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BLIZZ FEST Gießen, 24.10.2015 / Merciless Metal Massacre VI

BLIZZ FEST Gießen, 24.10.2015 / Merciless Metal Massacre VI

Blizzen, Space Chaser, Pripjat, Morbid Mosh Attack

 

Nach dem es in den klassischen Metal-Spielarten in den 2000er Jahren in deutschen Landen langsam wieder bergauf ging, brodelt es seit einigen Jahren doch ganz ordentlich im Untergrund. Im Spielfeld zwischen klassischem Metal bis zum Thrash, gibt es etliche motivierte Newcomer, die bereit sind, an jeder Steckdose zu spielen. Eine coole Aktion waren die von vier Bands veranstalteten lokalen Gigs, bei denen jeweils mindestens zwei der beteiligten Bands auch am Start war. In Berlin gab es das Space-Fest von SPACE CHASER, in Köln das Reactor-Fest von PRIPJAT und das Dust-Fest von DUST BOLT. Letzteres fand allerdings nicht bei Landsberg in Bayern, sondern in Rodewisch/Vogtland statt.

An diesem Samstag also das Blizz-Fest in Gießen. Am Start waren PRIPJAT, SPACE CHASER  sowie die Gastgeber BLIZZEN. Als Opener gab es noch die Jungs von MORBID MOSH ATTACK (Köln).

 

Letztere passten mit ihrem Crust/Hardcore nicht optimal in das rein metallische Line-Up. Da das AK44 ein autonomes Kulturzentrum ist, in dem normalerweise eher Punk und Hardcore an der Tagesordnung sind, geht das aber in Ordnung. Eigentlich sollte es ja um 20 Uhr losgehen, aber es wurde dann doch nach 21 Uhr, bis MORBID MOSH ATTACK die Bühne betraten und sich ordentlich und recht tight durch ihre halbe Stunde ballerten. Das war eher was für die (quasi nicht anwesende) Stumpf-ist-Trumpf-Fraktion, aber auf jeden Fall souverän. Großen Anteil daran hatte Drummer Flo, der die Jungs ordentlich nach vorne prügelte, die Gitarren hätten aber schon etwas anspruchsvoller sein können. Cool auch der Fronter Simmel, der trotz fest fixiertem Arm (Schlüsselbeinbruch?) vor der Bühne ordentlich Alarm veranstaltete. 2015_10/Pripjat 2.JPG

 

 

Es folgten PRIPJAT, die mit ihrem Debüt „Sons Of Tschernobyl“ nicht nur mich, sondern auch ein paar andere Leute beeindruckt hatten. Über einen Mangel an Gigs können sich die Jungs zurzeit wohl nicht beschweren, auch wenn der Gig am Vortag einer Vollsperrung auf der Autobahn zum Opfer fiel. Mit „Nuclear Chainsaw“ als Opener wurde auf der Bühne ein Schalter umgelegt. Die vorher entspannten Jungs wirkten auf der Bühne leicht wahnsinnig und gaben durchgehend Vollgas. Zu den Songs des Debüts gesellten sich drei neue Songs, die in die gleiche Kerbe schlagen. Slayer hört man immer wieder im Sound, was auch dem rohen Marshall JCM 800-Sound geschuldet ist. Größter Pluspunkt im Pripjat-Kollektiv, ist Drummer Bobo. Was der blonde Rasta an den Drums veranstaltet ist schon absoluter Wahnsinn. Die Doublebass steht einem Lombardo in nichts nach und die Breaks sind einfach tierisch. In „Destruction Manifesto“ packt der Kerl noch kurze Blast-Attacken jenseits der 200bpm aus, das einem hören und sehen vergeht. Kritikpunkt war bei den Umstehenden allerdings die Vocals von Gitarrist Kirill, die live ein ganzes Stück schriller als auf CD rüberkamen und nicht jedermanns Sache waren. Zum eingangs erwähnten, leicht wahnsinnigen Gesamtbild, passt das in meinen Ohren aber ganz gut. Sehr geile Vorstellung!

 

 

 

Space_Chaser 4.JPGDer Abend folgt quasi einer umgekehrten Dynamik. Soll heißen, die härteste Band gab es gleich zu Anfang und es wird mit jeder Band etwas langsamer und melodischer. Der nächste Schritt nennt sich SPACE CHASER und kommt aus Berlin. Die fünf Berliner sehen aus, wie direkt aus den 80er ins jetzt gebeamt. Die Stretchjeans und High Tops geben auf der Bühne ein geschlossenes Bandbild ab und die Jungs klingen auch genauso. Eher im klassischen Speed Metal als im Thrash, melodisches und schnelles Riffing mit vielen Leads und hoher, klarer Gesang. Ebenso die Gitarren Midi-Racks der Jungs waren Ende der 80er in Mode und sind wohl von den Eltern vererbt worden. Auf der Bühne war mit fünf Leuten leider kaum Platz für große Eskapaden, so dass mehr als Headbangen nicht drinnen war. Die Jungs erinnern zum Teil etwas an Agent Steel, wenn auch mit eher teutonischer Schlagseite und nicht ganz so ernsthaft. Im Sound gingen die Gitarren anfangs leider etwas unter und hätten auch etwas mehr Dampf vertragen können. Das besserte sich in der zweiten Hälfte des Gigs, so dass die zweistimmigen Leads beim Instrumental „Space Chaser“ nicht untergingen. Souverän dargeboten auch das Maiden Cover von „Aces High“, bei dem Sänger Siegfried  eine echt starke Figur abgab.

 

 

Es war schon weit nach 12 Uhr, als BLIZZEN auf die Bretter konnten. Bei Underground Gigs normalerweise eine undankbare Aufgabe, da sich um diese Zeit einige mit der letzten Bus/Bahn Verbindung auf den Heimweg machen, allerdings nicht heute Abend. Wurde bei den bisherigen Bands vor der Bühne größtenteils noch ein Sicherheitsabstand bewahrt,  konnten BLIZZEN die „Local Heroes“ Karte ziehen und die Leute standen gleich vonBlizzen 8.JPG Beginn an direkt vor der Bühne. Mit ihrem speedigen Metal hatten Blizzen auch den besten Sound des Abends.  Als Opener starteten die Weilburger gleich mit einem neuen, noch nicht betitelten Song, bevor „Pile On The Pressure“ von der EP rausgehauen wurde. Mit „Devil In Disguise“ und „Hounded For Good“ gab es gleich noch zwei neue Songs hintendrauf. Nach dem ersten Eindruck können die Songs locker das Niveau der EP halten und bleiben dem bisherigem Stil treu. Sänger Daniel merkt man die Routine der vergangenen Gigs an. Zu einen wird er als Frontmann immer souveräner und seine Stimme hat auch noch etwas an Kraft gewonnen. Blickfang ganz klar Gitarrist Andi, der immer mit Herz bei der Sache, und um keine Pose verlegen ist. Beim folgenden „Strike The Hammer“ ging der Zeiger schon stramm auf die 1 Uhr zu, draußen wurde es neblig und ich hatte noch 100km Heimweg vor mir. Hier schon den Gig zu verlassen, war eine ganz gute Entscheidung, denn bei der Suppe auf der Autobahn war es nicht ganz angenehm zu fahren. Auf der restlichen Setlist standen aber noch zwei weitere Non-EP Songs („Masters Of Lightning“ und „Beast Is On Your Back“), sowie die restlichen Songs der EP. Ich bin extrem gespannt, was BLIZZEN als nächstes raushauen. Der Ausflug nach Gießen hat sich definitiv gelohnt.

 

(Schnuller)


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