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Castle FreakCastle Freak

(CMV Laservision)

 

 

Die Familie Reilly, Vater, Mutter und Tochter, machen sich auf den Weg nach Italien. Sie müssen dort eine Erbschaft annehmen – ein altes Schloss. Rebecca, die blinde Tochter, nimmt schon bald Geräusche in dem alten Gemäuer wahr, die sie in den Keller locken. Etwas grauenhaftes lebt dort unten, dass spürt Rebecca, doch sie kann es nicht sehen. Nachdem die alte Haushälterin kryptische Bemerkungen macht, kommt es zu einer Kette unheimlicher Vorgänge. Außerdem verschwindet eine bekannte Dorfhure, deren Spur zum Schloss führt. Als John, der verzweifelte Vater, auf ein Geheimnis seiner Vergangenheit stößt, bricht die Hölle über ihn und seine Familie herein.

 

 

Der Fulci vom Gordon

 

(Vorsicht, die Review kann leichte Spoiler enthalten!)

 

Nachdem Peter Jackson mit "Braindead" 1992 alle Register in Sachen Splatter gezogen hat, wich der extrem Horror und ein Jahrzehnt der Sanftheit wurde eingeläutet. Im Kino liefen nur wenige Horrorfilme und wenn, dann hatten sie kaum brachiale Gewalt oder Ausschweifungen zu bieten. Hier ging es dann mehr um Handlung und Darsteller. Vampire waren mal wieder in und wurden erfolgreich durch "Bram Stokers Dracula" (1992) und "Interview mit einem Vampir" (1994) vertreten. Außerdem waren Stephen King-Verfilmungen angesagt, im Kino wie im TV. "Twin Peaks" und "Akte X" lösten den großen Mystery-Boom aus.

Von europäischen Produktionen will man gar nicht erst reden. Lucio Fulci verabschiedete sich 1990 mit "Nightmare Concert" (1996 leider auch vom Leben) und Umberto Lenzi servierte einen letzten Italo-Zombiefilm "Black Zombies" (1992). Einzig Dario Argento blieb dem Olymp der Italo-Regisseure erhalten und schenkte uns 1993 den in Amerika gedrehten "Aura", 1996 "Stendhal Syndrome" und 1998 seine klassische Version von "Das Phantom der Oper". Natürlich gab es auch auf dem amerikanischen Sektor positive Ausnahmen, w.z.B. "Candyman" (1992) und "Lord Of Illusions" (1995, in Deutschland nicht im Kino) von Clive Barker, John Carpenter beglückte uns mit "Die Mächte des Wahnsinns" (1994), Don Coscarelli spendierte uns einen sehr annehmbaren "Phantasm 3" (1994, nicht im Kino), während Adam Marcus mit "Jason Goes To Hell" (1993, nicht im Kino) die endgültige Vernichtung von Jason Voorhees im 20. Jahrhundert vollzog. Erst gegen Ende 1996 wurde das Genre durch Wes Cravens "Scream" wieder etwas interessanter, auch für das Mainstreampublikum.

Doch trotz dieser mageren Zeit, gab es genug Direct-to-Video-Produktionen, die unsere Videotheken beflügelten.

"Castle Freak" ist genau so ein Relikt aus dieser Zeit und ein erstaunlich ansehnliches.

 

Stuart Gordon, Regisseur von "Re-Animator" und "From Beyond", hatte immer schon eine Neigung zum Grotesken und Abartigen. Dies kombinierte er besonders in den 80er Jahren mit schwarzem Humor. Dadurch kann man den Großteil seiner Filme auch nicht wirklich ernst nehmen und das macht "Re-Animator" und "From Beyond" auch so wunderbar unterhaltsam.

Bei Castle Freak verhält es sich etwas anders. Humor wird hier komplett gestrichen, aber von ernst nehmen kann hier auch nicht die Rede sein.

Schon von der ersten Minute an, merkt man, dass hier etwas nicht stimmt. Wir befinden uns nämlich nicht in Amerika, wie man bei Gordon meinen könnte, sondern in Italien. Das ist nichtmals das Verwunderliche, sondern die Inszenierung selbst. Hier sieht es ganz stark nach italienischer Handschrift aus. Eine Spur Amato ("Sado – Stoss das Tor zur Hölle auf") und ganz viel 80er jahre Fulci, besonders dann, wenn es ums Eingemachte geht. Genau hier hebt sich "Castle Freak" besonders ab. Nicht nur dass der besagte Freak ziemlich widerlich aussieht (tolles Makeup, incl. Geschlechtsteil, oder was noch davon übrig ist), er verhält sich auch nicht sonderlich freundlich. Wenn Brustwarzen abgebissen werden und man mit Eisenketten auf alte Damen einschlägt, reicht es mehr nach 70er und 80er Grindhouse, als nach 90er Videothekenprogramm.

