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Bang Your Head!!! 2017

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Auch dieses Jahr pilgerte ich wieder in die Schwäbische Alp, um auf dem Bang Your Head!!! Festival den größtenteils klassischen Hardrock und Metal Klängen zu lauschen. Die Wetterprognosen schwankten in den Tagen vor dem Festival etwas hin und her und waren für das Wochenende noch etwas unbeständig vorausgesagt, bis auf den stärkeren Regenguss am Freitagmittag hielt sich das Wetter aber größtenteils ganz gut. Auf dem Gelände gab es keine größeren Änderungen und die Getränkepreise blieben zum Vorjahr stabil (Bon 1.90€, 0,4l Bier/Cola/Fanta für 2 Bons, Wasser durch größere Menge etwas billiger). Gewohnt entspannt war auch das Flair auf dem Gelände…also gleich zum wesentlichen, dem Bericht…

 

 

DONNERSTAG, 13.07.:

 

Da es mit der Anreise am Donnerstag leider beruflich bedingt nicht geklappt hat, hab ich mir für den ersten Tag einige Stimmen aus dem Bekanntenkreis geholt. Donnerstag soll es noch deutlich leerer gewesen sein, als an den folgenden Tagen und viele waren scheinbar erst gegen Abend oder am Freitag angereist. Der Sound soll bei den ersten Bands noch sehr Schlagzeug- und Basslastig gewesen sein und die Gitarren hatten recht wenig Chancen sich durchzusetzen.

CRYSTAL VIPER lieferten eine gute Show ab und Frontfrau Marta wäre etwas weniger aktiv, als gewohnt, gewesen. Was auch daran liegen kann, dass die Band in der Mittagshitze in voller (Kunst-)Ledermontur auf der Bühne gestanden hat. Do it all for the Metal!!

TOXIK waren musikalisch auf Topniveau, allerdings gingen die Vocals von Sänger Josh leider im schon angesprochenen Sound etwas unter.

GLORYHAMMER nehmen sich nicht ganz ernst und die recht albernen Kostüme sind auch nicht jedermanns Sache. Allerdings kamen die Briten um Alestorm Keyboarder Christopher Bowes gut an, manche meinten sogar, sie wurden groß abgefeiert.

ORDEN OGAN hatten, passend zum neuen Album, ein ganzes Western Fort als Deko aufgebaut und hatten auch sehr unter dem Sound zu leiden. Die Gitarren waren laut einigen Stimmen so gut wie gar nicht zu hören, dafür kamen einige Chöre vom Band, was ein nicht wirklich harmonisches Soundbild ergab. Zudem war die Band auf der Bühne wohl etwas zu statisch.

Ein ganz anderes Bild gaben SLAUGHTER ab. Hier passte der Sound und die Bühnenaction war US-Entertainment pur. Lediglich Frontmann Mark Slaughter konnte mit seinen Mitstreitern nicht ganz mithalten und umschiffte so einige Passagen der Songs 1-2 Oktaven tiefer.

VENOM waren unterhaltsam, dem einen oder anderen Alt-Fan aber schon fast zu gut. Ein gewisser Rumpelfaktor gehört bei der Newcastle-Legende einfach dazu, oder? Es hatten sich auch recht viele Songs neueren Datums in die Setlist geschlichen.

Beim Highlight des Donnerstages waren sich alle einig. ECLIPSE räumten in der vollen Halle tierisch ab. Der Sound soll absolut perfekt gewesen sein, ebenso wie die Show. Nur das in fast jedem Song ein Mitsingpart eingebaut war, war fast schon zu viel des Guten. Für viele aber definitiv das Festivalhighlight!

SAXON können nicht schlecht, oder? Nein, solange sie eine gesunde Mischung aus Klassikern (viele) und neuen Songs (weniger) beibehalten, brennt hier nichts an. Biff war wie gewohnt super bei Stimme, so dass SAXON zu Recht gefeiert wurden, auch wenn sie gefühlt jedes zweite bis dritte Jahr hier sind.

DENNER/SHERMAN sind nicht das erste Mal negativ aufgefallen, schon auf dem Headbangers Open Air im letzten Jahr waren die Reaktionen eher durchwachsen. Schlechtes Timing der gesamten Band, Sean Peck (Vocals) soll recht lustlos gewesen sein und auch einige Mercyful Fate Songs, auf die viele gewartet haben, konnten wohl nicht wirklich begeistern. Natürlich wohnen die Bandmitglieder verteilt auf Schweden, Dänemark und die USA, aber wie meinte ein Freund: „…wenn die schon für das Bang Your Head keine Zeit zum Proben finden, für was dann?“.

