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Morbid Angel – Kingdoms disdained

(Silver lining music)

 

Obwohl ich die Alben A bis D vergöttere, habe ich sie nie verstanden – die Euphorie um das David Vincent-Comeback. Sicher, die Lieder aus dieser Ära haben nichts aber auch gar nichts von ihrer Faszination verloren, von dem lackhemdentragenden, auf der Bühne unpassend posenden und stimmlich nicht allzu fitten Vincent konnte man das aber leider nicht sagen. Nun ist Ex-Sänger Steve Tucker wieder mal zurück und man hofft, dass die großen Morbid Angel damit endlich zu alter Ernsthaftigkeit zurückkehren. Und das tun sie auf „Kingdoms disdained“ ganz zweifellos. Hier gibt es kein Electro-Gekasper, keine Manson-Anbiederungen und keine sonstigen Gimmicks, nur Morbid Angel pur und das ist zunächst mal eine ausgesprochen gute Nachricht. Morbid Angel besinnen sich auf alte Stärken, zitieren sich mitunter dabei selbst , feuern aber genug starke Riffs, imposante Blastfiguren und Nicht-von-dieser-Welt Soli ab, um nicht zur Retroveranstaltung zu verkommen.

 

Nein, „Kingdoms disdained“ wirkt bei aller Trademarkpflege nicht satt und selbstverliebt, sondern so, als hätte man wirklich noch mal den Drang verspürt, sich selbst herauszufordern. Operation gelungen, kann man da nur sagen. Denn schon der mächtige Opener marschiert gewaltig los und zeigt sowohl mit hart akzentuiertem Midtempo als auch mit rigorosen Blasts wer hier wirklich „morbid“ ist. Tempo ohne Ende gibt’s dann auch bei „D.e.a.d“, das fies verworren klingt, zwischendurch aber eine beispiellose Coolness entwickelt. Dann aber der erste Dämpfer mit „Gardens of Disdain“, das ausgiebigst den eigenen, sumpfigen Wurzeln huldigt und dabei so gar keine Dynamik entfalten will. Ähnlich verhält es sich mit dem unterkühlten Riffgeschiebe in „Declare new law“ und dem in aufwühlendem Midtempo verfassten „The pillars crumbling“ hätte ein Break mehr vielleicht auch noch gutgetan.

 

Mehr Negatives lässt sich dann aber auch nicht sagen, über dieses 11-Song lange, überraschend starke und vor allem erfreulich ambitionierte Album. Auf „Gateways“ oder „Heretic“-Level sehe ich die Scheibe zwar nicht ganz, aber weite Teile der Konkurrenz hängt man mit ultrasouveränen Brechern wie „Architect and Iconoclast“, „For no master“ und „From the end of kings“ wieder mal locker ab. Wenn sie jetzt noch eine Europa-Tour auf die Reihe bringen würden, wäre die Morbid Angel-Welt wieder in Ordnung.

 

(Chris)

 

www.morbidangel.com

 


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