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lund-2Kommissarin Lund - Das Verbrechen (Staffel 2)

(Edel Motion)

 

Krimiserien - insbesondere solche aus Nordeuropa - haben ja bereits seit einiger Zeit Hochkonjunktur und machen sich nicht nur im späteren Abendprogramm der öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten breit, sondern erfreuen sich auch auf DVD immer größerer Beliebtheit. Die Gründe dafür, dass derlei Produktionen hierzulande mittlerweile mehr Zuschauer hinterm Ofen hervorlocken als ein herkömmlicher Polizeiruf sind mannigfaltig. Da wäre zunächst der Reiz des "vertraut Exotischen": Dänen, Schweden und was sie alles sein mögen haben so ihre Eigenheiten, kokettieren damit sogar regelrecht, überfordern das teutonische Gemüt dabei jedoch zu keiner Zeit, spielen wir doch im globalen Vergleich irgendwo immer noch in derselben Liga. Dazu kommt, dass unsere Nachbarn und Nachbarsnachbarn es schaffen, sowohl ihren Themen als auch ihren Charakteren die richtige Mixtur aus Dynamik und Glaubwürdigkeit zu injizieren und dabei am Ende noch den Zeitgeist zu treffen. Wo im deutschen Krimi entweder Trenchcoat tragende Pensionsverweigerer oder aus debilen Seifenopern entflohene Quietschgören jedem echten Bullen die Schamesröte ins Gesicht treiben, überzeugen die nordischen Kolleginnen und Kollegen eher mit Bodenständigkeit und Authentizität. Und wo die Einen ihre Zuschauer entweder mit miefigen 08/15-Fällen oder mit erhobenem Zeigefinger vergraulen, lassen es die Anderen ganz entgegen deutscher Tugenden sehr viel unverkrampfter angehen. Doch all das wäre nur halb so viel wert, wäre nicht auch die technische Qualität der Nordimportwaren um ein Vielfaches besser, als man es vom hiesigen Krimiangebot gewohnt ist. Bildkompositionen, Farbgebung und Beleuchtung, Inszenierung der Figuren sowie Schnitt- und Erzählrhythmus erinnern eher an Kinofilme denn an den sonntäglichen Tatort.

Kommissarin Lund gelingt es nun, sich in diesem Bereich ein gewisses Alleinstellungsmerkmal zu verpassen. Neu ist die Idee zwar nicht, einer Staffel nur einen Fall zugrunde zu legen, doch besitzt die Serie diese Eigenschaft in ihrem Sektor momentan recht exklusiv. In der vorliegenden Staffel beschäftigt der Mord an einer Rechtsanwältin Sarah Lund über fünf Episoden hinweg (bei der TV-Ausstrahlung waren es noch zehn Folgen, die nun auf Filmlänge aneinandergeschnitten wurden) und das, obwohl die Kommissarin eigentlich aufs Land strafversetzt worden war. Doch der Mordfall, dessen Hintergründe offensichtlich bis weit in die Reihen des Militärs hineinreichen, sorgt dafür, dass Lunds Vorgesetzte sie wieder nach Kopenhagen zurück beordern, um zunächst inoffiziell, schließlich aber an vorderster Front nach dem Täter und seinen Motiven zu forschen. Diese haben, wie sich dank eines schockierenden Videos schnell zeigt, mit dem dänischen Kampfeinsatz in Afghanistan zu tun und ziehen ihre Kreise bis zum neuen Justizminister Thomas Buch, bei dem zunächst nicht klar scheint, ob er zu den Guten oder zu den Bösen gehört. Für Spannung ist also gesorgt, doch dass diese über annähernd 600 Minuten kontinuierlich aufrecht erhalten wird, ist die wahre Leistung der Serie. Für den Rest sorgen die erwähnten Stärken und die ausgesprochen guten Schauspieler, die sowohl nordische Kälte als auch skandinavische Herzlichkeit vermitteln und damit nicht nur sympathisch, sondern vor allem menschlich und mit all ihren Schwächen rüberkommen.

Eine tolle Serie für Krimifans, mal was anderes aber eben keine durchgestylte Ami-Ware. Edel Motion bringt Kommissarin Lund - Das Verbrechen II auf fünf DVDs auf den Markt, die bildtechnisch hervorragend sind und auch einen guten Ton in 2.0 und 5.1 liefern - allerdings nur in deutscher Sprache, schade um's Original. Ebenso vergeblich sucht man irgendwelches Bonusmaterial, einzig ein Booklet hat es in den Lieferumfang geschafft. Hierauf kann der interessierte Käufer dann auch mehr oder weniger die auf der Hülle angekündigten Interviews nachlesen. Mehr oder weniger, weil es sich laut Backcover um den "Special Bonus", bestehend aus Darsteller-Interviews und (!) Booklet, handelt. Tatsächlich finden wir jedoch einen Text über Lund-Darstellerin Sofie Gråbol und ein Interview mit Autor Søren Sveistrup. Nicht gerade die feine Englische vom Label, zumal der "Special Bonus" (also das Booklet) neben der Titelseite aus drei Seiten Text und zwei Seiten Werbung besteht.

 

 

 

(mosher)


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