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Matapaloz Festival 2017 (Hockenheimring)

Matapaloz Festival 2017 (Hockenheimring)

 

Nachdem die Onkelz also in den Vorjahren den Hockenheimring mit Einzelkonzerten (die sich dann doch irgendwie zu einem Festival aufbauschten) ausverkauften, wollte die Band in diesem Jahr also mit einem von vorneherein als Festival angelegtes Event einen drauf setzen. Ausverkauft sollte es diesmal nicht werden, purzelten doch zuletzt die Ticketpreise bei online Plattformen gewaltig nach unten, dennoch war der Ring natürlich sehr gut besucht. Es gab ja auch hochwertige Support Bands zu bestaunen, die Frage aber, ob dieses Event sich als jährlich wiederkehrendes Ereignis etabliert, noch dazu dann irgendwann ohne die Band Böhse Onkelz selber (so wie es Stephan Weidner in einem Interview durchblicken ließ), ist eine ganz andere und es darf gezweifelt werden. Denn auch wenn im Infield die Organisation Tipptopp war, genügen Essens und Getränkestände, ausreichend Dixies, Wasserstellen usw., die Wege am Ring sind einfach enorm lang und auf einem Festival will der Besucher ja eigentlich neben der Hauptattraktion, den Bands, auch mal mit seinen Freunden zusammen die Campingatmosphäre genießen, was bei solchen Wegen aber nur als entweder oder Option im Raum steht.
Es war ein sehr gelungenes Event, keine Frage, aber ob es sich in der eh schon überfüllten Festivallandschaft etabliert, wird sich zeigen. An diesem Ort würde ich prognostizieren, nein.

 

Freitag 17.06.2017

 

Die Suche nach der Bändchenausgabe für Presse Leute, das anstehen an selbiger und die Wegführung einmal um den kompletten Ring herum führte dazu, dass Hatebreed ihren Gig ohne die Anwesenheit eines Totentanz Redakteurs darboten. Aber im Gegensatz zum AC/DC Konzert vor einigen Jahren führte die Umrundung des Rings dazu, dass sich die Menschenmassen auf dem Infield wunderbar verteilen konnten. Also trotz eigentlich als Unannehmlichkeit empfunden die weitaus bessere Lösung.
Bei Suicidal Tendencis füllten sich langsam die vorderen Reihen, aber auch im mittleren Raum kam schon ordentlich Stimmung auf. Sänger Mike Muir flitzte aufgestachelt, wie man es nicht anders gewohnt ist, von links nach rechts und wieder zurück über die Bühne und hatte einen enormen Spaß daran, zig mal einen „Psycho-Pit“ zu fordern und sich wie ein Irrer an die Birne zu kloppen. Keine Frage, auch wenn schon ein Anteil an Metallern im Publikum auszumachen war, die modernere bzw mehr auf Crossover bedachte Richtung des Freitags traf mehr den Nerv als die metallische vom Samstag, aber dazu später mehr.
Bei bestem Wetter (leicht bewölkt, bissl über 20 Grad, leichter Wind), kamen die Radiorocker Papa Roach auf die Bühne und ob man die Songs jetzt mag oder nicht, die gestylten Buben bewegten sich mit ordentlicher Energie auf der Bühne und natürlich kennt einfach jeder „Cut my life into Pieces, this is my last Resort“ und singt dementsprechend mit.
Abseits der Hauptbühne gab es auf einem extra Bereich eine Tattoo Convention. Krass aufgemotzte Autos, Motorräder, viel Sitzgelegenheiten und eine Kleinkunstbühne rundeten das Ganze ab und es gab außergewöhnliches Essen, was zwar noch teurer als das normale Festivalfutter war, dafür eben auch exquisit. War schon geil hergerichtet, die Erwartungen waren doch ein klein bisschen höher, wurde doch im Vorfeld von einer noch nie dagewesenen Kulisse die einen in eine andere Welt entführen sollte, geredet. Wie gesagt, das sah geil aus, das wirkte stimmig, nur haben die Worte eben noch größer geklungen. Dennoch, gute Sache und die Tattoo-Künstler waren allesamt auch gut gebucht.

