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ZebramanZebraman

(I-On New Media)

 

Der Grundschullehrer Shinichi dürfte zu den bedauernswertesten Kreaturen ganz Japans gehören. Nicht nur, dass er an seinem Arbeitsplatz keinerlei Respekt erfährt und seine Frau ihn betrügt, seine Tochter treibt sich auch noch jede Nacht in den unterschiedlichsten Betten der Stadt herum und gehorcht ihrem Vater kein Stück und sein Sohn ist der Fußabtreter sämtlicher Rowdys an Shinichi’s Schule.

Seine einzige Freude findet er in einer Superheldenserie namens „Zebraman“, die seinerzeit allerdings wegen dramatischem Misserfolg bereits nach sieben Episoden abgesetzt wurde. Shinichi’s Passion besteht nun darin, sich des nächtens heimlich in ein selbst geschneidertes Zebraman-Köstum zu werfen und relativ unkoordiniert durch sein Zimmer zu hüpfen. Doch eines Nachts, als er sich in diesem Aufzug einmal vor die Tür traut, scheinen seine Superkräfte aus seiner Phantasie auszubrechen und ihn tatsächlich zu dem werden zu lassen, wovon er immer geträumt hat – dem echten Zebraman!

 

Zweifelsohne klingt schon die Handlung nach einer ziemlich abgefahrenen Geschichte, und zweifelsohne klingt Takashi Miike nach dem idealen Regisseur für den dazugehörigen Film. Und die Erwartungen werden kaum enttäuscht. Mit „Zebraman“ liefert Miike mal wieder einen Film ab, der derart facettenreich ist, wie es kaum ein anderer Regisseur hinzubekommen scheint. Das Alter Ego des Superhelden wird hier mit mehr Tiefgang beleuchtet, als es bei fast allen US-Produktionen der Fall ist und vor allem wird Shinichi nicht zu einer völlig anderen Person, nachdem er sein Kostüm angezogen hat sondern seine Figur ist auch durch die Zebrastreifen ohne weiteres auszumachen. Das schließt natürlich auch so manche Tölpelhaftigkeit mit ein, die den Film oft lustig, niemals aber wirklich albern werden lässt. Vorausgesetzt allerdings, man findet sich mit dem niedrigen Budget ab und mit der damit verbundenen Eigenschaft des Films, sich nicht immer ganz ernst zu nehmen. Allein die Dialoge über die TV-Serie, die in den 70ern ein so unrühmliches Ende fand, sprechen da Bände. Kein Mensch außer Shinichi und seinem neu gewonnenen Freund – einem Drittklässler im Rollstuhl – hat jemals überhaupt von dieser Serie gehört. Dafür machen die beiden gleich eine Art Religion daraus. Dass ausgerechnet der Versager Shinichi plötzlich mit Superkräften ausgestattet wird, entbehrt keinesfalls einer Aussage, welche nicht einmal aufgesetzt daherkommt. Eine Art Motto der TV-Serie lautete, man könne alles erreichen, wenn man nur daran glaubt. Und der erfahrene Zuschauer wartet schon auf die Szene, in der der kleine Junge zu laufen lernt. Miike zerstört diese Romantik freilich sehr schnell wieder, wenn er seinen Helden – inspiriert von diesem Slogan – von Dächern und Brücken springen lässt, um das Fliegen zu erlernen.

Über diese wahrhaft tragikomische Studie eines Losers hinaus entpuppt sich „Zebraman“ allerdings auch als wahre Fundgrube von Hommagen und Filmzitaten. Japanische und amerikanische Superheldenfilme finden sich hier ebenso wieder wie „Ring“ oder „Godzilla“. Das alles findet wohl budgetbedingt, mit Sicherheit aber auch ein Stück weit bewusst in einem sehr trashigen Rahmen statt. Die alte Serie erinnert an die „Power Rangers“ und die Aliens, die es für Zebraman zu besiegen gilt, sind derart schlecht computeranimiert, dass es eigentlich nur Absicht sein kann. Neben diesen CGI’s wird an der Effekt-Schraube nicht allzu weit gedreht, wenngleich die ein oder andere eklige Überraschung nicht ausbleibt.

Insgesamt bleibt bei „Zebraman“ die Action zwar nicht auf der Strecke, ordnet sich aber den anderen Faktoren unter, um nicht zu sagen, sie bildet zusammen mit ihnen ein stimmiges Ganzes.

 

Als stimmiges Ganzes darf auch die deutsche DVD bezeichnet werden, auch wenn beim Bild vielleicht etwas mehr möglich gewesen wäre. Die blassen Farben sind aber offensichtlich als Stilmittel beabsichtigt und berücksichtigt man Budget und Herkunft, kann man getrost mit der Qualität leben. Beim Sound muss man nicht einmal ein Auge zudrücken, denn der besteht ohne weiteres. Dies fällt zwar nicht überdurchschnittlich schwer, da der Film nicht der größte Krachmacher ist, sobald es in den Actionszenen aber etwas mehr zur Sache geht, sind die Lautsprecher voll auf dem Posten. Mindestens genauso erfreulich präsentiert sich das Bonusmaterial. Dieses besteht aus zehn einzelnen Dokus, die hintereinander angeschaut ein Making Of (fast) in Spielfilmlänge ergeben. Das Material besteht zu einem großen Teil aus B-Rolls, diese werden aber durch Untertitel kommentiert und mit Interview- und Behind the Scenes-Material kombiniert. So erfährt man, wie die Actionszenen zustande gekommen sind, wie sich die Schauspieler ihren Rollen genähert haben und es gibt einen kleinen Einblick in die Welt von Takashi Miike. Für interessierte sensationell, für alle anderen vielleicht ein bisschen zäh. Die Untertitel (auch im japanischen Original wurde nichts von einem Sprecher kommentiert) nehmen dem Ganzen ein Wenig von seiner Dynamik, was die Extras allerdings alles andere als unbrauchbar macht.

 

(mosher)


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