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Casshern (Special Edition)Casshern (Special Edition)

(I-On New Media)

 

Nicht abschrecken lassen, wenn von einer Manga-Vorlage und überbordenden CGI-Effektorgien die Rede ist, denn im Gegensatz zum westlichen Superhelden-Film, der nicht selten trotz aufregender Action die Erwartungen der Comic-Fans verfehlt, ist aus "Casshern" ein inhaltlich wie optisch großartiger Film geworden. Letzteres sogar noch deutlicher, denn was uns hier an Eyecandy geboten wird, ist in meinen Augen in dieser Form seit Jahren nicht erreicht worden und lässt schlichtweg deswegen schon kein Vorbeikommen an dieser japanische Großproduktion zu. Ähnlich wie das auf leiseren Sohlen schreitende Virtual-Reality-Opus "Avalon" macht "Casshern" zunächst keine Zugeständnisse an die üblichen Sehgewohnheiten, schlägt sich im Techno-Retro-Stil sogar etwas behebig bis zum ersten großen Knall durch, aber nur um die inhaltliche Komponente wachsen zu lassen, die zukünftige Menschheit als Opfer der von ihr entfesselten Macht- und Hasspolitik darzustellen, einfach indem man sich eine gutsituierte Familie herausgreift und ihr stellvertretend das schicksalträchtige Zepter in die Hände drückt, welches für den Untergang der gesamten Menschheit verantwortlich sein kann.

Um die schweren Umweltschäden und daraus resultierenden Epidemien im von Kriegen geschundenen Volk unter Kontrolle zu bekommen, forscht man an einer neuartigen, regenerativen Zellform, die Organnachzüchtung ebenso wie den Aufbau einer neuen, stärkeren Rasse ermöglichen soll. Natürlich schlägt das Experiment fehl, die mit Superkräften ausgestattete Superspezies wird gnadenlos im Getümmel der Havarie gemetzelt und nur wenige können sich in ein symbolträchtiges Schloss weiter über den Köpfen der Zivilisation retten, um dort festzustellen, dass das selbst verursachte Leid der Menschheit nur durch eines beseitigt werden kann: die Vernichtung derselben. Nur konnte auch diese einen toten Kämpfer (den Sohn des Wundermittelerfinders) reanimieren und ihn nun als Waffe gegen die aufmüpfige Schöpfung verwenden. Die atemberaubende Schlachten, die den schmalen Grat zwischen Stilisierung und "natürlichen" Abläufen begehen, darf man gern als Highlight bezeichnen, sie lassen die Momente dazwischen aber sicherlich nicht untergehen. Möglichkeiten der Interpretation stehen hier viele offen, beginnend bei der offensichtlichen Thematisierung des Krieges bis hin zu religiösen Ansätzen, aber man muss sich nicht wirklich damit befassen, um vom bombastischen "Casshern" ergriffen zu werden. Großen Anteil besitzen daran die Darsteller, die sich nicht in einer künstlichen Umgebung befinden, sondern in den aufwendig gestalteten Computer-Sets leben und damit der eigentlichen Geschichte nicht im Wege stehen. Ich bin begeistert!

Das deutsche Doppel-Digi im aufwendigen Pappschuber mit Prägedruck setzt den hervorragenden Eindruck des klaren, anamorphen Bildes und des wuchtigen Tons (DTS 5.1 und sogar DD 6.1 EX im Deutschen inkl. jap. Originalton und Untertiteln) fort, auch wenn es der noch edleren und besser ausgestatteten Japan-DVDs nicht ganz das Wasser reichen kann. Macht nichts, hier hat man trotzdem das Gefühl, etwas Besonderes in den Händen zu halten, zumal die zweite Disc umfangreiches Material in Form von Interviews, Deleted Scenes (mit opt. Audiokommentar) und Artwork-Galerien enthält. Das verdient die Bezeichnung "Special Edition" zurecht.

 

(Paule)


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