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EISREGEN - LeblosEISREGEN - Leblos
(Massacre Records)

 

EISREGEN haben noch zu keinem Zeitpunkt ihres 25 Jahre umfassenden Leichenwerks, einen gesteigerten Wert auf Konventionen gelegt und zeitlebens ihr eigenes Ding konsequent durchgezogen. Ob dies bei den Fans der ersten Stunde immer so gut angekommen ist oder nicht, sei einmal dahingestellt. Zumindest ist der schwarze Tod aus Tambach-Dietharz immer wieder erstarkt aus sämtlichen Rückschlägen seiner bewegten Vergangenheit hervorgegangen und nach all der Zeit noch immer mächtig am Start. Und so kommen die Symphonic Dark/Death/Black Metaller auch alles andere als leblos daher. Gespickt mit markanten Texten und einer doch recht variablen Soundarchitektur, haben die dunklen Herren der überfrierenden Nässe erneut ein abwechslungsreiches Werk geschaffen, dass sich momentan prima an der Spitze ihres stetig wachsenden Backkatalogs machen dürfte. Der Thüringer Black/Death Metal wird seit jeher mit Gothic Elementen angereichert, die sich zumeist im melancholischen, dennoch stets ansprechenden Violinenspiel von Frau N. Feind oder in diversen Pianoklängen und Synthsoundlayers äußert. Mit ihrem morbiden, oftmals metaphorischen und generell deutschsprachigen Textgut, dem rollenden "R" in der Stimme und einer soundtechnisch dichten Atmosphäre hat man erneut ein wirklich gutes, wenn auch nicht unschlagbares Schlachtwerk abgeliefert, das sich nach hinten raus immer weiter steigert.

 

Ob nun bewusst oder unbewusst, der Einstiegssong "Ruhet sanft" weist rein musikalisch gesehen deutliche Parallelen zu "Einmal noch" von EWIGHEIM auf. Die Umgebungstemperatur senkt sich hierbei spürbar ab. Es ist ein melancholisches Schlummerlied mit balladesken Zügen geworden, welches auf den kalten Sohlen von Schlafes Bruder wandelt und dich in seiner finsteren, feuchten und frostigen Atmosphäre sanft mit ins Jenseits trägt. Doch spätestens ab dem zweiten Song "Pechschwarz" fahren die Extrem Metaller auch die typischen EISREGEN Trademarks aus schartigem Riffing, nach vorne treibendem Drumming und einer bedrohlichen Kulisse aus Piano- und Violinenklängen auf. Photo: Sebastian SpeldaAuch Michael "Blutkehle" Roth ist gesangstechnisch wieder so richtig schön garstig unterwegs. Den Klargesang hat er deutlich zurückgeschraubt, bzw. verbessert oder als Vocaldoppelung parallel zu seinem Gekeife mit dem rollenden "R" laufen lassen, was ich persönlich als die beste Lösung empfinde. Auch wenn die ostdeutsche Black/Dark/Gothic Crossover Formation erst ab dem dritten Track "Erstschlag" so richtig aufs Gaspedal drückt und die fette Blastkeuhle schwingt, sind die Songs durchaus ansprechend inszeniert und als eine Art Retrospektive auf ein Vierteljahrhundert im Zeichen des Todes zu verstehen.

 

Ebenfalls ist die vierte Komposition "1000 Jahre Nacht" sehr stark vom balladesken Piano/Violinenspiel gezeichnet. Ein wenig erinnert mit dieser Track trotz seiner ruhigen Ader an "Das Scharlachrote Kleid" von der "Krebskolonie" oder an die "Schwarze Rose" aus dem "Leichenlager". Die darauffolgende Single-Auskopplung "Leblos", zu der die Band auch ein Video produziert hat, ist mir persönlich, gerade was die Violine anbetrifft einen Tacken zu fröhlich und massentauglich geartet, obschon ich zugeben muss, dass die Arrangements prinzipiell super skizziert und sauber gesetzt wurden. Live ist der Songs sicherlich ein absoluter Nackenbrecher. Danach geht es direkt hinunter  in den "Schlachtraum". Hier erwartet den geneigten Hörer eine facettenreiche und dramaturgische Nummer, die auf morbide Weise vom Homosexuellenmörder Bernd und seinem Gehilfen kündet. Auch das darauffolgende "Atme Asche" ist sehr variabel ausgefallen und saugt Tod und Asche in sich hinein. Um eine Art Erschaffung von Frankensteins Monster geht es im Follow-Up "Mein Leichenwerk". Regelrecht spacig wird man bei "Wangenrot", welches mich mit seinen ausgedehnten Klargesangsrefrains allerdings nicht so 100%ig anspricht. Ansonsten gibt es an EISREGEN's Morbidität aber kaum etwas zu rütteln und so schüttelt der Thüringer Jugendschreck mit dem vorletzten Song "Mutter schneidet" noch mal ein absolutes Ass aus dem Ärmel. Ein schneidend scharfer, ebenfalls eher im Low- bis Midtempo angesiedelter Stampfer mit mächtiger, böser und dichter Atmosphäre. Hierbei dreht sich alles um Kindesmissbrauch und den letzten Ausweg einer Mutter, die ihren Sohn vor seinem perversen Vater zu schützen versucht. Mit Abstand der beste Song auf dem Album. Der elfte Track und Rausschmeißer "Drauß' vom Häuten komm' ich her" hingegen erzählt seine ganz eigene Geschichte vom Jagen und Sammeln.

