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Swordbrothers Festival 2010

Swordbrothers Festival

11.9.10 - Andernach, Juz

 

 

Wenn die letzten Sommerwinde über das Land wehen, treffen sich alljährlich die Schwertbrüder, um lautstark ihre Gemeinschaft des Stahls zu zelebrieren. Deutlich weniger als im letzten Jahr waren es heute, was vermutlich am Fehlen Omens und Halloweens lag, welche letztes Jahr als Publikumsmagneten fungiert hatten. Das Wacken-Syndrom („immer die gleichen Bands buchen, dann kommen auch immer die gleichen Fans“) scheint eben auch einige Nummern kleiner zu funktionieren. Anstelle hoffnungsvoller und bemerkenswerter Newcomer also besser wieder die bewährten alten Gassenhauer nach Andernach holen, dann ist die Bude wieder voll. Nun ja, eine stattliche Fanschar war durchaus erschienen, um sich die heutigen Bands anzusehen und vor der Halle zu feiern, was durch das sommerliche Wetter (besser als auf den meisten diesjährigen Open Airs) begünstigt wurde.

 

 

images/live-pic/DesertSin.jpgDesert Sin

 

Den Beginn machte die vormals unter dem Namen Sick-U-R agierende Band aus Österreich. Daß man mit einem solchen Namen das komplett falsche Publikum anspricht, ist ihnen glücklicherweise klargeworden, Desert Sin paßt da doch besser. Die Ösis spielten melodischen, leicht angeproggten Metal, welcher durch das Keyboard eine gehörige Portion Atmosphäre bekam. Gefiel mir ausgesprochen gut, allerdings ist solche Musik für mich auch immer eher etwas zum zuhören und daher nur in Maßen livetauglich. Desert Sin mühten sich redlich und zeigten auch etwas fliegende Haare, konnten das Publikum aber nicht wirklich mitreißen. Eine hübsche Aufwärmübung war es jedoch allemal, da hat man schon schlechtere gesehen.

 

 

 

Hürlement

 

Ganz anders dann das furiose Quartett aus dem westlichen Nachbarland. Bei ihrem Gig in Frankfurt images/live-pic/Huerlement.jpgkonnte ich leider nicht anwesend sein, also gab es heute etwas nachzuholen – und wie! Schnörkelloser, geradliniger Metal mit Neigung zum Geschwindigkeitsrausch, messerscharfe Riffs, eine Killersirene am Mikro und ordentlich Action auf der Bühne – so etwas sorgt für Reaktionen, entsprechend waren die Fans schnell überzeugt, bangten sich in Ekstase und feierten Hürlement gebührend ab. Ich auch, denn das war Metal wie er sein muß. Neben Ares ist diese Band sicherlich die größte Newcomerhoffnung aus Frankreich und ein Beweis dafür, wie vital die dortige Szene mittlerweile wieder ist. Vermutlich erwartet uns da noch einiges an guten Bands, und auch Hürlement sage ich eine metallische Zukunft voraus. Einziger Kritikpunkt: „Sortilège“ zu covern, ist nun wirklich nicht gerade originell – klar, ein absoluter Klassiker, aber deswegen muß ihn nicht jede zweite französische Band ins Programm nehmen. Hürlement haben jedoch zweifellos das Potential, eines Tages selbst als Klassikerband zu gelten. Vive la France!

 

 

 

images/live-pic/Widow.jpgWidow

 

Mit diesem Feuerwerk konnten die nachfolgenden Widow nicht mithalten. Klar, schlecht waren sie nicht, der Gitarrist präsentierte auch stolz sein Helloween-Shirt und freute sich riesig, mal im Heimatland seiner Lieblingsbands spielen zu können. So der Reißer waren sie aber nicht, das Publikum zeigte nur mäßige Reaktionen und auch ich kann mich anderthalb Wochen nach dem Festival kaum noch an den Set erinnern. Stilistische Ausprägung? Songs? Fehlanzeige. Spricht nicht gerade für Widow…US Metal der Drittliga, nicht zwingend notwendig.