 

 

 

FREITAG, 14.07.

 

 

DEAD LORD

 

Freitagmorgen in Balingen, trübes Wetter, bedeckter Himmel... da passte der Name DEAD LORD wie die Faust aufs Auge. Aber im Gegensatz zum wolkenverhangenen Himmel, war das Programm der 4 Schweden alles andere grau, im Gegenteil! Wer es schafft, den Geist von Thin Lizzy am Leben zu halten, ohne dabei wie eine billige Kopie von Phil Lynott & Co. zu klingen, der hat sich Gehör verdient. Und das bekamen die Jungs. Noch bevor DEAD LORD als Opener loslegten, kam der erste Nieselregen daher und alles versteckte sich an irgendwelchen Fress-Buden oder unter dem großen Bierzeltdach direkt am Eingang. Kaum waren die ersten Töne erklungen, latschen viele Banger vor die Bühne und ließen sich die aktuellen Songs um die Ohren hauen, die zwar frisch, aber trotzdem alt klangen... im positiven Sinne natürlich. Die Jungs auf der Bühne hatten ihren Spaß und feuerten einen Gute-Laune-Hammer nach dem nächsten raus, zumal man in den Genuß von 50 min. Spielzeit kam. Das haben andere Support-Acts auf Hallentouren nicht. Dennoch war es vielleicht etwas mutig, gleich 3 neue Songs zu kredenzen. Da merkte man nämlich schon, daß die Stimmung ein klein wenig abflaute. Aber Songs wie „No Regrets“, „Hank“ und „Onkalo“ ließen die Laune der Anwesenden trotz Regencape (auch der Verfasser dieser Zeilen stand mit Plastikplane in der ersten Reihe) schlagartig in den grünen Bereich zurückschwenken. Rausschmeißer war dann ein „Hammer To The Heart“ und damit hörte auch der Regen auf...

Fazit, trotz Scheißwetter ein klasse Auftritt. Die Jungs dürfen gerne wiederkommen!

(Folkert)

 

 

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Die Schweden kannte ich bisher nur von Clubshows und auf kleinen Bühnen funktioniert die Band immer super. Auf der großen Bang Your Head!!! Bühne allerdings definitiv auch! Die vielen Jahre Bühnenerfahrung, lassen BULLET auch hier souverän wirken und nicht hilflos durch die Gegend stolpern. Die Jungs um Gitarrist Hampus sind echte Rampensäue und genügend gute Songs hat man auch auf der Pfanne, um ein Publikum mitzureissen. Da sich der Regen mittlerweile verzogen hat, trauten sich auch genügend Leute vor die Bühne, um mit den Jungs etwas zu feiern. Wie Sänger Hell Hofer seine Stimme so lange schon in Schuß hält, ist mir ein Rätsel. Viel mehr Reibeisen geht eigentlich nicht und geschont wird die Röhre absolut nicht. Das der Song „Bang Your Head“ sich in der Setlist befindet, war Ehrensache. und die Bandhymne „Bite The Bullet“ setzte dann, wie immer, den krönenden Abschluss einer coolen Show.

 

 

BYH2017_GrimReaper.JPGSTEVE GRIMMETT'S GRIM REAPER

 

Nach der Verlust seines halben Beines auf Tour in Mitte/Süd-Amerika schlug Steve Grimmet viel Zuspruch und Hilfe entgegen. Auch finanziell gab es etliche Spenden, um die Kosten für die Operation zu tragen. Nun ist Grimmet mit GRAIM REAPER wieder zurück auf den Bühnen. Trotz Beinprothese, auf der er noch etwas unsicher ist, sucht der gediente Recke der NWOBHM meist vorne am Bühnenrand den Kontakt zum Publikum. Mit einem Headset ausgestattet wechselt er zwischen Krücken und Rollstuhl und meisterte die neue Situation sehr souverän. Gut bei Stimme ist der Mann sowieso. Ob bei den eigenen Klassikern wie „Rock You To Hell“ und „Fear No Evil“, oder beim fantastisch gesungenen Dio Cover „Don’t Talk To Strangers“, STEVE GRIMMETT gehört zu den besten Sängern der NWOBHM, das ist Fakt. Fakt ist allerdings auch, das das eigene Material nicht durchgehend mitreißt. Wenn man allerdings in Form von „See You In Hell“ noch einen richtigen Hit als Rausschmeißer in der Hinterhand hat, kann man kaum verlieren. Welcome Back Mr. Grimmett!!!

