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Enslaved – E

(Nuclear Blast)

 

Nach dem Weggang von Herbrand Larsen war klar, dass „E“ kein übliches Enslaved-Album werden würde – falls es so etwas in der furiosen 26-jährigen Karriere dieser Norweger je gegeben hat. Dass „E“ so dermaßen anders werden würde, war aber nicht zu erwarten. Enslaved haben mit Album Nummer 14 komplett die Flucht nach vorne angetreten – und dabei einiges an Trademarks und Stärken zurückgelassen. Es fehlen hier also nicht nur die ungemein charismatischen Gesangsparts von Larsen, sondern auch manches Mal die Kraft und Klarheit in der Instrumentierung.

 

Meister Ivar kann mit einem Gitarrenlick ein ganzes Genre deklassieren, zu hören ist davon auf „E“ leider wenig. Stattdessen gibt es recht gelungenes, kaum verzerrtes Schraddel-Riffing wenn’s mal härter wird und sehr viel proggiges, dichtes Zusammenspiel mit Arve Isdal beziehungsweise Neukeyboarder/-Ersatzsänger Hakon Sinje. Die teilweise aufkommende 70er-Jahre Idylle wird von Grutle zwar immer wieder jäh durchbrochen, aber auch er klingt anders als zuletzt, teilweise etwas tiefer und ohne die allerletzte Giftigkeit. Außerdem wird auf „E“ vermehrt mit Chören gearbeitet, was das Album im Gesamteindruck auch nicht gerade kantiger macht. Ihr seht also, ich fremdele ein wenig mit den zahlreichen Feinjustierungen, die umso mehr ins Gewicht fallen, weil auch die Kompositionen an sich nicht immer ganz schlüssig erscheinen. Nehmen wir nur mal den Opener „Storm son“. Der 10-Minüter fängt mit naturnahen Geräuschen an, geht dann –gar nicht mal stürmisch ­ – mit einer lieblichen Melodie weiter und schwenkt nach einigen kompositorischen Haken in einen für Bandverhältnisse nicht allzu mitreißenden Uptempo-Part um. Uff, das kann nur besser werden. Wird es zum Glück dann auch.

 

„The river’s mouth“ versöhnt und betört mit einem unnachahmlichen Schraddel-Riff(den Mastodon-Refrain hätts aber nicht gebraucht), „Sacred horse“ ist auf erfrischende Weise enorm progressiv, das anfänglich doomige „Hiindsight“ gefällt trotz des p rätentiösen Saxophons – und immer wieder erklingt da eine abenteuerlustige Leadgitarre. Tolle Momente gibt es also zuhauf, das Album als Ganzes läuft aber für meine Begriffe nicht ganz rund. Ich will der Band nichts unterstellen – dafür schätze ich sie zu sehr – aber „E“ klingt in meinen Ohren teilweise erzwungen komplex. Ein bisschen so als hätte man keine klaren Ideen gehabt und sich deswegen in verkopftere Parts verstiegen. Vielleicht haben aber auch Ivars diverse Nebenprojekte auf den Bandsound abgefärbt. Sei es wie es will – „E“ ist das erste Enslaved-Werk seit Ewigkeiten, das mich nicht komplett begeistert und fassungslos zurücklässt. Gut, bisweilen sehr gut und stellenweise grandios ist es trotzdem, aber das ist für den Moment ein eher schwacher Trost.

 

 

(Chris)

 

https://www.facebook.com/enslaved


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