 

 

 

Eternal Winter

 

Eternal Winter waren da leider auch nicht viel besser. Musikalisch war es gar nicht von schlechten Eltern, was da gezeigt wurde, das images/live-pic/EternalWinter.jpgSongmaterial klang durchaus okay. Leider bot das Quartett jedoch eine sehr lahme Show, die Musiker bekamen die Augen kaum von den Griffbrettern, der Gitarrist hatte zudem die Tabulaturen der Stücke vor sich auf dem Boden liegen. Scheint wohl noch nicht lange dabeizusein…insgesamt wirkte der Auftritt eher wie eine öffentliche Probe, weshalb auch kaum Stimmung aufkam. Dr. Metal verordnet in diesem Fall einige Dutzend Auftritte in kleinen Clubs, bevor man sich auf ein Festival wagt, dann macht man eine bessere Figur.

 

 

 

images/live-pic/ThroesOfSanity.jpgThroes Of Sanity

 

Im Vorfeld wurde Throes Of Sanity als eine der interessantesten Bands des Tages gehandelt, mir waren sie bislang unbekannt. Optisch sammelten sie erstmal Minuspunkte – eine komplett kurzhaarige Metalband läuft nun mal nicht, harhar. Wenigstens konnten sie das musikalisch wieder ausgleichen. Ihr Metal ist verspielt, progressiv beeinflußt, filigran, trotzdem eingängig und keineswegs abgehoben. Mich erinnerte es stellenweise an die Midtempostücke von Lethal oder auch Queensryche. Throes Of Sanity konnten den Vorschuplorbeeren jedenfalls gerecht werden und mit ihrer Musik voll und ganz überzeugen, da machte auch die zurückhaltende Bühnenshow nichts mehr. Lediglich der Sänger – ein bulliger Typ, der im bürgerlichen Leben vermutlich im Schlachthof arbeitet – zeigte etwas mehr Bewegung, aber gelangweilt haben Throes Of Sanity sicherlich niemanden. Sehr fein!

 

 

 

Paragon

 

Bei Paragon gibt es keine Überraschungen; hier weiß man von vornherein, was man zu erwarten hat: Schnörkellosen Metal teutonischerimages/live-pic/Paragon.jpg Prägung und eine in jeder Hinsicht professionelle Liveshow. Veränderungen gibt es da eher in der Besetzung. Nachdem Jan Bünning, auch als Hamburger Gene Simmons bekannt, wieder dabei ist, sind nun zwei neue Gitarristen an Bord, was insofern überrascht, da somit auch Bandgründer und Hauptkomponist Martin Christian seinen Hut genommen hat. Wie mir Sänger Buschi später verriet, wollte sich Martin wohl komplett auf die Kneipenterroristen konzentrieren, da man mit Onkelz-Covern halt mehr verdienen kann als mit echtem Metal. Herzlichen Glückwunsch zum Kniefall vor dem Mammon und tschüs. Der heutige Gig ließ jedenfalls nichts vermissen und lief trotz neuer Mannschaft gewohnt gut, auch wenn der eine Klampfer sein albernes Kopftuch besser weggelassen hätte. Musikalisch gab es vorwiegend bewährtes: „Armies of the tyrant“, „Across the wasteland“, „Impaler“, „Palace of sin“ und mehr. Hat schon gepaßt, denn wie gesagt: Bei Paragon weiß man, was man hat.

 

 

images/live-pic/Aska.jpgAska

 

Nachdem George Call letztes Jahr bereits mit Omen die Bühne zu Andernach beehren durfte, kam er nun mit seiner Stammband daher. Nicht zuletzt durch die Omen-Connection sind Aska mittlerweile recht präsent auf europäischen Bühnen und ziehen einiges an Fans an. Es sei ihnen gegönnt, denn qualitativ kann man ihnen nicht ans Bein pissen. Songtechnisch haben sie viel zu bieten und bringen auch immer eine energiegeladene Show mit. Call ist ein hervorragender Frontmann, aufgrund seiner schleimigen Ausstrahlung werde ich mich mit ihm aber vermutlich nicht mehr anfreunden können. Somit sah ich mir auch nur etwa den halben Auftritt an, aber den Fans gefiel es, also Daumen hoch für Aska.

