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Living HellLiving Hell

(3L)

 

Für alle "The Blob"-Fans gibt es neues Nervenfutter: Zwar nur als B-Movie, aber die hab ich ja mittlerweile sehr zu schätzen gelernt, nachdem ich mich erst mal durch den Schrott gewühlt habe, den das Genre in den letzten 10 Jahren in diesem Bereich so alles ausgespuckt hat. Eigentlich ist "Living Hell" noch mehr als "solide", denn wenn man unvoreingenommen rangeht - dem wenig aussagekräftigen Artwork des DVD-Covers sei's gedankt! -, dann kommt man vielleicht sogar zu einer ähnlichen Einschätzung wie ich: "Living Hell" kann durchweg Spaß machen, auch wenn er sich liest wie eine x-beliebige Action-Horror-Geschichte von der Stange.

 

Wieder mal hat das Militär in den 50ern ein biologisches Experiment vermurkst, das beim Abriss des Stützpunktes ein halbes Jahrhundert später für reichlich Aufregung sorgt: Ein Team von Spezialisten hämmert sich in einen verborgenen Raum unter dem Komplex vor und stößt dort auf eine Leiche in einem Formaldehydtank, der ganz sicher nicht dafür gemacht war, jemals wieder geöffnet zu werden. Leider schießt aus dem übel verseuchten Kadaver, der mitsam einiger Versuchsäffchen nass begraben wurde, eine Lebensform heraus, die sich urplötzlich im gesamten Komplex verteilt und das Militär und den Zivilisten, von dem die Information über diese Kreatur erst kam, zum schnellen Rückzug zwingt. Ähnlich dem Vorbild des Carpenter'schen 80er Jahre-Klassikers (bzw. dessen filmischen Vorbild von 1958) wuchert die Lebensform nun innerhalb kürzester Zeit von ein paar Kubikmeter Größe auf ein mehrere Quadratkilometer umfassendes Areal auf. Ein Waffe dagegen gibt es nicht wirklich ... oder vielleicht doch?

 

"Living Hell" lässt den Zuschauer kaum Zeit zum Nachdenken, denn das Spiel gegen die Zeit, bedingt durch die immer größere Ausbreitung des pflanzenähnlichen Wirkstoffes, zieht sich sehr actionreich und fast pausenlos durch den Film. Mir gefällt vor allem, dass der minimalistische Ansatz nicht ebenso minimalistisch inszeniert wird, sondern dass auch eine interessante Story drumherum gezimmert wurde. Die Herkunft des Lehrers, dessen Eltern irgendwie den Mist mit diesem Unkraut verbockt haben, lenkt nämlich hauptsächlich das Interesse auf sich. Was ist damals eigentlich passiert, frag man sich. Welches Ziel verfolgt das Monstrum? Und welche Geheimnisse wird das Militär noch ans Tageslicht bringen?

Glücklicherweise bekommt die Army in diesem Film jene Präsenz verschrieben, die sie verdient: eine vergleichsweise geringe. Während sich andere Billigfilme in aufgesetzten, militärischem Jargon und testosterongetriebenen Machtspielchen verstrickt hätten, die mich regelmäßig wieder zum Gähnen animieren, konzentriert sich "Living Hell" auf die spannungsgeladene Suche nach der Wahrheit, die hauptsächlich von einem Duo vorangetrieben wird. Zwar zeigt sich der Film auch nicht grad von seiner besten Seite, wenn es um Dialoge geht, aber abgedroschene Motive wie der kommandierende Offizier namens Arschloch, der die Sache durch engstirniges Denken, nur noch schlimmer macht, sind hier stark abgeschwächt und nerven deswegen nicht.

 

Stattdessen wurde die Geschichte zwei Protagonisten auf die Schulter gelegt, die man sogar als sehr sympathisch bezeichnen kann, weil sie von der Perfektion des reißbrettgeschneiderten Action-Helden sehr weit entfernt sind. Johnathon Schaech, der seit "Poison Ivy 2" immer mal Genre-Luft schnuppert, war früher zwar Model, lässt sich in seiner Filmfigur aber von den Ereignissen so schön tollpatschig überrumpeln, dass man mit ihm mitfiebern kann. Erica Leerhsen ist im Tarnanzug zwar nicht so sexy wie in ihren knapperen Outfits in "Wrong Turn 2" oder dem 2003er "The Texas Chainsaw Massacre", zeigt sich aber später im Film von ihrer Schokoladenseite: nackt. Dass man gerade diese Szene, in der sie sich von Kopf bis Fuß mit Blut "einreiben" lässt, als romantischen Höhepunkt des Filmes wählt, rechne ich dem Regisseur als interessante Variation eines Standardthemas hoch an. Man sieht, "Living Hell" will es also doch ein wenig anders machen als seine Kollegen, auch wenn es im Genre kaum noch unverbrauchte Momente gibt.

 

Horror-Momente bietet der Film vor allem zu Beginn, wenn der Behälter gelüftet wird und die unerwartete Bedrohung um sich schlägt. Dunkle Räume sind eben immer ein Garant für Gänsehaut, auch wenn sie für diesen Film nicht sonderlich effektiv genutzt werden. Im späteren Verlauf sinkt die Spannung etwas, denn die Gefahr wird schleichend und es gelingt den Protagonisten, dieser auszuweichen. Ein paar Nebencharaktere müssen natürlich dran glauben, aber als wirklich Angst einflösend wird man den Virus vermutlich nicht empfinden. "Living Hell" verhält sich dann eher wie eine gute Folge "Akte X", also spannend, aber doch etwas zu routiniert, um mitzureißen.

Ein wenig ist das auch der Effektarbeit geschuldet. Der Beginn im Keller greift auf handgemachte Tricks zurück, während später zunehmend CGIs an deren Stelle treten. Nötig war das sicherlich, um die Kosten moderat zu halten, denn eine von seltsamen Auswüchen durchzogene Wüstenlandschaft lässt sich nicht schnell mal in der Maske fertigen. Auch das Zerstören von Gebäuden oder die Kriegsmittel wie Panzer, Hubschrauber und Bomber, die unnützerweise zum Einsatz kommen, um die Gefahr zu eliminieren, entstand komplett am Computer. Vor 10 Jahren hätte man das sicherlich als "state of the art" bezeichnet, mittlerweile sind die Ansprüche des Zuschauers aber gewachsen und verlangen nach realistischeren Aufnahmen, die nicht so glatt bzw. künstlich aussehen. Ein weiterer Nachteil der Rechentechniktricks ist die Blutarmut: "The Blob" beispielsweise wird nicht zuletzt als kultiger Spaß angesehen, weil er einige fies-gorige Spannungsspitzen zu bieten hatte, die "Living Hell" fehlen. Zwar tröpfelt auch hier etwas Blut, gorige Momente sind aber abstinent. Vermutlich waren sich die Produzenten bewusst, dass derartiges mit Computergrafik eh immer schlecht aussieht und ließen es gleich aus.

 

Sympathisch gemachter Action-Film mit einigen Horror-Anleihen, der zwar nicht mit Effekten, aber mit Kurzweil überzeugt. Auch wenn ihm längst kein Platz im B-Olymp zuteil werden lässt, wird man sich nachher noch an die eine oder andere Szene erinnern. Die deutsche DVD bietet ein sauberes, anamorphes Bild im Format 2,35:1, eine mittelmäßige dt. Synchro und den Originalton (jeweils DD5.1) und als Extras eine Bildergalerie inklusive einer umfassenden Trailershow.

 

(Paule)


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