 

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LEE AARON

 

Nach Jahrzehntelanger Abstinenz ist LEER AARON wieder in rockigen Gefilden unterwegs. Mit dem aktuellen Album „Fire And Gasoline“ wird sie ihren Titel als Metal Queen zwar nicht zurückgewinnen werden (wenn sie ihn denn jemals inne hatte), ein unterhaltsames Rockalbum ist der Kanadierin aber schon gelungen. Eine 80er lastige Metal Show habe ich natürlich nicht erwartet, genauso wenig dass LEE AARON ihren roten Catsuit von damals aus dem Schrank holt. Gehofft hatte ich auf eine souveräne Rock Show und die bekam ich auch geboten. „Hot To Be Rocked“ vom „Call Of The Wild“ Album war ein überraschender Opener, mit dem recht hart in den heutigen Gig gestartet wurde. Frau Greening hat sich sehr gut gehalten und ist vor allem so super bei Stimme, dass man absolut keinen Unterschied zu den 80ern hört. Das natürlich auch das aktuelle Album zum Zug kommen würde war klar, das mit „Tom Boy“ und „Fire And Gasoline“, die live natürlich etwas härter klangen, auch präsentiert wurde. Ihr langhaariger Gitarrist gab der Band auch genügend Hardrock Attitüde, die der Bassist im weißen Shirt allerdings wieder etwas schmälerte. Neben einer tollen Version von „Powerline“ waren die beiden abschließenden Songs die großen Höhepunkte. Die Hammerballade „Barely Holding On“ war fantastisch gesungen und zum Schluß gab es natürlich noch „Metal Queen“ zum Besten, bei dem nicht nur Frau Greening mit Gitarre und leicht verstimmten Saiten unterstütze, sondern auch der Keyboarder half, mit dritter Gitarre den Sound etwas auf „Metal“ zu trimmen. Toller Gig und bestimmt eines der Highlights des Wochenendes.

 

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RIOT V

 

Etwas still war es in letzter Zeit um RIOT V und nach dem fantastischen Album „Unleash The Fire“, wird es langsam Zeit für Nachschub. Aber auch ohne neues Material ist natürlich mit einem reichlich an Klassikern gespicktem Programm für Unterhaltung gesorgt. Mit „Ride Hard Live Free“ vom letzten Album legten RIOT V auch gleich souverän los. Sänger Todd Michael Hall hat seine bis vor kurzem noch imposant schnell gewachsene Haarpracht leider schon wieder auf ein halblanges etwas gekürzt, das nach nix halben und nix ganzem aussieht. Auch sein Geschmack für seltsame Hemden wird sich nicht mehr ändern. Kein Wunder, dass ein mitfühlender Fan ihm seine Kutte auf die Bühne warf, die Todd kurz mit den Worten „Ich weiss, ich sehe nicht Metal genug aus…“ kurz überstreifte. An seine Performance gibt es aber definitiv nichts zu bemängeln. Er singt selbst die höchsten Passagen mit Leichtigkeit und hat mit dem kompletten RIOT Material, egal aus welcher Phase der Band, keine Probleme. „Flight Of The Warrior“, „Don’t Hold Back“ oder „Roadracin’“ wurden allesamt ohne Wackler dargeboten. Neben den alten Recken in der Band tut sich mittlerweile vor allem Jungspund Nick Lee hervor, der die ganze Zeit wild bangend wie ein Derwisch über die Bühne flitzt. Großer Klassikeralarm gab es dann gegen Ende. Das lauthals mitgesungene „Swords And Tequila“, das flotte „Warrior“ und natürlich unvermeidbar am Ende „Thundersteel“, die Bandhymne schlechthin. Der Zuspruch bei RIOT V war entsprechend gut, so das sich einige fragten, warum die Band schon so früh dran war. Die nachfolgenden Magnum und Krokus sind aber schon ein anderes Kaliber, so daß der Platz im Billing schon gerechtfertigt war.

 

 

MAGNUM

 

Zugegeben, mit MAGNUM bin ich noch nie warm geworden. Der bombastische, sehr keyboardlastige Sound ging noch nie so an mich, trotz einiger Versuche, die ich mit der Band schon gestartet hatte. Die Gitarren waren heute kaum auszumachen und kamen gegen die massiven Keyboards nicht an. Sänger Bob Catley wird zwar vielerorts gelobt, ich fand ihn heute eher mäßig. Ok, der Mann ist knapp 70 Jahre alt und auf der Bühne viel in Bewegung. Vielleicht erklärt das eine gewisse Kurzatmigkeit und die eine oder andere nicht ganz fertig gesungene Melodie. Ein Freund meinte noch scherzhaft, er möge mit seinen regentanzartigen Bewegungen doch vorsichtig sein, wo sich das Wetter gerade so gut hält.

