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Rivers Of Nihil - Where Owls Know My NameRivers Of Nihil - Where Owls Know My Name

(Metal Blade)

„Where Owls Know My Name” ist der dritte Sprengkopf der Modern Technical Death Metaller RIVERS OF NIHIL, die seit 2009 von Reading, Pennsylvania aus ihr Unwesen treiben. Die Schubladisierung in die Rubrik Death Metal kann aber nur als grobe Richtlinie angesehen werden, denn die Jungs aus dem Berks County haben einmal mehr aus den Vollen geschöpft. So evolvierte das Quintett seinen Sound zu einem minimal ruhiger ausgelegten, dafür noch vielseitigeren Stilmix. Die, leicht unkonventionelle Spielweise, die schon mal Weirdo Industrial Klänge mit Death, Space Rock, Jazz, Thrash, Hardcore, Djent und Fusion mischt, ist technisch durchaus ansprechend, aber auch nicht immer gleich auf Anhieb so ganz einfach zu verarbeiten. RIVERS OF NIHIL sind marginal melodischer und etwas weniger auf Crossrhythmik bedacht, als noch auf dem 2015er Vorgängeralbum „Monarchy”. Das mag eventuell am Ersetzen von Dylan Potts durch Jared Klein (im Jahre 2017) an der Bretterbude liegen. Die stakattohaften Riffanschläge und die spacigen Ausschweifungen von Brody Uttley, sowie Jon Topore sind aber nach wie vor Trademarks der progressiven, Kosmos- und Esoterik verliebten Todesschwadron. Das Ganze wird eben nur offenherziger und breiter aufgestellt dargestellt.

 

„Where Owls Know My Name” bietet der potentiellen Hörerschaft, neben relativ häufig zum Einsatz kommenden, spacigen Songelementen, auch vermehrt jazzige Fusionparts an, die anschließend wieder in den brachialen Death Metal münden, dem Fronter Jake Dieffenbach durch seinen deftigen Kreisch/Brüll Gesang endgültig den Stempel aufdrückt. Bei dem Versuch etwas vom Extrem Metal wegzukommen, wollte sich das Crossover Fivepiece offensichtlich eine breitgefächerte, openminded Attitüde an den Hut heften, was ihnen auch mit Bravour gelungen ist. Photo Credit Logan TilleyAber keine Angst, von einer Anbiederung an den Mainstream kann hier wohl kaum die Rede sein, denn davon ist man, mit seinem brachialen Durchsetzungsvermögen, zum Glück noch meilenweit entfernt. Die jazzigen bis psychedelischen Passagen, die man hauptsächlich in die Bridges eingebaut hat, lockern das hochgradig infektiöse Soundgefüge hierbei lediglich immer wieder verlässlich auf und regen den Geist zum aktiven Mitverfolgen an. Und obschon ich alles andere als ein Jazz Fan bin, muss ich zugeben, dass man die entsprechenden Sequenzen perfekt in seinen Gesamtsound eingliedern konnte.

 

Wo „The Silent Life” noch leicht Richtung MESHUGGAH schielt, zünden die Crossover Jünger mit „Old Nothing” ein weiteres ordentliches Blastbeat Feuerwerk ab, das jedoch auch nicht umhin kommt, sich eine spacige Bridge einzuverleiben. Das darauffolgende „Subtle Change (Including the Forest of Transition and Dissatisfaction Dance)“ besticht mit einem tranceartigen Opening, das in melodischen, wenn auch relativ harten und gut gezockten Metalcore abtriftet, um letztlich in mehr oder minder unkategorisierbaren Extrem Metal Gefilden anzulanden. Durch den teils elektronisch veränderten Gesang wird der Song zu einer richtig interessanten Nummer. Die kurze, verschwurbelte Jazzbridge, sowie ein weiteres spacig-jazziges Interlude hätte ich vielleicht nicht unbedingt gebraucht, aber der Track hat richtig viel Potential und ist für mich eines der vielen Highlights des Albums. Den US-Amerikanern RIVERS OF NIHIL kann man ohne Weiteres eine richtig starke Weiterentwicklung zu den beiden Vorgängern bescheinigen, obschon diese Entwicklung sicherlich nicht jeden Fan der ersten Stunde mit Freude erfüllen wird. Das elektronisch angetriebene „Terrestria III: Wither“ ist ein, die Sinne ansprechendes Instrumental, dass sich durch seine vielseitigen Attribute in dramaturgische Höhen windet, um im Nihilismus von Körper, Geist und Seele aufzugehen. Die hier und da einsetzenden Hintergrundgesänge zu „Hollow“ sind astrein austariert und klingen keinesfalls so weinerlich, wie das bei manch etablierter Metalcore Band der Fall ist. Außerdem ist der deftige Arschtritt von Brüllwürfel Jake Dieffenbach generell das Maß aller Dinge, der ohnehin etwa 99% der Gesangsperformances ausmacht. Mit „Death Is Real“ hat man ein ziemlich brutales Brett, nahezu ohne Firlefanz direkt zwischen die Hörner gezaubert. Lediglich auf die jazzigen Arrangements konnten die Extrem Metaller auch hier nicht komplett verzichten. Der namensgebende Track „Where Owls Know My Name“ bezieht seine Kraft aus einem ansprechenden Klargesangspart, sowie aus kosmischen Death Metal Klängen mit häufigen Jazz Fusion Einsätzen, wohingegen der Space Rock Beginn zu „Capricorn / Agoratopia“ selbst KATATONIA gut zu Gesicht stehen würde. Das Stück baut seine Dramaturgie allmählich über härtere Rockklänge auf, um letztlich beim Death Metal/Extrem Metal anzulanden und den Weg in ähnlicher Weise auch wieder zurückzugehen.

 

Also Vielseitigkeit kann man RIVERS OF NIHIL wohl kaum in Abrede stellen. Die US-Amerikanischen technical Death/Crossover Extremisten klingen mittlerweile direkt schwedisch und wie ein Hybrid aus DARKANE, THE GREAT DECEIVER, DARK TRANQUILLITY, MESHUGGAH und THE HAUNTED. Wie es so oft der Fall ist, öffnet sich das Album erst nach mehrmaligem Hören zur Gänze und wenn man auch nicht mit allem einverstanden sein muss, was RIVERS OF NIHIL hier auf ihren 56:38-minütigen Datenträger gebannt haben, muss man ihnen doch eine enorme Wandlungsfähigkeit, sowie einen gewissen Mut zur Andersartigkeit zugestehen, den sie gekonnt umzusetzen wussten. „Where Owls Know My Name“ ist mit Sicherheit kein ultimatives Meisterwerk, dafür aber ein sehr stimmiges und anspruchsvolles Album, das ganz klar darauf abzielt, dass sich der Hörer auf selbiges einlassen und sich mit seinen zehn hochinteressanten Tracks beschäftigen muss.

(Janko)

https://www.facebook.com/riversofnihil

 

 

Die neuesten RIVERS OF NIHIL Videos checkt ihr hier:

The Silent Life:

https://www.youtube.com/watch?v=Zx-r8M6hMbk

 

Where Owls Know My Name:

https://www.youtube.com/watch?v=sjzL6-3vACs

 

A Home:

https://www.youtube.com/watch?v=Es35XYlKNnA


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