 

 

 

Skullview

 

Trotz der hervorragenden Gigs von Hürlement und Throes Of Sanity stand das Tageshighlight aber images/live-pic/Skullview.jpgnoch bevor. Skullview sind endlich wieder in Originalbesetzung zusammen und zum zweiten Mal in Europa. Der erste Abstecher zum Keep It True vor einigen Jahren darf als Reinfall gewertet werden – weder paßte der damalige Sänger zur Band, noch waren die Herren dazu in der Lage, mit ihrem Alkoholpegel eine gute Show zu liefern. Heute jedoch war Quimby wieder an Bord, die Band hatte einiges gutzumachen und enttäuschte mit Sicherheit niemanden. Das Engagement auf der Bühne war groß, Quimby stieß zahlreiche schrille Schreie aus, die Songauswahl paßte auch: „Metalkill the world“, „Kings of the universe“, „Stone of a thousand spells“ und die Oberhymne „Skullview warrior“ ließen die Meute neben anderen Songs in einem fort bangen und der Band aus der Hand fressen. Dies war kauziger, obskurer, großartiger Metal von einer Band, die ich zuletzt eigentlich gar nicht mehr so auf dem Schirm hatte. Aber Skullview haben gezeigt, daß mit ihnen wieder zu rechnen ist. Für mich der beste Gig des Tages, die Fans feierten ordentlich, jedoch nicht so sehr wie die Band selbst, die sich gar nicht genug über die Reaktionen freuen konnte und den Rest des Abends vom einen Ohr zum anderen strahlte. Metalkill the world!

 

 

 

Cloven Hoof

 

Nach Skullview waren die ursprünglich als Headliner angesetzten Cloven Hoof an der Reihe. Da den Herren Payne und North jedoch kurzfristig der Rest der Besetzung abgesprungen war, stand der Gig ziemlich auf der Kippe. Letzten Endes erklärten sich die Musiker von Aska bereit, auszuhelfen, was natürlich sehr fein von ihnen war, für mehr als zwei Songs reichte es aber auch nicht. Somit dauerte der Set der transatlantischen Notverbindung gerade mal zehn Minuten. Kann man ihnen nicht vorwerfen, aber so viel besser als eine komplette Absage war das auch nicht. Ich hoffe jedenfalls, Cloven Hoof in absehbarer Zeit wieder in erstarkter Besetzung und alter Größe sehen zu können.

 

 

 

images/live-pic/Picture.jpgPicture

 

Den Käsköppen oblag nach dem kurzen Cloven Hoof-Intermezzo die Aufgabe, das diesjährige Swordbrothers mit einem Headlinergig zu beschließen. Die bisherigen Picture-Gigs in meiner Historie waren auf jeden Fall gut, so daß ich mich freute, die Truppe einmal mehr zu sehen. Optisch war es schon mal gefährlich, denn Pete Lovell sieht mit Cowboyhut wirklich mehr als albern aus, zum Glück war er weise genug, ihn nach einigen Songs abzulegen. Musikalisch gab es jedoch wenig zu meckern, schließlich haben die alten Herren ausreichend gutes Material in der Hinterhand, um die Spielzeit zu füllen. Auch der Show merkte man die viele Erfahrung und die wiedergewonnene Liveroutine an. Holländischer Stahl für „Heavy Metal ears“ aus den 80ern, der auch 2010 ohne weiteres überzeugen kann. Mein Favorit war einmal mehr das epische „Live by the sword“ und auch sonst gab es kaum Grund zur Kritik. Picture waren ein würdiger Headliner für das Swordbrothers, möge Volker auch im kommenden Jahr ein gutes Billing zusammenbekommen. An Bewerbungen hochkarätiger Bands wird es sicherlich nicht mangeln, somit freuen wir uns schon mal auf die Zusammenkunft der Schwertbrüder 2011.

 

 

Bericht & Fotos: Till


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