 

KROKUS

Pünktlich entern gleich sechs Herren mittleren Alters die geräumige Bühne, welche sie von Beginn an bestens ausfüllen können. Gelernt ist gelernt, schliesslich gab es mal eine Zeit, da war die Schweizer Hardrock-Legende KROKUS ausschliesslich auf derart dimensionierten Bühnen zu Hause. Doch die frühen und mittleren 80er Jahre sind lange her, und somit durfte man gespannt sein, ob KROKUS es schaffen ihre reichlich vorhandenen Hits authentisch und mitreissend darzubieten. Um es kurz zu machen: Sie schafften es. Und wie! Der Einstieg mit „Long Stick goes Boom“ macht sofort unmissverständlich klar, wo die Reise hingeht. Hier wird gegroovt und gerifft, so dass der geneigte BYH-Gänger gar nicht anders kann, als den alten Helden zu huldigen. Marc Storace hat ab dem ersten Ton sowohl seine Bandkollegen (man ist mit drei Gitarristen angetreten – weshalb auch immer), als auch das Publikum voll im Griff. Mit schon fast beängstigender Bühnenpräsenz und unglaublich gut bei Stimme leitet er bestens gelaunt durch den set, sucht ständig den Kontakt zum Publikum und sorgt für einen der Höhepunkte des diesjährigen BYH. Erfreulich wenige „neuere“ Nummern werden im set untergebracht, dafür vielleicht mindestens eine Cover-Version zu viel. Klar, American Woman kann man fast schon als KROKUS-Standard bezeichnen und hat somit seine Berechtigung, wohingegen Rockin' in the Free World  und
das abschliessende Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn) vielleicht etwas deplatziert wirken. Insbesondere, wenn dafür eigene Klassiker wie Eat the rich nicht zum Zuge kommen. Seis drum, KROKUS und das BYH, das passt wie Arsch auf Eimer. Screaming in the night sorgt für Gänsehaut, das Bedside Radio wird bis zum Anschlag aufgedreht, bevor der Easy Rocker dem Headhunter zum Opfer fällt. Kleine Randnotiz: Genau wie Todd Michael Hall von RIOT, wird auch Marc Storace eine Kutte aus dem Publikum heraus auf die Bühne geworfen. Während ersterer diese nur kurz überstreift, behält Marc Storace das gute Stück das komplette Konzert über wie selbstverständlich an. Wie geschrieben: BYH und KROKUS, das passt einfach.

(Prilli)

 

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ROSE TATTOO

 

Schon im Vorfeld hörte man munkeln, daß als letzte Bestätigung für`s 2017er BYH ein gewisser Angry Anderson im Gespräch sei. Allerdings hing es wohl noch an der genauen Ankündigung: Angry & Friends oder doch ROSE TATTOO? Im Grunde genommen wurscht,

denn von der Original-Besetzung lebt die Hälfte eh nicht mehr und der Rest sitzt im Knast. Da Mr. Anderson nun mal DAS Aushängeschild der Aussie-Boogie-Rocker ist, hat man sich dann doch auf Rose Tattoo geeignet. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen gleich mit „Out Of This Place“, „Assault & Battery“ und „Tramp“ verwöhnt zu werden, ließ manches Altrocker-Herz höher schlagen. Angry war wie immer gut drauf und bei Stimme, unterhielt das Publikum zwischen den Songs mit seinen doch gar nicht mal so verkehrten Lebensweisheiten („Brothers and sisters, let me tell you something...“), die auch gut und gerne von einem Herrn Kilmister hätten stammen können (die gleiche Liga ,was das Alter angeht). Angry krakelte sich durch Songs wie „Juice On The Loose“, „Who’s Got The Cash“und „Rock ‚n‘Roll Outlaw“. Da geht einem das Herz auf, wenn man ein schönes Best-of Set geboten bekommt. Die Jungs um Angry (Dai Pritchard an der Slide Guitar war das einzige ehem. ROSE TATTOO-Mitglied on Stage) machten ihre Sache sehr gut und rockten sich durch Perlen wie „The Butcher And Fast Eddy“, “One Of The Boys”, “Bad Boy For Love”, “Rock ‘n’ Roll Is King”, “Branded” und “Scarred For Life”. Zum Schluß hatte ich schon die allergrößte Befürchtung, daß sie ohne ihren Signature-Song die Bühne verlassen, aber nach „We Can`t Be Beaten“ und „Black Eyed Bruiser“ kam dann doch noch allen die Erkenntnis: „NICE BOYS DON`T PLAY ROCK & ROLL“. Herrlich... mein persönliches Highlight am BYH-Freitag. Danke, Mr. Anderson.

