The Night Eternal - Cold velvet

(Metal Blade)

 

Ist dies das Album, mit dem die Essener durch die Decke gehen werden? Gut möglich, aber zumindest bei mir hat „Cold velvet“ nicht diese bahn- und putzbrechende Wirkung. Woran es liegt, kann ich so genau gar nicht sagen, ein paar kritische Aspekte kann ich jedoch nennen. Fangen wir bei der grundsätzlichen Ausrichtung an: Metal ist hier nur noch in geringen Dosen zu finden, eine Entwicklung, die sich andeutete hat sich mit „Cold velvet“ vollzogen. Leider leidet darunter auch ein wenig die Intensität, zumal auch einige 80er-Hardrock-Vibes, insbesondere beim Drumming, die Kompositionen nicht gerade kratzbürstiger machen. Vieles scheint großteils etwas zurückgenommen, um Ricardos oft raumgreifenden Gesangslinien den nötigen Raum zu geben.

 

Bei guten Hooklines („Caught in a spell“ und der Opener blieben sofort hängen, dicht gefolgt von „Eurydice“ ) macht die Band damit alles richtig, aber nicht jeder Chorus auf „Cold velvet“ macht den jeweiligen Song zum Selbstläufer. Manches ist bei aller Cool- und Catchiness auch etwas gleichförmig intoniert, auch wenn der charismatische Sänger alle seine Register zieht. Unterm Strich ist der (auch von mir) heiß ersehnte Drittling ein gutes und gut produziertes Album, das im Grunde keine objektiven Schwächen hat, aber mich letztlich zu selten berührt. So richtig Entenpelle habe ich nur bei einigen Songs, wobei die Haare am meisten beim endlich mal mit Tempodynamiken arbeitenden „The Watcher“-Track strammstehen (unschönes Wort in der heutigen Zeit), dass am stärksten von der aktuellen Songwriting-Formel abweicht.

 

Sei’s drum. Wer von The Cult und Sentenced die jeweils etwas glatteren Alben bevorzugt, dürfte mit dem Album glücklich werden, wer seine akustische Dunkelheit lieber einen Hauch verschlingender und desolater mag, vielleicht nur bedingt.

 

(Chris)

 

https://thenighteternal.bandcamp.com/album/cold-velvet


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