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Aus dem Ost Berliner Raum kommen Quasimodo, die es schon über 30 Jahre gibt. Die Heavy Metal Band hat eine lange interessante Geschichte und mit dem neuen Album „Cancer City“ sind sie auch erstmals im Totentanz vertreten. Schlagzeuger Rene Jauernik erzählt im Folgenden was es mit der Gruppe auf sich hat und warum das aktuelle Album mit Gastsängern (u.a. John von Raven und Gerre von Tankard) entstanden ist...

 

Erzähle mal bitte etwas Historie – die geht bei euch ja schon einige Zeit zurück...

 

Gegründet wurde die Band von den beiden Sandkastenkumpels MarcoWegener und Ronald Czyrny. Zugetragen hat sich dieses wichtige Ereignis 1984 in Ost-Berlin. Anhand der aktuellen Besetzung lässt sich erkennen, dass beide Herren immer noch dabei sind, wobei Ronald das einzige Bandmitglied ist, welches konstant dabei war. Anfangs spielte man reinen Heavy Metal á la Accept, Judas Priest etc. Ronald, welcher heute den Bass bedient, war damals noch Gitarrist und Sänger. Marco ist irgendwann Anfang der 90er ausgestiegen und hat dann ein paar Jahre lang andere Projekte verfolgt. Bei Quasimodo ging ́s als Trio dann eher in die thrashige Richtung, was man auch auf dem 1999er Debütalbum „C.Y.R.“ nachhören kann. Leider gab es immer wieder Reibereien, weil Ronald scheinbar ein Händchen dafür hat, Leute mit diversen psychischen Problemen zu rekrutieren. Ich habe die Jungs 1993 über diverse gemeinsame Gigs mit meiner damaligen Band kennengelernt. Seit damals sind wir eigentlich dicke Kumpels, was man heutzutage leider auch wörtlich nehmen kann. Da es, wie gesagt, öfter Besetzungsstress gab, habe ich mehrfach ausgeholfen, u.a. auf dem „Härtetest“-Album von 2003. Musikalisch geht das Teil in die Groove-Metal-Abteilung Richtung Prong oder Helmet. Textlich ist das Ganze allerdings ziemlicher Mumpitz. Nachdem diese Geschichte völlig vor den Baum gefahren war, trat Marco wieder ins Rampenlicht. Unter dem Namen Maddog 2020 versuchte man sich nochmal am Thrash Metal und endete dann irgendwann mit einem neuen Sänger als reine Metal-Coverband. Natürlich ließen die innerbetrieblichen Probleme nicht lange auf sich warten und ich bekam mal wieder eine Anfrage. Ich stellte jedoch die Bedingung, wieder auf eigenes Material umzustellen und die Coversongs so nach und nach aus dem Programm verschwinden zu lassen. Gesagt, getan. Ziemlich fix hatten wir dann das Material für das 2017er Album „One Shot“ beisammen, welches vom legendären Harris Johns gemixt wurde. Die Scheibe erhielt ganz ordentliche Kritiken und brachte uns sogar ein paar kleinere Gigs in den USA ein. Leider hatte der Sänger keinen richtigen Bock auf Metal und verabschiedete sich kurz nach Plattenrelease.

 

Wann wurde mit den Arbeiten am neuen Album angefangen und war schon beim Schreiben klar das man mit Gastsängern arbeiten wird?

 

Kurz nachdem der Sänger ausgestiegen war, begann Marco wieder mit dem Schreiben neuer Songs, die wir irgendwann auch veröffentlichen wollten. Da wir aber keinen neuen Frontmann finden konnten, kam ich irgendwann auf die Idee, das Album ausschließlich mit Gastsängeraufzunehmen. Immerhin kannte man ja schon ein paar Leute. Marco fand die Idee anfangs nicht so prickelnd, konnte dann aber doch überzeugt werden. Wie gesagt entstanden die ersten Songs noch bevor die Idee mit den Gastsängern aufkam. Ursprünglich wollten wir nur einen Song mit dem ehemaligen Sieges Even-Sänger Franz Herde aufnehmen, der ein paar Leute für ein Bandprojekt gesucht hatte. Das war also zunächst gar nicht für Quasimodo geplant.

 

Wie findet man dann die richtigen Mikro Quäler? Macht jeder eine Wunschliste mit Kandidaten oder hat man beim Komponieren schon jemand bestimmten im Kopf?

