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Greg Buchanan - Sechzehn PferdeGreg Buchanan - Sechzehn Pferde

(S. FISCHER Verlag)

 

- unkonventioneller und karger Thriller mit Tiefgang -

 

Wir befinden uns im Marschland des fiktiven und verschlafenen britischen Küstenörtchens Ilmarsh. Als sich Detective Sergeant Alec Nichols früh an einem Novembermorgen von einem Farmer zu der Stelle führen lässt, an der seine Tochter kurz zuvor eine unschöne Entdeckung gemacht hatte, stößt Nichols auf insgesamt sechzehn, kreisförmig im Boden vergrabene Pferdeköpfe. Allesamt in der Art drapiert, dass sie mit jeweils einem Auge gen Himmel blicken. Der Grund und Boden, auf dem die Pferdeköpfe gefunden wurden, gehört dem Farmer selbst, doch der hatte zeitlebens keine Pferde auf seiner Farm gehalten. Handelt es sich bei der arrangierten Anordnung der Köpfe etwa um eine Art Ritual? Eine Art Beschwörung? Waren hier Tierquäler am Werk? Oder Psychopathen?

 

Die weiteren Ermittlungen führen den zugereisten und verwitweten Detective Sergeant Alec Nichols, der es unter all den kurz angebundenen, eigenbrötlerischen Einheimischen nicht gerade einfach hat, gemeinsam mit der Veterinärmedizinerin und Forensikerin Dr. Cooper Allen durchs Marschland. Alec hat seit dem Verlust seiner Frau keinen wirklichen Halt mehr im Leben, welches er überdies als sinnlos betrachtet. Zu allem Überfluss befindet er sich hier in Ilmarsh in einer, abweisenden, dem Zerfall preisgegebenen und allmählich sterbenden Ortschaft. Der hier ansässige Menschenschlag verhält sich nicht immer der Norm entsprechend, ist mürrisch, grantig, distanziert, vom Leben gezeichnet, teils resigniert und mit menschlichen Problemen behaftet. Als Detective Sergeant Alec Nichols und Tierärztin Dr. Cooper Allen die Pferdeköpfe untersuchen, etwaige Zeugen, die Farmer der Gegend, sowie die ehemaligen Besitzer der Pferde befragen, stoßen die beiden auf immer neue Tierkadaver und eine Menge seltsamer Machenschaften. Dunkle Geheimnisse und hinterhältige Intrigen der Dorfbewohner kommen nach und nach ans Licht. Als dann auch noch eine dubiose Seuche ausbricht, gerät das kleine Örtchen Ilmarsh endgültig aus den Fugen.

 

Die anspruchsvolle Geschichte "Sechzehn Pferde" besitzt einen markanten Stil, der sicherlich so manchen Leser verzweifeln lässt und lebt von ihren Graustufen, ihrer Tristesse, sowie ihrer nordisch kalten Atmosphäre, hervorgerufen durch Einsamkeit und Distanziertheit. Buchanans sprunghafte und anspruchsvolle Erzählweise, mit den kurzen, knappen Sätzen, in denen kurze, knappe Feststellungen getroffen werden, ist äußerst unkonventionell, bisweilen gar irritierend. Der, 1989 geborenen und heute in den Scottish Borders, in Großbritannien lebende Autor und Scriptwriter für Videogames, springt innerhalb seines tristen, kargen und Melancholie geschwängerten Thrillers, gerne in der Zeit, um den Leser immer mal wieder in die Irre zu führen. Auch die sonderbaren Gedankengänge und Dialoge, die den Thriller durchaus interessant gestalten und auch phasenweise mit Tiefgang füllen, sind nicht immer auf Anhieb nachzuvollziehen, bleiben spärlich in ihrer Aussage und verlangen der geneigten Leserschaft konzentriertes Lesen ab. Diese Dialoge sind derart sonderbar und karg gehalten, dass sie geradezu nach Literaturpreisen schreien und das Gefühl der Trostlosigkeit ungemein verstärken. Doch sie stören auch den Lesefluss, des 2021 im Original unter dem Titel "Sixteen Horses" erschienenen Werks, in nicht unerheblichem Maße. Etwas befremdlich wirkte auf mich auch der Aspekt, dass sich weit über 200 Seiten lang weder Polizei, noch Tiermediziner, auch nur ein einziges Mal darüber Gedanken zu machen schienen, was denn mit dem jeweils restlichen Stück Pferd zu dem aufgefundenen Kopf geschehen und vor allen Dingen, wo dieses abgeblieben sein mochte. Dass innerhalb des Romans "Sechzehn Pferde" Gewalt gegen Tiere eine übergeordnete Rolle spielt, muss jedem bewusst sein. Wer damit nicht klarkommt, sollte sich dieses literarische Werk besser nicht zu Gemüte führen. Es braucht auch immerhin gute 150 Seiten, bis die Geschichte einigermaßen Fahrt aufnimmt. Die pseudophilosophische Story "Sechzehn Pferde" wird zum Schluss hin jedoch immer nebulöser und da Buchanan oftmals nur die Vornamen seiner Charaktere nutzt, ist die Story hin und wieder ein wenig verwirrend.

 

Eine britische TV-Adaption ist bereits in Arbeit.

 

(Janko)

 

https://www.gregbuchanan.co.uk/

https://www.facebook.com/gregbuchananwriter

 

Greg Buchanan - Sechzehn Pferde

Thriller

S. FISCHER Verlag

ISBN-13: 978-310-397488-1

448 Seiten

Hardcover mit Schutzumschlag

Originaltitel: ‎Sixteen Horses

Aus dem Englischen von Henning Ahrens

Erscheinungstermin: 23.02.2022

EUR 22,00 Euro [DE] inkl. MwSt

 

"Sechzehn Pferde" beim S. FISCHER Verlag: https://www.fischerverlage.de/buch/greg-buchanan-sechzehn-pferde-9783103974881

 

Leseprobe: https://b2l.bz/Dk2gJl


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