(Folkert)

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ANGELUS APARTIDA (Halle)

 

Kurz vor Vince Neil nahm ich in der Halle noch zwei Songs der spanischen Thrasher mit. Die Halle war recht ordentlich gefüllt und der Vierer ballerte sich sehr gut und tight durch den teilweise recht technischen Thrash. Was auf CD an Megadeth und Annihilator erinnert, klang live mehr nach Testament und kam eine ganze Ecke brutaler rüber. Zudem spricht Sänger Guillermo bei den Ansagen ein ziemlich gutes Englisch, was ich von spanischen Landsmännern schon anders gehört habe. Eine extrem starke Vorstellung!

 

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VINCE NEIL

 

Mötley Crüe waren immer ein Traum von Veranstalter Horst. Mit Crüe Sänger VINCE NEIL, der schon letztes Jahr angekündigt wurde, ging dieser Traum jetzt zum Teil in Erfüllung. Leider kam die Band mit locker 15min Verspätung auf die Bühne, was noch nicht besonders tragisch war. Mit „Dr. Feelgood“, „Piece Of Your Action“ und „Looks That Kill“ ließ sich der Gig eigentlich auch ganz gut an. Das VINCE NEIL stimmlich nicht immer ganz auf der Höhe ist, ist kein großes Geheimnis. Auch heute war das, teilweise recht dünne Gekrächze, schon teilweise recht grenzwertig und ich meine mich zu erinnern, dass er auf der letzten Mötley Crüe Tour besser bei Stimme war. Die Jungs von Slaughter, die als Backing-Band fungierten, zockten dafür stark und legten eine tolle Show hin. So richtig wollte der Funke aber schon zu Beginn nicht überspringen. Als nächster Song war schon „Home Sweet Home“ an der Reihe, der auf der letzten Tour immer das Ende der Show markiert hatte. Bei „Shout At The Devil“ wurde die Stimmung allerdings nicht wirklich besser. Danach verschwand NEIL allerdings von der Bühne und die Band begann ein Medley aus „Whole Lotta Love“, „Heaven And Hell“ und „Stairway to Heaven“ zu spielen, bei denen Gitarrist Jeff Blando die Vocals übernahm und hier eine sehr gute Figur machte. VINCE NEIL blieb allerdings für die nächsten 20 Minuten verschwunden, was der sowieso nicht grade guten Stimmung einen weiteren Dämpfer verpasste und nicht wenige Leute zum abwandern animierte. Auch wir nahmen das zum Anlass, unser letztes Crüe Konzert von der Abschiedtour in guter Erinnerung zu behalten und traten den Rückweg an. Noch etwas mehr dazu im Schlusswort.

 

 

 

 

 

SAMSTAG, 15.07.BYH2017_Assassin.JPG

 

 

ASSASSIN

 

ASSASSIN sind als Ersatz für Paradox ins Billing gerutscht, da Charly Steinhauer leider schon wieder aus gesundheitlichen Problemen einen Gig absagen musste. An dieser Stelle gute Besserung, komm wieder auf die Beine! Nächstes Jahr klappt es bestimmt!

ASSASSIN sind Helden meine Jugend. Seit dem zweiten Demo habe ich die Jungs auf dem Schirm und vor allem die beiden ersten Alben laufen immer noch regelmäßig bei mir. Mit dem instrumentalen Intro zu „Forbidden Reality“ ging es los, welches direkt in „Fight (To Stop The Tyranny)“ überging. Weiter ging es mit „Breaking The Silence“ vom gleichnamigen, vorletzten Album. Ab jetzt zogen ASSASSIN leider etwas zu oft neue Songs aus dem Hut, den einen oder anderen Klassiker hätte ich deutlich lieber gehört. „Nemesis“ oder „Abstract War“ wurden von mir sträflich vermisst. Immerhin wurde ich mit „The Last Man“ und dem geilen „Baka“, sowie dem abschließenden „Assassin“ noch recht versöhnlich gestimmt. Mit Frank Blackfire haben ASSASSIN für den ausgestiegenen Michael Hoffman einen weiteren Ruhrpottverteranen aufgenommen, der aber leider größere Probleme mit seinem Sender hatte, der diverse Ausfälle der Gitarre produzierte. Der neue Sänger Björn macht definitiv einen tollen Job und hat eine gleichermaßen geile Röhre wie Original Sänger Robert, allerdings befindet sich mit Scholli mittlerweile nur noch ein Mitglied der klassischen Besetzung des Debüts und aus Demozeiten in der Band, was mir als alten Fan natürlich einen etwas faden Beigeschmack vermittelt. Trotzdem, ein cooler Opener, der mir schön die Müdigkeit aus den Knochen prügelte, leider bei nicht ganz optimalem Sound und noch recht mäßiger Zuschauerzahl.