 

Nee, eine Wunschliste oder Ähnliches gab es nicht. Die meisten der beteiligten Sänger sind langjährige Freunde und Bekannte von uns. Christian Faust ist beispielsweise der Sänger meiner anderen Band Jacob ́s Fall. Matze Windelschmidt ist ein alter Kumpel von Marco. Leute wie Björn Gooßes von The Very End, Torger Neuhaus von Godsnake, Saskia Hedzet von Last Jeton oder John Gallagher von Raven sind Leute, mit denen wir teilweise schon seit Jahren über Social Media etc. in Kontakt stehen und von deren Bands wir große Fans sind. Die haben alle direkt nach der ersten Anfrage zugesagt. Das sind einfach alles coole Typen! Bei Chris Caffery war es so, dass ich ihn während eines von mir geführten Savatage-Interviews als völlig entspannten und netten Menschen erlebt habe. Da ich seine Stimme sehr mag und sämtliche Soloscheiben von ihm besitze, habe ich am Ende des Gesprächs einfach gefragt, ob er nicht Bock hätte, mitzumachen. Ganz easy. Entstanden sind die meisten Songs, ohne zu wissen, wer darauf singen wird. Lediglich die beiden Stücke mit Gerre von Tankard und John von Raven wurden gezielt für die Herren komponiert. Das hat Marco meisterhaft hinbekommen, finde ich. Für den Franz hatten wir ursprünglich eine ziemlich vertrackte Nummer geschrieben, da er ja früher bei Sieges Even solch verrücktes Zeug gesungen hat. Witzigerweise kam er mit dem Song aber überhaupt nicht zurecht, und hat dann ein ziemlich straightes Stück eingeträllert. Als er seinem alten Bandkumpel Oliver Holzwarth von der Sache erzählte, bat dieser gleich darum, den Bass bei diesem Song einspielen zu dürfen. Solch einer Koryphäe gibt man natürlich keinen Korb. Den Sieges Even-mäßigen Song hat sich dann übrigens Savage Blood-Sänger Peter Diersmann rausgesucht, der einen Killer-Job abgeliefert hat. Insgesamt muss ich sagen, dass es überraschend unkompliziert war, mit den ganzen Leuten zusammen zu arbeiten. Da hat jeder Einzelne richtig viel Herzblut reingesteckt. Durchweg ganz feine Menschen!

 

Gab es auch viele Absagen?

 q-bqndRichtige Absagen gab es nur zwei. Ich möchte da jetzt keine Bandnamen nennen, aber der eine Sänger ist wohl zu sehr mit seiner riesigen Schädelsammlung beschäftigt und der andere hängt lieber mit einem verrückten Fleischer ab... Aber da gab es keinen Stress, oder so. Das waren alles ganz plausible Absagen. Ansonsten waren noch diverse andere Sänger geplant, die das Ganze jedoch aus Zeitgründen nicht geschafft haben. Aber vielleicht fällt das nächste Album ja ähnlich aus...

 

Über kurz oder lang soll aber schon ein neuer fester Sänger/in her, oder?

 

Da wäre natürlich der optimale Fall! Momentan probieren wir mehrere Optionen aus. Falls einer der Leser Bock hat, bei uns zu singen, kann er uns gern kontaktieren.

 

Erzähle mal bitte bisschen über „Cancer City“, was steckt dahinter? Welche Text Themen greift ihr auf?

 

Das ist ganz unterschiedlich. Viele Texte stammen von mir. „Ruled By Addiction“, der von Raven-John gesungen wird, handelt beispielsweise von diversen Abhängigkeiten. Ansonsten befasse ich mich viel mit der dunklen Seite des Lebens, ausweglosen Situationen etc. Nachhören kann man das z.B. in den Stücken „Pride Is Gone“ oder „No Exit“. „Burning Paradise“ ist mein Beitrag zum Thema Religion. Damit kann ich nämlich überhaupt nichts anfangen! „The Bavarian Vampire“ mit Franz Herde erzählt die Geschichte eines Vampirs und ist mit einem kleinen Augenzwinkern zu betrachten. Einige der Sänger haben auch ihre eigenen Lyrics zu den Stücken verfasst. „Lady Insane“ von Saskia handelt z.B. von der KZ-Aufseherin Maria Mandl, deren grausame Taten hier beschrieben werden.

 

Musikalisch pendelt ihr zwischen Heavy/Power/True und Thrash Metal wie ich finde. Aber auch ein Deutschrock Song mit Buzz Dee von Knorkator ist dabei....

