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Twitching Tongues - Gaining Purpose Through Passionate Hatred Twitching Tongues - Gaining Purpose Through Passionate Hatred 
(Metal Blade)

“Gaining Purpose Through Passionate Hatred”, das neue Studiowerk der Doom/Stoner Metal/Rock/Hardcoreler aus Los Angeles, Kalifornien bietet unkonventionellen, fetzigen und enorm abwechslungsreichen Alternative Hardcore Punk Rock Crossover. Der Albumtitel mit Überlänge ist an den Ausspruch „Leidenschaftlicher Hass kann einem inhaltsleeren Leben Bedeutung und einen Zweck verleihen", des 1983 verstorbenen, sozialkritischen US-Philosophen Eric Hoffer angelehnt, was heutzutage wohl in der Hauptsache in den Sozialen Medien zum Tragen kommt. Man könnte es auch als Selbstzweck gegen Langeweile und gescheiterte Existenzen bezeichnen. Alles andere als Langeweile verbreiten jedoch die US-Boys von TWITCHING TONGUES auf ihrem wahrlich vielschichtigen, vierten Album. Photo Credit: Gabe BecerraVon hart bis zart, von laut bis leise, von pöbelnd bis schmusend, hier ist so ziemlich alles erlaubt. Mit einer komplett neuen Backmannschaft im Rücken, haben die Gebrüder Young (Colin vox. und Taylor guit., vox.) längst die alternativen Seiten des Metals für sich entdeckt und mit an Bord gezogen. Depressionen, Beziehungen, Selbstzerstörung und Selbstreflektion sind noch immer die vorwiegenden Thematiken ihrer breitgefächerten stilistischen Architektur.

 

Schartige Gitarren, eine omnipräsente Bassdistortion, eine unglaubliche, stimmliche Range, die in der Hauptsache auf ausdrucksstarken, röhrigen Klargesang zurückgreift, sich schon mal in gesprochene Parts wandelt oder gar in Death Metal Bereiche vorstößt. Hinzu gesellt sich das stets der Situation angepasste Drumming von Cayle Sain. Der überwiegende Teil auf „Gaining Purpose...“ ernährt sich allerdings von eingängigem Stoner Rock / Alternative Metal, der seine unzähligen Zutaten über nahezu sämtliche Genres bezieht. Wird an einer Stelle die Hardcore Sense ausgefahren, geht man an anderer Stelle auf Kuschelkurs. Das Quintett aus Los Angeles legt sich eben ungern auf einen konkreten Musikstil fest, was ein Kategorisieren alles andere als leicht macht und diversen Fans bereits unangenehm aufgestoßen ist. Photo Credit: Gabe BecerraTWITCHING TONGUES lassen sich jedoch nicht beirren und machen mit dem 38:06-minütigen „Gaining Purpose...“ da weiter, wo sie mit ihrem 2015er Werk „Disharmony“ aufgehört haben. Sie sind jedoch noch breitgefächerter aufgestellt, was mir trotz vieler, unbestreitbarer Höhepunkte auf Album Nummer vier zum Teil doch etwas zu unbeständig vorkommt. Ich würde das Album daher auch keinesfalls dem Mainstream zuordnen, weil es dafür nicht gleichförmig und schon gar nicht angepasst genug ist.

 

Der Stilmix zum dritten Track „Harakiri” ist für Rock und Alternative beispielsweise fast schon zu hart. Für Hardcore zu sehr Alternative und für Punk wiederum zu nett. Dennoch ist das Gesamtergebnis weit mehr als nur die Summe seiner Teile. Der anschließende, eingängige Alternative Rocksong „Kill for You“ kommt mit seinem ansprechenden, typischen US-Rock Gesang, dem von Matthew Kiichi Heafy (TRIVIUM) relativ nahe. Die ziemlich coole, unorthodoxe, atmosphärisch spacige Rock Nummer „Gaining Purpose“ hingegen mutiert irgendwann zu einer speedigen Thrash Bratze, die gesanglich sogar bis hin zu SACRED REICHs’ Phil Rind reicht, woraufhin die übelst geile Gesangsperformance zur harten Überballade „Long Gone“ stark an Ozzy Osbourne zu „Down To Earth“ Zeiten erinnert. Photo Credit: Gabe BecerraDas nachfolgende „The Sound of Pain“ ist wiederum eine schnelle Hardcore Punk Abrissbirne mit aggressivem Gesang, schnellem Drumming und nem langen, fetten, doomigen Break, bei dem man gesanglich wiederum Phil Rind die Hand reicht. Mit „Defection (Union of the State)“ hat man noch eine bockstark performte Alternative Metal Nummer mit fetten Leads, durchdachtem Riffing, punktgenauem Drumming und einer arschtighten Gesangsperformance am Start. Überhaupt ist man im Gesang extrem wandlungsfähig und scheint jeder Herausforderung mit Leichtigkeit gewachsen zu sein. Die extravaganten, innovativen Versuchsreihen glücken zumeist und verleihen den Songs eine zusätzlich interessante Note. Das Album ist so vielseitig, dass es schon ein paar Durchgänge braucht, mit dem Material so richtig warm zu werden. Wenn man aber erst mal die Gesamtheit erfahren und erkannt hat und sich auf den nicht immer ganz einfachen Crossover eingelassen hat, erfährt man schnell dessen wenigen Schwächen und vielen Stärken. Neun Tracks voller melancholischer, empathischer Emotionen, starken Gesangsperformances, zugänglichen Refrains und versiert gezockten Instrumenten machen „Gaining Purpose…” zu einem durchaus originellen und sympathischen Album, das durch seine technisch tighten Arrangements eine Unmenge an Charakter und Tiefe bezieht.


(Janko)

http://www.twitchingtongues.com
https://www.facebook.com/twitchingtongues

 

Checkt doch mal die folgenden TWITCHING TONGUES Videos an:


Harakiri:
https://www.youtube.com/embed/b-npJzXpOYI?ecver=1

Kill For You:
www.youtube.com/watch?v=5VEB4lweC0M

 

Gaining Purpose:

www.youtube.com/watch?v=VqQB3NyQ8AU


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