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Swordbrothers Festival 2011

Swordbrothers Festival

10.9.11 - Andernach, Juz

 

Das Swordbrothers, neben Keep It True und Headbangers Open Air das dritte der „truen Drei“ der deutschen Stahlereignisse, durfte Jubiläum feiern. Zum zehnten Mal öffneten sich in Andernach die Pforten, wobei dank strahlenden Sonnenscheins nicht wenige davor hängenblieben. Wie immer war es ein Familientreffen der sehr angenehmen Art, bei welchem jede Menge Bekannte zu begrüßen waren, aber natürlich sollten auch die Bands nicht zu kurz kommen. Leider sagten ausgerechnet meine Favoriten Arryan Path ab – schade, auf keine andere Band hatte ich mich so gefreut wie auf die Zyprioten. Etwas Entschädigung wurde aber auch so geboten:

 

 

images/live-pic/Warcry.JPGWarcry

 

Mittlerweile läßt Volker pro Festival nur noch eine deutsche Band spielen, und daß die dann von seinem eigenen Label kommt, liegt auf der Hand. Warcry aus Deutschlands schönster und bester Ecke, dem glorreichen Schwabenland, legten vor noch spärlicher Zuschauerkulisse pünktlich um 13.00 los, ließen sich aber nicht beirren. Während die Instrumentalfraktion eher zurückhaltend ihre Songs zockte, gab sich der Sänger deutlich aktiver, poste äußerst true herum und bemühte sich nach Leibeskräften, die Fans anzustacheln. Daß das zu dieser frühen Uhrzeit noch nicht so recht klappen wollte, ist verständlich, hat aber nichts mit mangelnder Qualität zu tun. Warcry können sich durchaus hören lassen und sind auch live eine Band, die eine amtliche Metalshow auf die Bühne legt. Kritisieren muß ich jedoch die Ansagen, denn statt dem heimischen Dialekt freien Lauf zu lassen, bemühte man sich hier in Norddeutschland krampfhaft um Hochsprache. Speak Schwäbisch or die!

 

 

Mortician

 

Anschließend waren die österreichischen Totengräber an der Reihe, nicht zu verwechseln mit den images/live-pic/Mortician.JPGungleich bekannten Grindern aus New York. Beim Keep It True fand ich sie nicht besonders ansprechend, war mir zu altbacken und das will etwas heißen. Der heutige Gig gefiel mir besser, zumal Mortician sich an Sanges- und Gitarrenfront sehr kämpferisch gaben. Noch dazu weckt der verschwitzte, reichlich übergewichtige Daniel Khan deutliche Assoziationen zu Nasty Ronnie, was den Kultfaktor nochmal erhöht. Nun denn, das alte Mortician-Material ist noch immer nicht die hohe Schule der progressiven Kunst, aber „No war“ oder „Street warrior“ liefen schon ganz annehmbar rein, was das Publikum ähnlich sah. Nun wollen wir mal sehen, ob die Band auch mit neuem Material aufwarten kann.

 

 

images/live-pic/Asgard1.JPGAsgard

 

Die letzte Band, die als Ersatz für Arryan Path (schnüff…) aufs Billing rutschte, waren Asgard aus Italien. Immerhin tragen sie einen ebenso epischen Namen, allerdings haben sie mit heroischem Schwertermetal nichts zu tun. Auf der Bühne stand, bangte und sprang vielmehr die italienische Version von Agent Steel herum. Astreiner Speed Metal, der gekonnt zwischen Melodie und Härte pendelte, mit einem Sänger, der auch höchste Tonwünsche zu erfüllen wußte. Die amerikanischen Ufologen standen unüberhörbar Pate, da hätte das gelungene Cover von „Unstoppable force“ gar nicht sein müssen. Ich vermute, daß Asgard vor dem Auftritt kaum einer kannte, aber verdammt nochmal, das hatte sich anschließend gehörig geändert. Die Truppe wurde verdientermaßen abgefeiert, der CD-Stand belagert, Asgard hatten sich unauslöschlich in die Herzen der Schwertgeschwister eingekerbt. Hinterher konnte man die Jungs glücklich beim Kicken hinter dem Juz sehen – Italiener halt, ohne Fußball geht gar nichts. Das erste Highlight des Tages und eine der besten Bands des Festivals.

