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DAN SIMMONS - Elm HavenDAN SIMMONS - Elm Haven
(Heyne Verlag)

 
- komplexe Horrorgeschichte in zwei Teilen -

Einer der wichtigsten Schriftsteller unserer Zeit ist wohl zweifelsohne Dan Simmons. Mit seinen überragenden Meisterwerken "Die Hyperion-Gesänge", "Song Of Kali" (Göttin des Todes), "Terror", "Drood" oder "Der Berg" hat sich der, 1948 in Peoria, Illinois geborene US-Amerikaner in die Herzen von Millionen Lesern weltweit geschrieben. Mit dem zweiteiligen, über 1.000 kleingedruckten Seiten umfassenden Doppelband "Elm Haven" hat der Bestsellerautor, der in den Genres Science-Fiction, Psycho-Thriller, Action-Thriller, Horror, History oder Mystery zu Hause ist, ein weiteres literarisches Epos zu Papier gebracht. Die beiden zusammenhängenden Geschichten "Sommer der Nacht", sowie die Fortsetzung "Im Auge des Winters" entstanden bereits im Jahre 1991, bzw. 2002 und wurden jetzt vom Heyne Verlag in einem Band mit dem Titel "Elm Haven" zusammengefasst. Der ehemalige Grundschullehrer und Autor Dan Simmons, der heute mit seiner Familie in Colorado lebt, lässt unterschwellige Thriller- und Horror-Elemente in seinen geistreich ausgearbeiteten, aber stets verständlich gehaltenen Plot einfließen. Doch die 1008 kleingedruckten Seiten machen diesen komplexen und abenteuerlichen Horrorthriller zu einem reichlich ausgedehnten Lesevergnügen, mit dessen vielen Charakteren der Leser durchaus so seine Schwierigkeiten bekommen kann.

Es ist Mittwoch, der 1. Juni 1960, letzter Schultag in der Old Central School in Elm Haven, einem kleinen, heruntergewirtschafteten Örtchen mit 1.800 Einwohnern im US-Bundesstaat Illinois. Die Zeiger der Uhr formen 14:43 Uhr. Dem elfjährigen Dale Stewart und seinen 26 Mitschülern ist es sterbenslangweilig. Um 15:15 Uhr beginnen endlich die langersehnten Sommerferien. Das bedeutet Freizeit und Freiheit. Sie sind die letzten Schüler, die in dem viel zu großen Schulgebäude unterrichtet wurden und welches nach diesem letzten Schuljahr geschlossen werden soll. In diesem Moment geht Terence Cook, ein Mitschüler aus der vierten Klasse, der von allen nur Tubby genannt wird, mit seinem Passierschein runter in den Keller zu den Toiletten. Aber anstatt auf Toilette auszutreten, tritt er lieber eine Zwischenwand aus Gips ein. Als die Öffnung groß genug ist, tritt er in den so geschaffenen Geheimgang zwischen Gipswand und gemauerter Wand ein und ward fortan nie wieder lebendig gesehen.
 
Gespickt mit mysteriösen Horror-Elementen, die zum Teil recht explizit und anschaulich dargestellt werden, schreibt der Ausnahme-Schriftsteller Dan Simmons lebendig und ausführlich wie Stephen King zu "Es"- oder auch "Frühling, Sommer, Herbst und Tod"-Zeiten. Simmons hat ein extrem gutes Händchen für spannende Erzählungen, Dramatik, Dynamik und Vitalität, realitätsnahe Beschreibungen der örtlichen Kulisse, sowie eine äußerst empathische, wie ausführliche Zeichnung seiner Protagonisten. Dan Simmons ist und war eben schon immer ein guter Erzähler. Wie ein lieber Großvater, der einem alte, gemütliche Geschichten erzählt und dabei bisweilen zu Ausschweifungen mit epischen Ausmaßen neigt. Er bringt das Kopfkino unmittelbar in Gang, sodass man kaum noch auf die Idee kommt, das Buch aus der Hand zu legen. Leider behandelt Simmons zwischendurch sehr viel Belangloses, was die beiden Romane unnötig in die Länge zieht.

