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Ayreon - TransitusAyreon - Transitus

(Music Theories)

 

Mal nicht ins All, sondern ins England der 1880er Jahre führt das neue Konzeptalbum von Ayreon. Naja, genau genommen erzählte ja auch der Vorgänger „The Theory of Everything“ schon keine Sci-Fi-Story mehr, war aber mit der Geschichte um ein mathematisches Wunderkind und die Suche nach der Weltformel thematisch noch etwas näher dran. Diesmal wendet sich Arjen Lucassen also mal einer ganz anderen Sache zu, nämlich einer unglücklichen Liebesgeschichte im viktorianischen England, in der allerlei Dramatisches und Übersinnliches passiert. Musikalisch klingt „Transitus“ denn auch weniger als früher nach Weltraum, sondern knüpft eher am ‚bodenständigeren’ Vorgänger an. Während der aber für Ayreon-Verhältnisse ziemlich geradlinig war, fällt Transitus deutlich heterogener aus und bindet noch mehr Musikstile ein: Zu dem typischen Prog, den Ayreon über die Jahre kultiviert haben, kommen Elemente von Dark Cabaret, Renaissance-Musik, Broadway, Folk und vieles mehr, und bisweilen klingt das Album wie ein Filmscore, was insbesondere auch durch ein wiederkehrendes Main Theme bewerkstelligt wird. Den Cast kennt man aus früheren Alben zum Teil schon sehr gut, aber es sind natürlich auch wieder neue Leute vertreten. Mit dabei sind unter anderem Dauergast Simone Simons (Epica), Cammy Gilbert (Oceans of Slumber), Tommy Karevik (Kamelot), Dee Snider (Twisted Sister), Dianne van Giersbergen (Ex Libris), Marcelo Bovio und Joe Satriani. Musikalisch ist dieses Album mit seinen ausgetüftelten Arrangements, variierenden Stimmungen, seiner Melodiösität und den starken Gesangsleistungen über jeden Zweifel erhaben und durchweg mitreißend. Neu ist, dass die Geschichte diesmal nicht ausschließlich über die Songs vermittelt wird, sondern durch einen Erzähler, der vor und nach jedem Song zu hören ist. Den Einwand, dass auf „Transitus“ zuviel gequatscht wird, würde ich aber überhaupt nicht gelten lassen, denn erstens sind die Erzähl-Passagen kurz, zweitens verleihen sie der Geschichte die richtige Stimmung und Atmosphäre (Tom Baker aus Doctor Who macht hier wirklich einen hervorragenden Job), und drittens nimmt diese Kontextierung den Songs auch etwas Erzähldruck, weshalb viele Songs hier sehr gut für sich stehen können. Im Gegensatz zu manch wirklich erzähllastiger Platte - Manowars „Gods of War“ lässt grüßen - kann man sich deshalb die mühevolle Anfertigung einer Songkompilation sparen und das Ding einfach immer wieder genussvoll durchhören. Klar muss man bei Ayreon hier und da mit flachen Dialogen rechnen, und die Vorliebe für den theatralischen Vortrag steckt zu tief in Lucassens DNA, als dass man an der Stelle mehr Zurückhaltung erwarten dürfte. Trotzdem schafft es auch diese fulminante Rockoper einmal mehr, den Hörer in ihren Bann zu ziehen, und zündet dabei ein veritables musikalisches Feuerwerk ab. Aus meiner Sicht richtig großes Kino.

 

(Torsten)

 

https://www.arjenlucassen.com/content/

 

 


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