 

 

Vanderbuyst

 

Auch wenn viele es anders sahen – Vanderbuyst konnten da nicht mithalten. Woran liegt es eigentlich, daß nach dem Ende von images/live-pic/Vanderbuyst1.JPGPowervice alle ehemaligen Mitglieder andere Musik machen? Keinen Bock mehr auf traditionellen Metal? Während Selim Lemouchi mit The Devil’s Blood okkulte Erfolge feiert, widmet sich Willem Verbuyst eher dem traditionellen Hardrock mit unüberhörbaren 70er-Einflüssen. Die Band zeigte sich auf der Bühne sehr powervoll, das Material gefällt mir teilweise auch richtig gut, trotzdem konnten mich Vanderbuyst heute nicht überzeugen. War mir zuviel Gejamme und zuviel selbstverliebtes Sologedudel. Ist ja im Prinzip nicht ganz verkehrt, wenn Bands mal aus klassischen Songschemata ausbrechen, aber mir ging das dann doch zu sehr auf den Zeiger, weshalb ich nach der halben Spielzeit eher frische Luft und Sonne genoß. Statt der neuen Gehversuche der Mitglieder wäre mir jedenfalls eine Fertigstellung und Veröffentlichung des immer noch in der Schublade liegenden Powervice-Albums deutlich lieber.

 

 

images/live-pic/Centinela.JPGCentinela

 

Wenn mich nicht alles täuscht, standen Centinela heute erstmalig in ihrer zwölfjährigen Geschichte auf einer nichtspanischen Bühne. Den Bekanntheitsgrad ihrer Kollegen von Tierra Santa oder Baron Rojo haben sie natürlich weder zu Hause noch hier, was sich in deutlich weniger Publikum vor der Bühne äußerte als bei den vorherigen Bands, noch dazu war neugieriges Zuschauen eher angesagt als wildes Durchdrehen. Die Stierkämpfer machten das Beste daraus, spielten einen sauberen Gig und wußten musikalisch voll und ganz zu überzeugen. Insbesondere Sänger José, mit einem Leibesumfang wie Jon Oliva persönlich gesegnet, legte eine Gesangsleistung auf die Bretter, die höchsten Respekt abnötigte. Der Mann war der mit Abstand beste Sänger des Tages! Die Ansagen beschränkten sich dafür wie bei so ziemlich allen spanischen Bands auf „sorry, my English is little“. Das war aber im Metal noch nie ein Problem, so war der Auftritt auf jeden Fall sehenswert und eine musikalische Perle. Viva Centinela!

 

 

 

Oz

 

