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Cryptopsy, Decrepit Birth, Unmerciful (Frankfurt 2008)

Cryptopsy, Decrepit Birth, Unmerciful

11.6.08 - Frankfurt, Nachtleben

 

Es ist den Frankfurter Knüppelfans nicht ganz zu verübeln, daß sie an diesem heißen Dienstagabend lieber im Biergarten oder Freibad herumlümmelten, als sich in den stickigen Keller des Nachtlebens zu begeben. Auch leicht bekleidet ist da außerordentliches Schwitzprogramm angesagt. Letztendlich fanden sich aber doch ca. 70-80 Fans ein, um sich Cryptopsy und Anhang zu geben, und das war eine durchaus richtige Entscheidung.

 

 

images/live-pic/2012_11/Unmerciful.jpgUnmerciful

 

Los ging’s pünktlich um 21.00 Uhr mit Unmerciful. Beide Vorgruppen waren mir bislang unbekannt, aber der amerikanische Fünfer brauchte nicht lange, um eine beachtliche Visitenkarte abzugeben. Brutaler Death Metal in typischer US-Machart hieß die Devise, meist strikt durchgeblastet, ergänzt durch einige Groovepassagen mit gnadenlosen Doublebass-Attacken. Im Grunde natürlich nichts neues, aber das augenscheinlich bis auf den Sänger noch recht junge Quintett schreibt schon ganz ordentliche Songs, noch dazu bemühte man sich, eine energische Bühnenshow zu bieten. Wer allerdings die Größe der Nachtleben-Bühne kennt und dann noch weiß, daß ein guter Teil davon vom noch verhüllten Cryptopsy-Schlagzeug eingenommen wurde, kann sich vorstellen, daß das nicht ganz einfach war. Trotzdem ein ansprechender Gig.

 

 

Decrepit Birthimages/live-pic/2012_11/Decrepit Birth.jpg

 

Decrepit Birth, ebenfalls aus einem der südlich von Kanada gelegenen Staaten, gingen danach deutlich grooveorienterter und technischer zu Werke. Stellenweise war es beinahe schon progressiv, doch von zuviel Gefrickel ist die Band ein ganzes Stück entfernt. Auch hier muß man ein zufriedenstellendes kompositorisches wie spieltechnisches Niveau attestieren, ebenso wie eine aggressive, powervolle Performance. Death Metal aus Übersee wie er sein muß. Das Publikum war von beiden Vorbands sehr angetan, bangte und pogte schon mal heftig los und forderte auch Zugaben, so daß sowohl Unmerciful als auch Decrepit Birth den Abend sicherlich als Erfolge verbuchen dürfen.

 

 

images/live-pic/2012_11/Cryptopsy.jpgCryptopsy

 

Gegen den Auftritt unserer Helden aus Kanada war das bisher Gesehene jedoch gar nichts. Cryptopsys Qualitäten sind hinreichend bekannt, doch was heute auf die Bretter gelegt wurde, war absolut beeindruckend. Eine solch bärenstarke Death Metal-Show habe ich lange nicht mehr gesehen. Das technische Niveau der Band ist mittlerweile geradezu beängstigend geworden, alleine der Drummer ließ die meisten Anwesenden mit offenem Mund dastehen. Der Rest des Publikums verausgabte sich gnadenlos, denn bei aller Frickelei ist Cryptopsys Musik auch weiterhin brachial ohne Ende. Noch dazu gingen die Musiker ab wie wahnsinnig, gebärdeten sich so ungezügelt, wie es die knappen Platzverhältnisse zuließen und schafften es scheinbar mühelos, nebenher noch alles richtig zu spielen, was bei ihrer Musik für sich genommen schon schwierig genug ist. Die Songauswahl war gut und ausgewogen, auch wenn das bei der Spielzeit eine Aufgabe für sich darstellte, denn gerade mal eine Dreiviertelstunde Cryptopsy plus eine Zugabe ist alles andere als üppig, wenn der Fan an der Abendkasse 17,- € hinlegen muß. Andererseits waren bei der Hitze Band wie Fans auch nach dieser kurzen Zeitspanne ziemlich erledigt. Begeistert war außerdem jeder, mit dem ich ein paar Worte wechselte, und der Andrang beim Merchandise sprach ebenfalls für sich. Im technischen, progressiven Death Metal haben Cryptopsy jedenfalls die Lücke, die Atheist und Pestilence hinterlassen haben, mehr als nur ausgefüllt, sie sind selbst zu einer Referenzband geworden und suchen in ihrer Sparte ihresgleichen. 

 

Bericht & Fotos. Till


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