Five Finger Death Punch machten ja in den Tagen vor dem Festival Schlagzeilen wegen der Trennung ihres Sänger. Jetzt also war ein relativ unbekannter namens Tommy Vext am Start und man kann nur staunen. Vielleicht sehen das eingefleischte Fans anders, aber auf mich wirkte die Band, als habe sie nie eine andere Konstellation gehabt. Da war Energie, das war gesanglich gut, es waren Interaktionen untereinander auf der Bühne sichtbar, perfekt eingespielt und das nach wie viel Vorlaufzeit? 3 Tagen? Hammer. Auch der Sound war extrem krass, wobei, jede einzelne Band hatte einen richtig geilen, lauten Sound und in den vorderen Reihen wurden die Knie durch den Bass richtig durchgerüttelt. In diese kamen die Zuschauer später übrigens nur noch, wenn sie frühzeitig schon einmal da waren und ein extra Bändchen bekamen. Irgendwie musste die Security ja dafür sorgen, dass sich dort niemand tot trampelte. Insgesamt gab es durch Wellenbrecher unterteilt 4 Bereiche.
Five Finger waren wohl neben den BO die Band mit der meisten Shirt Präsenz.

 

Doch warum waren die Zuschauer noch mal angereist? Richtig, mit kurzer Verzögerung ging’s dann richtig los. Die vier Frankfurter enterten die Bühne, Kevin mit Sonnenbrille, Weidner mit normalem Bart dafür wieder lange Mähne, Gonzo mit Hut und Pe wie Pe eben. Nach dem Intro folgte „Hier sind die Onkelz“ und eine Gänsehaut folgte der nächsten. Tausende Kehlen, alle singen lauthals jede Textzeile mit, einen besseren Dolby Surround Sound gibt es wohl nirgendwo. Das war der Hammer und dazu die Setlist. Neue Songs wie „Irgendwas für nichts“ oder der Megaknaller „Auf die Freundschaft“ reihten sich ein in Klassiker wie „Kneipenterroristen“, „Keine Amnestie für MTV“ oder „Danke für nichts“ und wurden gekrönt mit selten gespielten Sachen wie „Tanz der Teufel“, „Religion“ (gepaart mit einer deutlichen Ansage an ALLE! Religionen), oder „Es ist soweit“. Dazu uralt Material wie „Die Stunde des Siegers“ und „Das Signum des Verrats“ und die Band wirkte extrem hungrig und super tight eingespielt. Lichtshow, Bühnenbilder, Feuersäulen, eine untergehende Sonne hinter der Bühne, die Stimmung, die Setlist, die Spielfreude, ein perfektes Gesamtbild und für mich ganz ganz oben bei allen bisher erlebten Onkelz Konzerte – und das waren einige! Pe wurde noch offiziell zu seinem Geburtstag am Vortag gratuliert und Kevin bemerkte kurz „82 geworden, hargh hargh“. Er wie auch Stephan sahen auf der Leinwand aus, als hätten beide einen Sonnenbrand auf ihrem Gesicht, keine Ahnung ob das nur so wirkte. Gonzo hatte viel Spaß, die Menge anzupeitschen und es war einfach alles perfekt bei dieser Show.
Ein ganz ganz großer Abend bei dem wohl wirklich niemand enttäuscht sein dürfte, nachdem mit den unverzichtbaren „Mexiko“ und „Erinnerungen“ die letzten Lieder erklungen waren.
Achja, schön auch, dass „Könige für einen Tag“ in seiner Original Version gespielt wurde und nicht wie zuletzt vor der Auflösung mit abgeändertem Refrain.

 

Samstag 17.06.2017

 