 

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VAIN

 

VAIN hatte ich seinerzeit (erstes Album „No Respect“ `89) definitiv nicht auf dem Schirm. Entsprechend unvorbereitet und neutral war ich gespannt auf Davy VAIN und seine Mannschaft. Ein Freund hatte mir das erste Album vor ein paar Jahren schon mal ans Herz gelegt, aber so richtig konnte ich mich dafür nicht begeistern. Live ging es mir ähnlich. Die Band spielte gut und souverän ihre Songs, vor allem die beiden Gitarristen konnten mit tollen Leads begeistern. Frontmann Davy, mit dezentem Wohlstandsbauch, war barfuss auf der Bühne viel in Bewegung, sang recht gut, hatte aber doch hier und da ein paar stimmliche Engpässe. Ganz nett…aber mehr nicht.

 

 

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Auch die NWOBHM-Verteranen RAVEN waren eigentlich schon viel zu früh an der Reihe, was das Trio nicht davon abhält, wie gewohnt Vollgas zu geben. Allerdings saß an den Drums nicht wie gewohnt Joe Hasselvander, der aus gesundheitlichen Gründen zurzeit nicht mit der Band touren kann, sondern (laut Homepage) Dave Chedrick von Ruthless, der für die europäischen Dates eingesprungen ist. Die beiden Gallagher-Brüder sind live schon eine Macht. Gitarrist Mark ist mittlerweile eine ganz schöne Maschine geworden und schwitzt sofort wie ein Schwein, ist aber immer voll bei der Sache. Auch sein Bruder John, wie immer mit seinem Kopfmikro viel auf der Bühne unterwegs, ist ständig in Action und auch die hohen Schreie sitzen mit knapp 60 auch noch ohne Probleme. Egal ob „All For One“, „Faster Then The Speed Of Light“ oder „Break The Chains“, die Jungs reissen nach über 40 Jahren immer noch mit. Lediglich „Born To Be Wild“, auch wenn seinerzeit einmal mit Udo Dirkschneider als Single aufgenommen, ist als abschließender Song eigentlich ziemlich abgelutscht.

 

 

DIAMOND HEAD

 

Den Anfang der nächsten NWOBHM Band bekam ich während meiner Runde durch die Stände mit, nach 2-3 Songs war ich dann auch vor der Bühne am Start und ich bemerkte zuerst das etwas zu klein geratene Banner, das recht mickrig über dem Drumkit prangte. Als nächstes fiel mir Sänger Rasmus auf, der auf der Bühne für ordentlich Action sorgte und auch stimmlich ziemlich gut zu den Songs passte. Ich muss aber zugeben, dass ich, außer mit den Hits, noch nie so richtig warm mit DIAMOND HEAD geworden bin. Andere sahen das aber definitiv anders und die Band konnte sich über mangelnden Zuspruch nicht beschweren. Wenn man Songs wie „Helpless“, „The Prince“ und das abschließende „Am I Evil“ im Programm hat, kann man auch nicht so viel falsch machen. Zudem war der Sound auch echt gut und kam mit ordentlich Dampf aus der PA.

 

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VICIOUS RUMORS

 

Zwar dreht sich das Besetzungskarusell bei VICIOUSE RUMORS immer relativ schnell, aber bei einer Sache kann man sich sicher sein, live wird ein gewisses Level nie unterschritten. Ein Paradebeispiel dafür war der Gig auf dem Bang Your Head! Neben den beiden Originalen Geoff Thrope und Larry Howe, ist vor allem der zurückgekehrte Sänger Brian Allen ein großes Plus auf der Bühne, der Interimssänger Nick Holleman stimmlich weit überlegen ist. Allen ist extrem motiviert, auf der großen Bühne ständig in Bewegung und singt vor allem fantastisch. Ein weiterer Blickfang ist Basser Tilen Hudrap. Der schlanke Schlacks, der mit seiner blonden Mähne und den hautengen schwarzen Stetchjeans mächtig was hermacht und quasi eine Blaupause des 80er Jahre-Heavy Metal Musikers ist. Mit Gunnar DüGrey hat man wieder einen jungen Shredder an Bord, der mit den Leads seiner Vorgänger keine Probleme hat. Bei der Songauswahl setzt man selbstverständlich größtenteils auf Klassiker. Nach einem Dreierpack des „Digital Dictator“ Albums („Worlds And Machines“, „Digital Dictator“, „Out Of The Shadows“), gibt es mit „Let The Garden Burn“ und „Murderball“ lediglich  zwei Songs neueren Datums. Auch bei VICIOUS RUMORS hat Gitarrist Gunnar etwas Pech mit seinem Sender, wechselt aber innerhalb weniger Sekunden auf Kabel und hat einen Song später wieder seinen funktionierenden Sender. Mit „Dust To Dust“, „Down To The Temple“ und „Hellraiser“ geht es mit Klassikern im Akkord weiter, bevor sich Basser Tilen im Eifer des Gefechtes mal kurz auf die Nase legt. „Soldiers Of The Night“ und „Don’t Wait For Me“ bilden dann den Schlusspunkt dieses Festivalhöhepunktes. Der Sound war super und die Band agil und motiviert. Eigentlich können VICIOUS RUMORS nicht viel falsch machen, denn gerade von den ersten vier Alben können sie spielen, was sie wollen und erwischen immer nur Klassiker! Bitte jetzt in dieser Besetzung weitermachen!

