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totentanz nr. 29

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Kern, Oliver - Eiskalter HundOliver Kern - Eiskalter Hund

(Heyne)

 

- ‎Nicht nur in China Essen sie Hunde -

 

Kunst macht er, der Herr Kern und zwar eine ganze Menge. Da schreibt er mit "Das Gewicht der Seele" mal eben einen schwarzhumorigen Hammer-Thriller der Sonderklasse, wo er bereits zuvor schon zwei Thriller unter seinem eigenen Namen veröffentlichte. Danach folgten drei Lissabon Thriller unter dem Pseudonym Luis Sellano. Der dritte Lissabon Thriller "Portugiesische Tränen" erscheint übrigens heute, am 10.04.2018 im Heyne Verlag. Davor und dazwischen verfasste Oliver Kern zwei Kristina-Reitmeier-Thriller, die wiederum unter seinem eigenem Namen verlegt wurden und nun eröffnet er mit Kommissar Fellinger schon wieder eine neue Krimi-Reihe. Ach ja und dann waren da ja noch unzählige Beiträge zu Anthologien und seine Comics und Grafiken und Illustrationen und und und...Ein wahrer Allrounder vor dem Herrn, der 1968 in Esslingen am Neckar geborene und heute mit seiner Familie in der Region Stuttgart lebende Herr Kern. Seine Kindheit und Jugend über wuchs er in der niederbayerischen Region um Passau auf. Genauer gesagt in Hauzenberg. Hier ist auch sein neuer Kriminalroman ansässig.

 

Lebensmittelkontrolleur Berthold Fellinger ist eigentlich so ein richtiger Korinthenkacker, wenn es um seine Kontrollen geht und er nach § 3 bis 8 LMHV (Lebensmittelhygiene-Verordnung) Existenzen - die es allerdings zumeist auch geradezu herausfordern - aufs Spiel setzt. Wenn er denn, neben seinen privaten Ermittlungen, überhaupt mal zum Arbeiten kommt, der liebe Herr Beamte von der Hygiene. Auf einen Tipp hin kontrolliert Fellinger mal wieder den Chinesen. Also besser gesagt das Restaurant des Chinesen. Peking heißt es. Er hat nix gegen Chinesen, der Herr Lebensmittelkontrolleur. Nur gegen den abgezogenen Hund, der tiefgefroren im Kühlhaus des Chinesen hängt. Sei überfahren worden. Von des Chinesen Bruder Tian, sagt Herr Luang. Keine zweihundert Meter vom Restaurant entfernt. Der rumänische Koch hält sich dahingehend bedeckt. Nur die sächsische Restaurantangestellte Mai Ling gibt sich redselig und Fellinger einen Tipp auf die Hundebesitzerin "de Frau Boschinga" (die Frau Poschinger), der Fellinger gleich darauf einen Besuch abstattet. Aber nicht nur der Hund ist tot, Frau Poschinger ist auch nicht mehr aufzufinden. Ob da der Chinese nicht vielleicht wichtige Informationen zurückgehalten oder gar Spuren verwischt hat, um sich und seinen Bruder einen gewissen Vorteil zu verschaffen?

 

©Dirk KittelbergerDer Frau Helga Poschinger ihre Tochter Veronika sagt jedenfalls, sie sei in Indien im Urlaub, also die Helga. Aber das glaubt der Herr Fellinger nicht und beginnt zu ermitteln. Und da findet er doch glatt heraus, dass sie gar nicht ausgereist ist, die Frau Poschinger. Zumindest nicht über den Flughafen. Es entspinnt sich nun also eine lustige, wie im Laufschritt erzählte und spannende Story. Seine Recherche führt den Berthold Fellinger sogar ins benachbarte Tschechien, wo ihm nicht weniger Gefahr droht. In der Ich-Form verfasst, sinniert Fellinger immer mal wieder in kurzen, prägnanten Sätzen und aufs Geratewohl über sein eigenes Leben, seine Mitmenschen und die Missstände des Lebens im Allgemeinen. Mit intelligentem Wortwitz, schlagfertigen Argumenten, einem gewissen Unverständnis und einer belustigten Apathie gegenüber seinen Mitmenschen, ermittelt Fellinger hartnäckig im Passauer Umland, vergisst darüber beinahe seine eigene Arbeit und begibt sich auch nicht minder hartnäckig in Gefahr. Das macht er mit der darüberstehenden Lässigkeit eines Mittvierzigers, dem das Leben nicht wirklich etwas anhaben konnte. Noch nicht. Obwohl Fellinger schon gerne Polizist geworden wäre. Da hat aber das Knie nicht mitgemacht. Also sein Knie. Sein Rechtes. Knorpelschaden. Jetzt observiert und ermittelt er halt als Lebensmittelkontrolleur und nebenbei noch ganz privat. Hat doch auch was, wenn man nicht so genau drüber nachdenkt.

 

Die Fortschritte seiner Ermittlungen sind dem Leser jedoch nicht immer gleich auf Anhieb klar, da der Plot doch hier und da mal zu unabsichtlichen Verwirrungen neigt. Es werden Finten gelegt und Haken geschlagen, sodass sich zum Schluss hin doch alles ganz anders darstellt, als ursprünglich gedacht. Es drängt sich dem Leser jedoch immer wieder die Frage auf, warum der Fellinger so hartnäckig weiter ermittelt, obwohl ihn die ganze Sache zum einen nichts angeht und er darüber zum anderen seine Arbeit vollkommen vernachlässigt. Der Fellinger ist durchaus sympathisch gezeichnet, der Kriminalroman ist es im Allgemeinen auch. Die übrigen Antagonisten werden nicht minder unterhaltsam dargestellt. Lässig, humorig und schwungvoll bayerisch erzählt...aber eben auch nicht mehr und auch nicht weniger. Schon bei „Das Gewicht der Seele“ habe ich mich bezüglich Kerns Schreibe immer mal wieder an Jörg Juretzka und seine „Kristof Kryszinski“ erinnert gefühlt. Jedoch in etwas abgeschwächter Form. Lustig, kurzweilig und unterhaltsam ist er jedoch allemal, der Kriminalroman „Eiskalter Hund“.

 

(Janko)

 

Link zur Buchseite des Verlags: Klick!

 

ORIGINALAUSGABE

Taschenbuch, Klappenbroschur, 304 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-453-43869-9

€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Heyne

Erschienen: 12.03.2018


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