Nachdem am Vortag die erste Band unabsichtlich ausgelassen wurde, war am zweiten Tag eine verspätete Anreise Schuld, sodass hier über Toxpack nichts berichtet werden kann. Die nachfolgenden Cockney Rejects aber zockten geile Punk Songs, die Laune machten und schnell ins Ohr gingen. Die schon Ende der 70iger gegründete Band gilt als Erfinder des Oi!-Punks und so konnten die Zuschauer also eine geschichtsträchtige Band erleben, die immer noch eine krasse Energie für ihr Alter versprühte.
Das Festival an sich bzw. die Ordner usw. wirkten am Samstag schon viel eingespielter, sodass das Matapaloz ein sehr gut organisiertes Festival war, wenn man bedenkt, dass es in dieser Konstellation das erste Mal stattgefunden hat. Da gab es schon ganz andere Kaliber auf dem Festivalsektor. Preislich bei 5€ für ein 0,5l Bier gab es eine angenehme Überraschung. Auch wenn das natürlich hohe Preise sind, so zahlte man dies aber auch schon vor vielen Jahren auf dem Ring und während überall eigentlich jährlich die Preise angezogen werden, blieb hier wenigstens diese Konstante drin, sodass man schon von einem normalen Literpreis sprechen kann.
Nachdem also die Erfinder des Oi! Gezockt hatten, wurden nun die Erfinder des Moshens angekündigt. Anthrax übertrieben es ein wenig mit ihren Intros. „The Number Of The Beast“ in voller Länge, ein Song aus dem Blues Brothers Film und noch ein Intro von der eigenen Machart her. Amis halt. Dennoch überzeugte die Band mit einer Klassiker Setlist, bei der aber auch die neueren Nummern  wie u.a. „Fight em till you cant“ voll punkten konnten. Der vordere Moshpit aber glich nach und nach immer mehr einem Wrestling Ring. Da wurde nicht mehr normal geschubst, da wurden die Oberkörperfreien Jungs einer nach dem anderen absichtlich auf den Boden geschleudert. Mag ja sein, wie sich beim Gespräch rausstellte, dass dies ein eingespieltes Team war, der Rest des Publikums in dem vorderen Bereich hatte entweder keinen Spaß an der Art von Ringen oder musste einfach nur aufpassen, keine Körperteile abzukriegen. Moshpit ja, sowas gehört nicht in die Reihen von normalen Zuschauern.
Danach gab es für viele bestimmt einen kleinen Kulturschock. Slayer starteten direkt mit „Repentless“, Gary Holt versprühte eine enorme Energie während Kerry King mit seinen Ketten und seiner Statur auch ohne viel Bewegung Präsenz hat. Ähnliches gilt natürlich für Tom Araya, der wohl die kultigste Ansage brachte: „Hope you enjoy it. Maybe it is too much for you, but thats just what we do. Thanx for comin. War Ensemble“, wobei die letzten Worte natürlich in typischer Araya Form geschrien waren. Zwischendurch musste er aber selbst noch über seine eigenen Worte lachen. Köstlich, wie man Aggression mit Humor und Höflichkeit in einer Minute unterbringen kann.
Und dann war es natürlich wieder Zeit für den Hauptact. Nach dem gleichen Intro folgte dieses Mal „10 Jahre“ als Eröffnungssong. Es wurden zwar ein paar Änderungen vorgenommen („Gehasst, Verdammt, Vergöttert“ wich „Danke für nichts“, gegen „Bomberpilot“ und „Kirche“ kam als nicht würdiger Ersatz „Koma“ mit rein usw.), generell aber war die Setlist schon fast identisch. Das war nicht unbedingt zu erwarten und eine kleine Enttäuschung machte sich unter den Leuten breit, die schon am Vorabend da waren. Generell war die Stimmung eher verhaltener. Dazu muss aber unbedingt gesagt werden: Hätte es keinen Vergleich zum Vortag gegeben, würden wir hier über ein gutes Konzert reden und jeder wäre zufrieden mit der Leistung der Band gewesen. Das war bestimmt nicht schlecht, was da am Samstag geboten wurde.
Allerdings gab es eben den Freitag und der war so Over The Top, dass der Samstag dagegen leider abknickte. Auch die Ansagen z.B. zu „Tanz der Teufel“ von wegen Horrorfilme früher geschaut, heute würde er sich das nicht mehr trauen oder „es geht noch prolliger, hier kommt „Heute trinken wir richtig““, wirkten am Freitag noch eher spontan oder energetisch, am Samstag aber leider doch wie einstudiert.
Der Zugabeblock war dann exakt derselbe und somit dürften wahrscheinlich alle die zufrieden gewesen sein, die den Freitag nicht miterlebt hatten. Für die Wochenendbesucher aber wird der erste Tag wohl der Beste gewesen sein. Auf der anderen Seite muss man eben auch sagen: Wie hätten die das toppen sollen? Irgendwann geht’s auch nicht mehr besser.

So kann man auf jeden Fall von einem gelungenen Festival sprechen, sauber organisiert, klasse Bands am Start, super Show der Böhsen Onkelz bei bestem Festivalwetter und einem Erlebnis, dass man so schnell nicht vergisst mit einer unvergleichlichen Atmosphäre. Ob eine Fortsetzung folgt? Wir werden sehen. Adios!

 

(Röbin)

 

http://www.matapaloz.com/


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