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Ferdinand von Schirach - Der Fall ColliniFerdinand von Schirach - Der Fall Collini

(btb Verlag)
 
- Man muss nur die richtigen Fragen stellen -
 
Der, 1964 in München geborene und zurzeit in Berlin wohnhafte Strafverteidiger, Schriftsteller und Dramatiker Ferdinand von Schirach, bekannt für seine prägnanten, kurzen und pragmatisch gehaltenen Sätze, sowie seine durchdringende Sprache, erzählt mit "Der Fall Collini" auf 208 Seiten die wahre Geschichte des pensionierten italienischen Werkzeugmachers Fabrizio Maria Collini. Selbiger tötete am 26.05.2001 den 85-jährigen Jean-Baptiste Meyer im Berliner Hotel Adlon mit vier Schüssen in den Hinterkopf. Der anschließende Gewaltexzess, gegen Kopf und Körper des alten Mannes lässt auf lange angestauten, unbändigen Hass schließen. Direkt nach seiner schrecklichen Tat verlässt Collini scheinbar seelenruhig das Zimmer, fährt mit dem Aufzug nach unten in den Eingangsbereich und gibt der jungen Frau an der Rezeption Bescheid, sie solle die Polizei rufen. Der Mann in Zimmer 400 sei tot. Fabrizio Collini setzt sich daraufhin in die Lobby des Hotels und wartet auf seine Festnahme.

 
Der noch recht junge Rechtsanwalt Caspar Leinen, noch keine 1 1/2 Monate in Amt und Würden, stellt an diesem Tag freiwillig den Notdienst der Strafverteidiger, um an seine ersten Aufträge zu kommen. Leinen, der erst vor kurzem seine Zulassung erhalten hatte, soll Fabrizio Collini als Pflichtverteidiger vertreten. Collini wird anschließend dem Haftrichter vorgeführt und erklärt dort, dass er nicht verteidigt werden will. Doch in einem Rechtsstaat hat der Staat für eine Verteidigung des Angeklagten Sorge zu tragen und so bleibt es letzten Endes dabei. Gegen Fabrizio Collini wird Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Ein Motiv scheint jedoch zu keinem Zeitpunkt erkennbar, denn der Täter schweigt über seine Beweggründe. Anschließend folgt eine Rückblende auf Caspars Jugend und seinen Freund Philipp. Er lernt Johanna kennen, Philips ältere Schwester, sowie den Industriellen Hans Meyer, den Großvater von Philipp, der Caspar ein guter Freund wird und mit dem er häufig Schach spielt. Die ganze Familie wächst Caspar über die Jahre sehr ans Herz. Doch als Philipp und seine Eltern auf tragische Weise ums Leben kommen, sehen sich Caspar Leinen und Hans Meyer, den Eigentümer der SMF Meyer Maschinen Fabriken, ein letztes Mal. Erst als Caspar einen Anruf von Johanna erhält, wird ihm so einiges klar, doch der Stein ist bereits ins Rollen gekommen und die Mühlen der Justiz mahlen unaufhaltsam. Nach seinem Gespräch mit Johanna würde Caspar Leinen sein Mandat am liebsten niederlegen, doch als Pflichtverteidiger kann er das nur, wenn das Gericht seinen Antrag auf Niederlegung des Mandats zustimmt oder sein Mandant ihm selbiges ausdrücklich entzieht. Doch Collini schweigt sich zum einen weiterhin beharrlich über sein Motiv aus, zum anderen macht selbiger auch keinerlei Anstalten seinem Anwalt das Mandat zu entziehen.
 
Als Caspar Leinen den berühmten Rechtsanwalt Mattinger kennenlernt, der schon in den 70er Jahren Teile der Stammheimer Insassen der RAF vertreten hatte und die Nebenklage im Fall Collini vertritt, sieht er seine Felle endgültig davonschwimmen. ©Michael MannVerzweifelt versucht er in der Tat ein Motiv zu erkennen, um zu verstehen, warum Collini den alternden Hans Meyer auf solch brutale Art und Weise tötete. Als sich Caspar nach einem Telefonat mit seinem Vater die Tatort- und Beweisfotos zum hundertsten Male anguckt, fällt ihm auf einmal ein Detail ins Auge. Es ist nur ein kleiner, vager Verdacht, doch wenn sich dieser bewahrheiten sollte, dann würde dies eventuell ein ganz anderes Licht auf den Fall werfen. Caspar Leinen fährt nach Ludwigsburg, um dort in der Nebenstelle des Bundesarchivs zu recherchieren. Die Geschichte, die der Anwalt dort zusammenträgt, ist eine entsetzliche. Sie wirft ein komplett anderes Licht auf die Beziehung des, wegen Mordes angeklagten Fabrizio Collini zu dessen Opfer Hans Meyer. Man versucht Leinen zu bestechen. Er solle den Fall abgeben, was seiner Karriere förderlich wäre, doch Caspar Leinen lehnt verärgert ab. Als er seine Geschichte vor Gericht vorträgt, scheint diese Fabrizio Collinis Tat ein wenig verständlich zu machen. Herr Mattinger, der Anwalt der Nebenkläger holt jedoch zum Gegenschlag aus und stellt den Prozess quasi wieder auf "0". Doch auch der junge Anwalt Caspar Leinen hat noch ein Ass im Ärmel, welches er geschickt und genau im richtigen Moment ausspielt. 

Mit seinen klar strukturierten, schnörkellosen Sätzen bringt Ferdinand von Schirach den Kern seiner Aussage direkt auf den Punkt. Mal ist man Betrachter von außen, mal mitten im Geschehen. Die, auf Tatsachen beruhenden Geschichten, die der Erfolgsautor in seinen Romanen zusammenträgt, erschienen mittlerweile in weit über vierzig Ländern. "Der Fall Collini", welcher bereits im Jahre 2011 als Roman veröffentlicht wurde und direkt auf Platz 2 der Bestsellerliste des Spiegels einstieg, wurde unter der Regie von Marco Kreuzpaintner verfilmt. Er zeigt in den Hauptrollen Elyas M’Barek als jungen Anwalt Caspar Leinen, Franco Nero als den ehemaligen Gastarbeiter Fabrizio Collini, Heiner Lauterbach in der Rolle des Richard Mattinger, Alexandra Maria Lara spielt Johanna und Manfred Zapatka ist als Hans Meyer zu sehen. Die Literaturverfilmung kam am 18.04.2019 in die deutschen Kinos und zählte einen Monat später bereits weit über 500.000 Besucher. Teilweise doch erheblich abgewandelt nimmt sie dem bewanderten Leser jedoch ein wenig den Reiz sich näher mit der filmischen Umsetzung der Thematik zu befassen. Unbedarfte Personen dürfen sicherlich einen astrein bebilderten und unterhaltsamen Thriller erwarten, der allerdings ein wenig an dem eigentlichen und doch so wichtigen Thema der Literaturvorlage vorbeizielt.

 
(Janko)
 
www.schirach.de
www.facebook.com/FerdinandvonSchirach
 
Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Der-Fall-Collini/Ferdinand-von-Schirach/btb-Taschenbuch/e510812.rhd
 

Taschenbuch, Klappenbroschur, 208 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-71499-5
€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis)
Verlag: btb
Erscheinungstermin: 13. Februar 2017


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