austoben. Geschminkt im Sonnenschein wirkt ja immer irgendwie deplatziert, Soundprobleme führen auch dazu, dass der Einstand nicht gerade gut ist, aber spätestens beim zweiten Song hat sich die Band eingegroovt und hätte sicherlich auf der WET oder Headbanger mehr Zuschauer gezogen. Nach ein paar Songs fällt Sänger Rod auf, dass er ja auch in Englisch sprechen könnte und fragt, wer nicht aus Deutschland kommt. Ein paar Hände schnellen nach oben und er meint nur „wow, ten“. Kurzes Gelächter und weiter geht’s mit der soliden Horrorshow, die, ich wiederhole, gerne mehr verdient hätte.
Mosh, Mosh, Mosh. Was bei Airbourne auf der Bühne los ist, ist bei Municipal Waste vor der Bühne los: Energie und Wahnsinn.
Nuclear Assault, Assassin, S.O.D., Living Death, D.R.I, so hießen die damaligen Vertreter von knüppeligem Thrash-Crossover und mittlerweile halten die Wasties das Zepter schon mehrere Jahre hoch. Ob die Leute vor der Bühne (oder auf der Bühne) die Songs noch wirklich auseinander halten können oder nur zum abledern gekommen sind, wer weiß, Spaß macht die Chose natürlich immer. Und dann verklingt das letzte Lied und mit Ausnahme des Gitarristen, der in den Fotograben steigt um Plektren zu verteilen, haut die Band ohne ein weiteres Wort ab, gelebte Fuck Off Attitüde.
Dann ist alles gespannt auf die neue Sängerin Lauren Hart bei Arch Enemy. Letztendlich hinterließ Aliza große Fußstapfen. Aber Lauren hat ihren eigenen Stil, natürlich zum Glück. Schwarze Haare und ansonsten auch in schwarzes Outfit gepackt, durchtrainiert, aber durchweg sympathisch und wo es die Musik zulässt am Dauergrinsen. Dazu ehrlich rüberkommende dankbare Worte, lange nicht so durch choreographiert wie die blaue Vorgängerin und dennoch mit genug Ausstrahlung und Performance am Start. Zwar geht der Gesang jetzt mehr ins Keifen denn ins Growlen über, aber man sollte mal die neue Scheibe abwarten, wie das so klingt. Ob Michael bewusst diesen Weg wählt, um wieder mehr Bodenständigkeit zu haben, als nur noch auf Wachstum und Show zu setzen? Oder ob er einfach nur etwas zurückgeht, um neuen Schwung zu holen? Man wird es sehen, gelungen ist der Einstand allemal.
Mega gute Stimmung verbreiten dann Dritte Wahl auf der Headbanger Stage. Zwar sind die Ansagen teilweise etwas wirr, aber Druck
versprühen die Rostocker, die gern mal Urlaub in der Bredouille machen, ordentlich. Wenns um die politische Richtung geht kommen aber natürlich klare Ansagen und phänomenal, wie die Fans den Refrain des letzten Liedes „Fliegen“ noch minutenlang weitersingen, als die Band schon eigentlich von der Bühne verschwunden ist.
Dagegen ballern parallel Lamb Of God den Leuten ein Aggressivitätslevel um die DOhren, was sich gewaschen hat, bzw so, dass man sich morgens nicht mal die Ohren waschen muss. Sollten mal vor In Flames spielen. „Wie geht’s Deutschland“ und die Nachfahren der Wolltiere des Herrn legen los, Circle Pit und Crowdsurfing natürlich innbegriffen. Beim abschließenden „Redneck“ wird der Pit nach Aufforderung von Randy noch deutlich größer und tja, der Staub wirbelt auf. Entweder Matsch oder Staub, der Wacken Boden will immer mitspielen.
Was Powerwolf dann abziehen ist an theatralischem Auftritt im Metal wohl nicht mehr zu überbieten. Feuer überall, Mitsingspielchen,
kleine humoreinlagen, eine brennende Orgel, Mitsinghits und ein integriertes Feuerwerk für den berstend vollen Innenraum. Würde mal sagen, die Saarländer hams gepackt, was soll da noch kommen? Von der Vorband mit zwei Ventilatoren für wehende Haaren bei Gamma Ray zum Headliner des Wacken Open Air mit einer gigantischen Show. Eine enorme Leistung die das Publikum vehement abfeiert und wo bei Balladen auch schonmal Tränchen vergossen werden. Man muss aber auch sagen, der Ohrwurm Faktor ist bei der Band auch verdammt hoch, egal ob man die Musik jetzt mag oder nicht, es bleibt kleben, ähnlich wie das Blut, dass die Wölfe so gerne trinken. Zumindest singen sie so.