Auch auf der Spannungsebe mangelt es nicht, auch wenn die sich mehr auf die erste Hälfte des Films beschränkt. Das alte Schloss und die wenigen Blicke auf das alte Bergdorf, sorgen für eine wohlige Atmosphäre, die zwar niemals übgreifend ist, aber sich deutlich von ähnlichen Produktionen aus dem gleichen Jahrzehnt abhebt.

Interessant ist sind die Probleme der Charaktere. Hier hat jeder sein Paket zu tragen. Der kleine Sohn ist gestorben, die Tochter ist blind, der Vater durch diese Umstände zum Alkoholiker geworden, was natürlich die Beziehung zu seiner Frau erheblich verschlechtert. Gerade diese Verluste und Probleme sind beliebte Themen der 80er Jahre. Das Alkoholproblem greift z.B. Kubrick in "Shining" (1980) auf, den Verlust des Sohnes erleben wir auf sehr unschöne Art in "Friedhof der Kuscheltiere" (1989) und Scheidungen selbst sind erst in den 80ern so richtig in Mode gekommen. Jeffrey"Re-Animator"Combs lässt diesen Balast als Vater nicht gut aussehen. Kennt man Combs eigentlich mehr als durchgeknallten Charakter, so fährt er hier alles herunter. Nicht ein Funken Humor oder Freundlichkeit wird hier geboten. Es mag nicht seine Glazleistung sein, doch neben dem Rest der Bande, die sehr blas wirkt, steuert er hier natürlich trotzdem das Boot. Nachem Combs auf ein unschönes Geheimnis seiner Vergangenheit stößt, mildert sich die Spannung etwas und wechselt sich mit der Action ab, die hier sicherlich nicht großgeschrieben wird. Die ansässige Polizei wird eigenschaltet und Combs wird als Mörder einer Prostituierten verdächtigt, doch der Zuschauer weiß es natürlich zu jedem Zeitpunkt besser. Die Dorfpolizisten stellen sich gewohnt unfreundlich dar. Hier scheint trotzdem mehr die amerikanische Art des Umgangs zu herschen. Ein typisches Verhör, inklusiv Schläge gegen den Verdächtigen. Die anschließende Flucht von Combs, zur Rettung seiner Familie, läutet dann langsam das Ende ein. Auf den Dächern des Schlosses kommt es dann zum Showdown, bei dem man nochmal das sehr gute Makeup vom Freak bewundern kann. Und wer sich nicht über das Ende freut, was hier nicht verraten wird, dem kann auch nicht mehr geholfen werden.

 

Zusammengefaßt kann man sagen, dass "Castle Freak" sicherlich kein Rad neu erfindet, hin und wieder mit kleinen Logikfehlern aufwartet, aber im Gesamten einen Lichtblick in einer trostlosen Horrorfilmepoche darstellt. Hier gibt es Spannung, Splatter und Atmosphäre. Einige Punkte mit denen die 90er Jahre Horrorfilme zu kämpfen hatten. Seine Unbeliebtheit ist für mich wirklich rätselhaft und erinnert mich ein bisschen an den völlig unterbewerteten "Halloween 3" (1982) von Tommy Lee Wallace.

 

Das Bild der Blu-ray ist sehr zufriedenstellen. Man darf hier keine HD-Hochglanzoptik erwarten, aber sicher sah der Film noch nie besser aus. Zum größtenteil spielt der Film sowieso im Schloss und das lässt nicht viel Licht zu. Außerdem erscheint alles sehr trist und bewußt farbarm. Der deutsche Ton liegt in einem guten Sterosound vor. Der englische Origianlton enthält neben der 2.0-Spur sogar eine 5.1-Spur. Der Gesamteindruck ist sehr authentisch.

 

Als Bonus gibt den original Trailer, ein 10minütiges Behind the Scenes-Special, bei dem man die Makeup-Arbeiten am Freak bewundern kann. Außerdem kommt auch JeffreyCombs zu Wort.

Sonst versammeln sich noch 4 weitere Trailer aus dem CMV Programm.

 

(Bjoern Candidus)


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