Dale und sein Bruder Lawrence genießen die Sommerferien. Sie treffen ihre Freunde Mike, Duane, Harlen und Kevin, fahren Rad, spielen Baseball, bewerfen sich gegenseitig mit Schlammklumpen, lassen sich von Abenteuern treiben und machen allerlei Blödsinn. Sie nennen sich "Die Fahrrad Patrouille". Die Kinder spielen gerade Baseball als sie erfahren, dass etwas an der alten Schule vor sich geht. Tubby, der Junge, der am letzten Schultag zu den Toiletten hinunterging, ist bislang nicht wieder aufgetaucht. Und so beginnt eine Suchaktion nach dem Viertklässler. Die selbsternannte Fahrrad Patrouille beginnt die einzelnen Beteiligten zu observieren. Ihre Lehrerin, die alte Mrs. Doubbet, die alle nur Doppelbett nennen, Dr. Roon und den gruseligen Van Syke. Doch damit öffnen sie die Büchse der Pandora. Als der kleine Harlen Mrs. Doubbet zur Schule folgt und die Regenrinne ganze acht Meter emporklettert, um durch die Fenster sehen zu können, was die alte Doppelbett dort im diffusen Licht im Schilde führt, erschrickt der Junge bei dem entsprechenden Anblick dermaßen, dass ihn nichts mehr an Ort und Stelle hält und er nur noch weglaufen möchte. Darüber vergisst Harlen jedoch  in welcher misslichen Lage er sich momentan befindet und nimmt die acht Meter nach unten auf direktem Wege. In Old Central lauert das Grauen. Die Kids stellen Recherchen an und versuchen auch in Bibliotheken mehr über das alte Schulgebäude und die mysteriöse Glocke der Borgias, die früher einmal in dem alten Glockenturm von Old Central gehangen haben muss, herauszufinden. Diese Glocke birgt ein dunkles, gefährliches, gar tödliches Geheimnis, das Duane aufzuklären versucht. Seine Recherchen werden zu einer Art Obsession, für die er einen entsetzlich hohen Preis zu zahlen hat. Auch Mike entdeckt etwas im Geräteschuppen des Friedhofs. Denn dort unter der modrigen Pritsche befindet sich eine Öffnung im Boden, rot leuchtend wie Eingeweide, der ein bestialischer Gestank entströmt. Doch als Mike den Schuppen verlässt, ist er nicht mehr länger allein.
 
Das Leben der Kids ist geprägt von alkoholisierten Erziehungsberechtigten, asozialen Schlägern, schwer bewaffneten Mitschülern, mordlustigen LKW-Fahrern, grün schimmernden Ex-Lehrerinnen, halb verwesten Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg und länglichen schemenhaften Wesen, die einen in den Tod treiben. Irgendetwas Grund auf Böses verbirgt sich in dem alten Gemäuer von Old Central. Es lauert, es schabt, es verwirrt, es tötet. Die Kinder können die Gefahr spüren. Es lebt unter der Erde, unter den Häusern, baut Gänge und es stinkt nach Verwesung. Die Tunnel und Gänge finden sich fast überall in Elm Haven und sie verheißen nichts Gutes. Die Kinder durchlaufen den Albtraum ihres Lebens und ihren ganz persönlichen Horror aus Unterdrückung, Angst, Verwesung und Tod.
 
Der zweite Teil "Im Auge des Winters" spielt 41 Jahre nach "Sommer der Nacht" und ist ein, mit unterschwelligen Horrorelementen angereichertes Psychodrama, sowie eine Retrospektive auf die damaligen Ereignisse. Es ist Halloween des Jahres 2001. Der 52-jährige, geschiedene Schriftsteller Dale Stewart kehrt nach einem Selbstmordversuch an den Ort Grauens und zu der Farm zurück, wo sein Freund Duane und sein Vater vier Dekaden zuvor gelebt haben. Dale hatte die Farm gemietet, um an einem Roman über die damaligen Geschehnisse zu arbeiten. Auf ihn, der sich seit seinem missglückten Suizid in psychiatrischer Behandlung befindet, wirkt Elm Haven irgendwie traurig und geschrumpft. Anders, kleiner, tot, ausgetrocknet. Wie eine Leiche. Und danach stinkt es auch, als Dale die Farm betritt. Alles ist dreckig, unaufgeräumt, versifft und stinkt. Am nächsten Tag, als er das Haus gemeinsam mit der Maklerin betritt, ist urplötzlich wieder alles in bester Ordnung. Das Liebesleben ist ihm nicht hold und so sucht er Abstand in der Abgeschiedenheit des kleinen Ortes. Er trifft sich mit Michelle Staffney, die im ersten Teil der feuchte Traum sämtlicher frühpubertärer Jungen in ihrem Alter war. Wieder passieren merkwürdige Dinge, die Dale an seinem Verstand zweifeln lassen. Es ist alles nicht so, wie es scheint. Realität und Fantasie werden eins. Dale Stewart zweifelt an seinem Verstand, steigert sich allmählich in seinen Wahn und metamorphosiert letztlich zu seinen eigenen Phobien. Er erhält Nachrichten auf seinem Notebook, obwohl er gar keinen Internetzugang hat und muss sich mit einer Gruppe Skinheads herumschlagen, die ihm die Reifen platt stechen, ihn bedrohen, verfolgen und belästigen. Des Weiteren wird er von schwarzen Hunden verfolgt, im Hühnerhaus ist frisches Blut am Boden und im ersten und eigentlich ungewohnten Stockwerk des Farmhauses brennt Licht. Dem Wahnsinn nah, schnappt Dale seine alte Savage-Büchse, um sich von einer Ladung Schrot das Hirn massieren zu lassen, doch auch dieser Versuch misslingt...


(Janko)
 
https://www.facebook.com/dan.simmons.330
http://www.dansimmons.com/

 

Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Paperback/Elm-Haven/Dan-Simmons/Heyne/e546255.rhd
 
Dan Simmons
Elm Haven
Aus dem Amerikanischen von Joachim Körber, Friedrich Mader
Originaltitel: Summer of Night / A Winter Haunting
Originalverlag: Heyne
Paperback , Klappenbroschur, 1.008 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-31981-3
19,99 EUR (DE), gebundener Ladenpreis
20,60 EUR (AT), gebundener Ladenpreis
28,90 CHF (CH), UVPVerlag: Heyne
Erschienen am 11. März 2019


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