 

Auf ihrem 2-CD Mediabook, welches vier Trink- und Feierlieder beinhaltet, stellen die EISREGEN-Jünger auch ihr neues Projekt DIE RÄUDIGEN RENNSTEIGREBELLEN in Form einer Bonus-CD vor. Photo: Sebastian SpeldaDie ostdeutschen Extrem Metaller waren ja schon immer für ihre Extravaganz bekannt, die nicht immer nur positiv vom Publikum aufgenommen wurde. Mit dem vielversprechenden Titel "Deutsches Bierlied", zu dem es auch ein Video gibt, geht es in die Vollen. Aber um Gottes Willen, was haben sich die Thüringer denn bloß dabei gedacht? Denn leider geht dieser Schuss mächtig nach hinten los: "Gleich werd ich Bier kaufen – dann werd ich Bier saufen / Ja ja ja, bald schon bin ich nicht mehr da / Ja ja ja, sauf mich ins kühle Grab" in einem albernen, klaren Singsang, der eine echt fiese Fremdschämaxt schwingt. Unfassbar schlecht! Das hat mit Metal und Kunst für meine Begriffe beim besten Willen nichts mehr zu tun. Und obschon ich selbst eine Ulknudel bin, kann ich mit solch albernen Blödeleien beim besten Willen nichts anfangen. Somit möchte ich auf diese und die darauffolgenden, ähnlich gearteten folkloristischen Albernheiten auch gar nicht weiter eingehen. Lediglich will ich noch anmerken, dass der Abschlusssong "Zeit zu Saufen" das Sauf-Pendant zur Mordlust "Zeit zu Spielen" vom 2000er "Leichenlager"-Album darstellt und von daher zumindest musikalisch schon mal auf der Höhe ist...wenigstens etwas. DIE RÄUDIGEN RENNSTEIGREBELLEN kommen kaum über die 17 % Marke hinaus und sind textlich so richtig Panne. Ich hätte mir das gespart. Aber es zwingt einen ja keiner, die Bonus-CD regelmäßig anzuhören.

 

"Leblos" bringt es inklusive der 4-Track Bonus CD - "Die Räudigen Rennsteigrebellen" auf 61:17 Minuten. Das 2-CD Mediabook beinhaltet neben den beiden CD's einen gestrickten Schal, eine handsignierte Autogrammkarte, die Chance auf entweder 1 goldenes oder 1 von 5 silbernen VIP Tickets (das goldene Ticket berechtigt zu freiem Eintritt für alle Termine der "25 Jahre Eisregen - Live & Leblos" Tour; das silberne Ticket zu freiem Eintritt bei einem der Konzerte der Tour). Produziert wurde auch das neue Werk wieder von Yantit im HcN-Studio zu Tambach-Dietharz. Mix und Master stammen aus der altbewährten Klangschmiede Studio E in Mellrichstadt, welches von Sounddesigner Markus Stock (THE VISION BLEAK, EWIGHEIM, HELRUNA, EMPYRIUM) geleitet wird. Das Coverartwork hingegen stammt von svartir andar graphix, die sich bereits für das Cover zum abgefeierten Vorgängeralbum "Fegefeuer" verantwortlich zeigten. Ich bin seltsam hin- und hergerissen, denn so richtig vom Hocker zu hauen vermag mich das neueste Gesamt-Werk aus dem Hause EISREGEN nicht. Da gebe ich dem Vorgängeralbum "Fegefeuer" ganz klar den Vortritt. Es ist eben nicht immer ganz das Niveau erreicht, das ich mir von einer gestandenen Band wie EISREGEN erwarte. Auch wenn man dieses Mal sehr auf Ausgewogenheit und Eingängigkeit geachtet hat, fehlen mir ein wenig die zynisch schneidenden Metaphern und die echten Emotionen wie damals bei "Scharlachrotes Kleid", "Nachtgeburt" oder "Schwarze Rose". Die Arbeiten zum 15. EISREGEN-Album "Scharfschütze" sind übrigens bereits in vollem Gange...ich bin gespannt!


(Janko)

https://www.facebook.com/eisregen.official

 

 

Checkt die Videos zu:

Leblos:

https://youtu.be/pUkbyw1sFeo

 

Deutsches Bierlied:

https://youtu.be/qpn8btclTnk


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