 

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DOKKEN

 

DOKKEN hatte ich 2003 auf dem BYH schon gesehen, kann mich aber beim besten Willen nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Also standen sie auf meiner „will ich mal (wieder) sehen“-Liste sehr weit oben, was übrigens auch für meine Frau gilt, bei der die Alben der 80er sehr hoch im Kurs stehen. DON DOKKENs Stimme ist zwar auch nicht mehr ganz so frisch, wie damals und die eine oder andere höhere Passage wurde geschickt umschifft. Er lieferte mit seinem alten Kumpel Mick Brown (Drums), sowie Gitarrist Jon Levin und Basser Chris McCarvill aber eine mehr als souveräne Show ab, die unterhaltsam war und definitiv zu den besseren Shows des Wochenendes zählt. Der Sound war, wie bei fast allen Bands am Freitag, sehr gut und Gitarrist Jon kam dem klassischen George Lynch Sound recht nahe. Ansonsten machen „Kiss Of Death“, „In My Dreams“, das allgegenwärtige „Break The Chains“ und vor allem “Dream Warriors” immer mächtig Laune. Toller Gig!

 

 

BYH2017_MichaelSchenler_08.jpgMICHAEL SCHENKER FEST

 

Wie man sein Erbe richtig verwaltet, bzw. den in der Vergangenheit verlorenen Boden wieder gut macht, hatte MICHAEL SCHENKER schon 2014 auf dem BYH unter dem Banner Temple of Rock bewiesen. Dieses Jahr war er wieder zu Gast und legt noch mal einen drauf. Das MICHAEL SCHENKER FEST hat schon vielerorts für Begeisterung gesorgt und das war in Balingen nicht anders. Der Meister spielte und solierte sich erstklassig und mit viel Gefühl durch seinen Backkatalog und wurde dabei von Gary Barden, Graham Bonnet und Robin McAuley souverän flankiert. Der Anfang mit Gary Barden ging leider im Fachsimpleln mit einigen Freunden etwas unter, dafür fiel Graham Bonnet mit seinem pinkfarbenen Sakko jeden Fall sofort ins Auge. Der 69-jährige ist immer noch toll bei Stimme („Desert Song“)  und kompensiert damit sein schon immer wenig Hardrock kompatibles Outfit locker. Letzter im Bunde ist Robin McAuley, den ich mit MSG, seinerzeit als Support für Def Leppard in der Frankfurter Festhalle, in guter Erinnerung hatte. Auch heute ist McAuley noch bestens bei Stimme, besitzt noch seine volle Haarpracht und setzt für das letzte Drittel der Show noch mal einen Höhepunkt. „Bad Boys“ oder „Love Is Not A Game“ präsentieren zwar eher die kommerzielle MSG Seite, sorgen aber trotzdem (oder gerade deswegen) für ordentlich Stimmung. Das MICHAEL SCHENKER ohne UFO Songs von der Bühne geht, ist kaum vorzustellen. Robin McAuley veredelte „Rock Bottom“ exzellent und zum abschließenden „Doctor Doctor“ versammelten sich alle drei Frontmänner, zum großen Finale auf der Bühne, was entsprechend vom Publikum gefeiert wurde.

Der Maestro selber gab sich auf der Bühne eher zurückhaltend und hat den gleichen Schenker Move, wie sein Bruder bei den Scorpions, von denen es übrigens nur das Instrumental „Coast To Coast“ zu hören gab. Eine tolle, kleine Zeitreise, erstklassig dargeboten.