 

Um das ziemlich lange Album interessant zu halten, haben wir natürlich diverse Spielarten des Metal verwurstet. Mit Deutschrock liegst du aber völlig daneben. „Heavy Mörtel Mischmaschine“ stammt aus dem Jahr 1986 und war einer der populärsten und kultigsten Songs der DDR-Metalszene. Der wurde von Buzz Dee komponiert und mit seiner damaligen Band MCB veröffentlicht. Als damals 12jähriger hab ich das Stück völlig abgefeiert und wollte den Song schon immer mal covern. Jetzt habe ich mir diesen Wunsch erfüllt und gleich noch den Originalsänger/Gitarristen dafür eingespannt. Marco und Ronald kennen den Basti auch schon seit Anfang der 80er und haben ihn mehrfach mit seiner damaligen Band Keks live erlebt. Der Typ ist ́ne Koryphäe des Ost-Rocks.

 

Wie kam es das euer Basser Ronald auch einen Song trällert?

 

Wie schon gesagt, war Ronald zu Anfangstagen der Sänger der Band. Um eine möglichste große Bandbreite anzubieten, war relativ schnell klar, dass er auch einen Song auf „Cancer City“ trällern soll. Da wir aber eine eher melodische Stimme für künftige Aktivitäten suchen und er sich zudem lieber aufs Bassspielen konzentrieren möchte, kommt er als fester Sänger aber nicht in Frage.

 

Wie sind die ersten Reaktionen auf das Album?

 

Bisher gab es ausschließlich positive Rückmeldungen. Mittlerweile sind schon einige Reviews erschienen, und die sind alle voll des Lobes. Damit hätten wir nicht unbedingt gerechnet. Viel wichtiger finde ich jedoch die Reaktionen der beteiligten Musiker. Alle Leute sind völlig begeistert vom Gesamtpaket und scheuen sich auch nicht, dies öffentlich kundzutun. Wir sind mächtig stolz auf das Endergebnis.

 

Sind auch schon Gigs geplant?

 

Ein paar Auftritte sind schon gebucht. Jetzt gilt es natürlich erst mal, einen festen Sänger zu finden. Aber wie schon gesagt, gibt es q-coverbereits diverse Interessenten. Am 21.05. haben wir übrigens im Berliner Kultclub Halford einen kleinen Gig gespielt, bei dem uns mit Buzz Dee, Matze Windelschmidt, Torger Neuhaus und Marco Herrmann 4 Leute am Micro unterstützt haben, die auch auf dem Album zu hören sind. Das war eine coole Party!

 

Du schreibst nebenher noch für unsere Kumpels vom Way Up Zine und bist noch bei Jacob ́s Fall. Klappt das alles zeitlich?

 

Außerdem spiele ich noch in der Motörhead-Coverband The Böneshakers und schreibe für das Break Out Magazin. Und einen Vollzeitjob als Erzieher sowie eigenes Haus und Familie habe ich auch noch. Manchmal wird das alles etwas stressig, aber größtenteils machen die verschiedenen Aktivitäten total Spaß. Da meine Freundin Beate auch eine Musikverrückte ist und zudem Fotos fürs Way Up macht, entstehen daher glücklicherweise keine Interessenkonflikte.

 

Gebt mal paar Scheiben durch die euch in der Corona Zeit positiv auffielen....

 

Oh man, da sind so viele gute Platten erschienen. So spontan fallen mir da als absolute Highlights die letzten Alben von Raven und Flotsam And Jetsam ein. Absolut geniale Dinger! Vom unkaputtbaren Onkel Udo sind ja während der Pandemie auch einige Scheiben erschienen. Auch die letzte Accept finde ich ziemlich stark. Helloween haben mich auch nicht enttäuscht. „Poison Thorn“ von den Hamburgern Godsnake ist ein absoluter Kracher, genau wie die letzte Scheibe von The Very End. Da kam echt haufenweise cooles Zeug raus. Motorjesus, Asphyx, Evildead etc. Auf die „Senjutsu“ hätte ich aber verzichten können.

 

 Der obligatorische Last Comment...................

 

Vielen Dank für das Interview! Als Stammleser eures Blattes freut mich dieses Feature natürlich ganz besonders! Wer mit unserer CD noch nicht vertraut ist, sollte auf jeden Fall mal rein hören. Ansonsten hoffe ich, dass ihr noch eine ganze Weile weitermacht. Nix geht über Printmagazine! Und natürlich noch viele Grüße an euren Schnuller! Der kann auf dem nächsten Album gern ein Gastsolo spielen...

 

(Arno)

 

https://quasimodometal.de/

 


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