Killers habe ich mir nicht angesehen, da gingen allerlei Unterhaltungen und Drinks draußen vor. Oz hingegen wollte ich mir nicht images/live-pic/Oz.JPGentgehen lassen. Endlich mal eine 80er-Band, die auf dem Swordbrothers ihr Comeback feierte, anstatt nach der obligatorischen Runde über alle anderen einschlägigen Festivals auch noch in Andernach eine Visitenkarte abgeben zu dürfen. Ebenso gespannt wie ich waren zahlreiche andere, und der Einstieg mit „Search lights“ hätte nicht besser sein können. Obwohl die Herren teilweise merklich in die Jahre gekommen sind, war die Power immer noch (oder wieder) da. Schockierend aber das Outfit des Fronters, welches zu beständigen „Change your clothes“-Sprechchören führte. Weißes T-Shirt, Bermudas und weiße Latschen passen vielleicht ins Fitneßstudio, welches der Herr seiner Statur nach häufiger zu besuchen scheint, sind aber für eine Metalshow so unangebracht wie Trivium-Aufnäher auf der Kutte. Aber im Endeffekt zählt natürlich die Musik, in dieser Hinsicht gab es nichts zu meckern. Der Großteil des Sets bestand natürlich aus den alten Klassikern, wobei der Kultsong schlechthin – ich spreche selbstverständlich von „Turn the cross upside down“ – die wildesten Reaktionen im Publikum provozierte, hierzu gehörten auch einige Fans, welche die Bühne stürmten, um dort fleißig zu bangen und zu posen. Bevor mit „Fire in the brain“ die Show zu Ende ging, wurde auch noch ein neuer Song präsentiert, der durchaus Qualität aufwies und zeigte, daß wir mit Oz auch in Zukunft rechnen dürfen.

 

 

images/live-pic/_AngelaFGDExxplorerSngervonderSeite.JPGExxplorer

 

Zum Ende hin gab es dann das ersehnte US Metal-Doppel. Exxplorer wurden erwartungsgemäß schwer abgefeiert, boten einige neue Sachen dar, konzentrierten sich aber natürlich vor allem auf die beiden ersten Alben. Nun finde ich insbesondere „Symphonies of steel“ zwar richtig gut, aber so herausragende Klassiker haben Exxplorer meiner Ansicht nach nur zwei geschrieben, die natürlich heute auch am meisten abgefeiert wurden; „Run for tomorrow“ und „World War III“. Die Fans gingen ordentlich ab, die Band zeigte sich motiviert, tight und engagiert, insgesamt war es ein guter Gig, aber so richtig auf Exxplorer abfahren werde ich vermutlich nie.

 

 

Vicious Rumors

 

Als Headliner hatte man dieses Jahr Vicious Rumors geholt, was durchaus berechtigt ist. Die Band images/live-pic/SBFXViciousRumorsrGit.JPGhält seit rund 30 Jahren die Flagge hoch, und davor habe ich zehnmal mehr Respekt als vor Formationen, die sich in den 80ern aufgelöst haben, um jetzt zurückzukommen, weil man mitbekommen hat, daß sich da in Europa noch ein paar Gestörte für die alten Sachen interessieren. Vicious Rumors habe ich schon verdammt häufig live gesehen, sie lohnen sich aber wirklich immer, zeigten sich enorm energiegeladen und gingen auch den heutigen Gig mit einem Hunger an, der in diesem Alter nicht mehr selbstverständlich ist. Brian Allen kann Carl Albert zwar nicht so richtig das Wasser reichen, aber ein derartiger Weltklassesänger ist nun mal kaum zu ersetzen, da waren Allens Vorgänger auch nicht besser. Eine gute Figur macht er trotzdem, und es wäre Geoff Thorpe zu wünschen, daß dieses Line Up lange Bestand hat, denn Vicious Rumors 2011 befinden sich in der besten Form seit langem. Der Gig war absolut headlinerwürdig, lediglich an der Setlist will ich herummäkeln, denn die war dieselbe wie eh und je. Der unvermeidliche Opener „Digital dictator“, „Hellraiser“, „Abandoned“, „Don’t wait for me“, „Lady took a chance“, „On the edge“, „Soldiers of the night“ – alles geil aber so überraschend wie das Wahlprogramm der CDU. Vicious Rumors haben in ihrer Karriere genügend tolle Songs geschrieben, um mal etwas Tabula Rasa machen und andere Stücke präsentieren zu können. Doch wie gesagt – auch so war der Gig ein echter Knaller. Bis nächstes Jahr, ihr Schwertbrüder und –schwestern, wir sehen uns zur selben Zeit am selben Ort.

 

 

Bericht & Fotos: Till

Fotos Exxplorer & Vicious Rumors: Angela Stamm


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