 

 

EVIL INVADERS (Halle)BYH2017_EvilInvaders.JPG

 

Der zweite Besuch in der Halle fand bei EVIL INVADERS statt, die bei gutem Zuspruch zum speedigen Headbangen einluden. Genau gesagt, es gab durchgehend leicht hysterischen Speed-Metal auf die Ohren! Die Belgier sind in Sachen Bühnenaction zurzeit die geilste Live-Band Europas. Ich habe zumindest in letzter Zeit keine Band gesehen, die auf der Bühne dieses Energielevel erreicht. Die Jungs sind komplett unter Strom und stehen, mit Ausnahme von Sänger/Gitarrist Joe, keine Sekunde still und spielen dabei noch tight, wie die Hölle. Das neue Album kommt in einigen Wochen und man darf gespannt sein, ob die Jungs das Niveau halten, bzw. noch einen Schritt nach vorne machen können. In der gut gefüllten Halle kommt die Show definitiv intensiver, als es auf der Hauptbühne der Fall gewesen wäre. Das Posing bei blauem Licht in der Dampffontäne kommt bei Dunkelheit halt einfach besser, als im Sonnenlicht. Zugegeben, es glänzen nicht alle Songs mit guten Hooklines, aber auch wenn man die Songs nicht kennt, sind die Jungs einfach super anzusehen. „Fast, Loud and Rude“ oder „Gatewas To Insanity“ sind affengeile Speedkracher, die immer wieder mitreissen. Wieder einmal eine fantastische Show!

 

 

HAMMERFALLBYH2017_Hammerfall_17.jpg

 

Wieder draußen vor der Hauptbühne gab es noch die letzte halbe Stunde von HAMMERFALL zu sehen. Als Headliner auf dem BANG YOUR HEAD!!! sind HAMMERFALL Wiederholungstäter und sie erfüllen diese Rolle locker. Nachdem ja eine spezielle „Glory To The Brave“ Show angekündigt wurde, hätte ich ja das komplette Album für heute erwartet, stattdessen gab es „nur“ I Believe“, „The Dragon Lies Bleeding“ und „Glory To The Brave“, sowie das schon von der Tour bekannte „Medley To The Brave“. Als großer Fan des ersten Albums hätte ich da zwar etwas mehr erwartet, die Show mit den Feuerfontänen und opulenter Bühnendeko konnte sich allerdings sehen lassen. Zusammen mit den vielen Hits (auch neueren Datums) waren die Schweden der perfekte Abschluß-Headliner des diesjährigen BANG YOUR HEAD!!! Das Publikum sah das ähnlich und feierte bis zum aus „Hammer High“, „Bushido“ und natürlich „Hearts On Fire“ bestehendem Ende ordentlich mit. Es moserten auch einige Stimmen rum, das die Jungs Playback spielen würden, was natürlich völliger Käse ist. Einige Chöre kamen vom Band, das war’s aber auch schon. Ein sehr unterhaltsamer Headliner...auf jeden Fall!

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Gig von VINCE NEIL am Freitag, gab es noch eine Ansage von Veranstalter Horst, der zu diesem Zeitpunkt auch nicht wirklich begeistert von Neils Darbietung war. Das heizte die Diskussionen am folgenden Tag natürlich noch ordentlich an.

Traditionell gab es am Ende des Festivals, kurz vor dem Feuerwerk, noch eine kurze Rede von Veranstalter Horst, der sich für seine im Ärger etwas unüberlegte Rede zu Vince Neil vom Vorabend entschuldigte und die Wogen etwas glättete und sogar in Aussicht stellte, noch einmal mit Vince Neil zu arbeiten. Im Netz waren in den folgenden Tagen einige unschöne Äußerungen zu lesen, aber ein Interview mit dem Chauffeur-Team, das Vince Neil während dem Festival kutschierte, wirft ein etwas anderes Licht auf die Sache (siehe Link).

Das soll genug zum Thema sein. Bin gespannt, was 2018 vom 12.-14.07. auf dem Billing stehen wird…immerhin gilt es 20 Jahre Open Air zu feiern!

 

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.balingen-bang-your-head-fahrer-verteidigen-vince-neil.e38abc72-7b8e-4b66-9b0b-dcb5d279fb56.html

 

Vielen Dank an Folkert Meyer (Dead Lord & Rose Tattoo) und Frank 'Prilli" Prilipp (Krokus) für die Gastbeiträge.

Ebenso vielen Dank an Britta Stippich für die Bilder (Rose Tatoo, Vince Neil, Hammerfall, Michael Schenker)

Alle  anderen Texte und Bilder von Holger 'Schnuller' Ziegler


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