Das Promoters Farewell gehört zum Wacken, wie „open se Gähts“, auch wenn das durch Pannen schon mal nicht stattfindet. Dieses Jahr schlicht gehalten, aus dem Publikum heraus, ein paar nette Worte von Holger, ein paar verpeilte Übersetzungen von Thomas und die Lasershow mit Bandankündigungen flirrt über die Köpfe hinweg. Keine Drohnen, aber spektakulär allemal. Die Neugier auf die Bands für 2027 hielt sich leider in Grenzen, denn über die Tage wurden immer mal wieder Bands angekündigt, man wusste gar nicht mehr so recht, ob diese oder jene schon dabei war. Dennoch, schön anzusehen.
Sabaton hauen ja ziemlich in dieselbe Kerbe wie Powerwolf, zumindest was den Großteil des Publikums angeht. Konzept: tausche Wölfe gegen Schlachten, Orgel gegen Keyboard, altertümliches Gewand gegen Militärhose und Fantasy-Horror gegen Schlachten, lass es bei eingängigen Melodien, Ohrwurm Refrains, simple Muster in der Songstruktur und ab und zu etwas humoristisches rein und dazu Lichtshow, Feuer, Feuer, noch mehr Feuer und integriertes Feuerwerk. Achja, der Panzerdrumriser ist ebenfalls wieder am Start, zum
Glück beschränkt man sich auf eine Bühne (sowas gebührte eh nur TSO, shame on you) und wieder beginnt die Show mit „Ghost Division“. Das Zielpublikum liebt eben das, was es kennt. „Noch ein Bier“ gehört da ebenso dazu wie die Panzerweste von Joakim. Ansonsten ebenfalls wie Powerwolf: die Meute feierts, ebenfalls verdienter Headliner, erkennbar an den immer noch zahlreich vorhandenen Tausenden oder an der ewig langen Schlang beim Meet & Greet, 30 Minuten bevor dieses überhaupt losging.
Und als Abschluss dann noch Alestorm. Früher Onkel Tom, zwischenzeitlich mal die Kassierer, auf jeden Fall hat eine Saufkapelle als letzte Band Tradition und so können auch die schrägen Piraten Alestorm begeistern und lassen 6 überdimensionale große Badeenten ins Publikum fliegen. Eine Meldung, dass irgendwo auf dem Campingplatz solch eine geklaut worden sei, hat irgendwie auch Tradition, wenn später Alestorm spielen, man kann also durchaus von einem Running Gang sprechen. A duck named Helga. Und eine Verkäuferin im Wackinger präsentiert stolz ihre gesammelten Minienten vom Wacken Wochenende (30?). Sachen gibt’s. Beendet wird die Show mit großen, aufblasbaren Buchstaben die ein „Fuck You!“ bilden. Stilechter Abschluss.

Epilog:
Das wars, Party Off für 2026 und Vorfreude auf 2027. Anscheinend ohne eigenes Motto, welche eh nie wirklich richtig gut umgesetzt werden konnten. Viel Aufwand für eigentlich wenig Sehenswertes. Hat früher auch ohne funktioniert. Die größte Metal Party der Welt ist in diesem Jahr wieder Geschichte, Fans aus aller Welt feierten ihre Helden, Irrsinn ausdrücklich erlaubt und gelebt, super organisiert und die zuhause geblieben Internetmaulhelden hatten wieder einen Grund mehr, in Facebook und Co wegen Gerüchten, Halbwahrheiten oder „früher war alles besser“ Gift und Galle zu spucken. Wie immer, Wacken, für jeden was dabei!
Also, Desaster 2024 streichen, 2025 zeigte, Wacken ist nicht abgeschrieben und steht nach wie vor fest da, mit berechtigter Kritik, mit unberechtigten Bullshit Vorwürfen, mit richtig guten Verbesserungen, mit fragwürdigen Entscheidungen, mit 1000enden super gelaunten Fans, mit hunderten geilen Bands und mit einer Orga, die sich nach wie vor alle erdenkliche Mühe gibt und auch Feinheiten beachtet und sich nie auf Vergangenem ausgeruht hat.
In diesem Sinne, wir freuen uns auf angekündigte Bands wie Overkill, Helloween, FFDP, Edguy, Jinjer, Electric C (nääää), Children Of Bodom (wie auch immer), Avatar, U.D.O. und viele (glaub die haben Faith No More vergessen) viele mehr, wenn es 2027 wieder heißt:
See you in Wacken, Shine!

Story: Röbin
Pics: Johanna/Röbin/WOA

































































































