At the Gates - The Ghost of a Future DeadAt the Gates - The Ghost of a Future Dead

(Century Media)

 

Die Umstände der Entstehung dieses Albums sind tragisch. Bandgründer, Frontmann, Songschreiber und überhaupt das kreative Zentrum der Band, die den berühmten Göteborg-Sound mit hervorgebracht hat und ohne die es viele Melodic Death Metal-Bands so wohl nicht geben würde, hat die Veröffentlichung dieses Albums nicht mehr miterlebt, er starb ein halbes Jahr zuvor an Krebs. Am Tag vor einer schweren OP, die ihm das dann wohl nicht mehr erlaubt hätte, hat Lindberg die Lyrics komplett eingesungen, und auch Albumtitel, Artwork und den finalen Mix hat er noch mit autorisiert. Angesichts der Tatsache, dass er sich in den letzten Monaten seines Lebens noch so sehr seiner Musik gewidmet und sich in den kreativen Prozess eingebracht hat, versteht die Band dieses Album als das Vermächtnis von Tomas Lindberg, und vermutlich hat er das auch selbst so gesehen. Ghost of a Future Dead ist von den Alben der Reunion-Phase allerdings das bislang wohl homogenste und in sich geschlossenste Album. Die Experimente, wie sie auf dem Vorgänger zu hören waren, die Ausbrüche auf At War with Reality, aber auch die starke Melodiosität von To Drink from the Night Itself sind auf diesem Album so nicht mehr zu hören. Stattdessen bekommen wir acht energische, knüppelharte Melodic Death-Nummern um die Ohren gehauen, die gehetzt und düster klingen, die immer wieder die gewohnte Melancholie transportieren und die komplex, aber auch ungewohnt direkt daherkommen. Ich muss zwar zugeben, dass ich meine Probleme mit diesem Album habe, das in seiner Intensität und Präzision beeindruckend ist, das aber wirkliche Höhepunkte, wie sie die Vorgängeralben aufzuweisen hatten, vermissen lässt und mich emotional nicht so recht erreicht. Wenn man die Umstände aber einmal außen vor lässt den Anspruch herausnimmt, hier müsse gewissermaßen die Quintessenz von At the Gates definiert werden – schließlich besteht das musikalische Vermächtnis von Tomas Lindberg in einem Werk, das acht insgesamt überragende und teils wegweisende Alben umfasst – , dann bleibt ein trockenes, konzentriertes, technisch perfektes Death Metal-Album, das sich nahtlos in das Schaffen der Band einreiht, aber eben auch keinen Höhepunkt darstellt.

 

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(Torsten)


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