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Wacken Open Air 2022 (Festivalbericht)

Wacken Open Air 2022 (Festivalbericht)
(Acker)

 

Vorher:

Da fand es dann wirklich statt. Wie alles eben 2 Jahre Pandemiebedingt Pause, im ersten Jahr noch mit Online Streaming namens „Wacken World Wide“ etwas kompensiert, im 2. Jahr dann versucht mit „Bullhead City“ ein entzerrtes eigenes Festival im September zu kreieren, welches kurzerhand dann doch nicht stattfinden durfte. Aber dann war es soweit. Wacken öffnete wieder seine Pforten und dass einiges anders sein sollte, war im Vorfeld schon klar.


Aber auch das war schon immer Wacken: Veränderung. Manchmal gingen diese in die Hose, dann wurde schnell nachgebessert, manches etablierte sich, aber kein Wacken verlief von den Geländeplänen bis hin zur Durchführung exakt so wie das Vorjahr. Die größten Änderungen, die ehemals Party Stage also jetzt Louder Stage aus dem Hauptgelände zu entkoppeln und auf komplett Cashless Payment zu setzen, sorgte im Vorfeld für Diskussion. Aber auch das ist normal, erstens wurde eh immer alles Neue mit Skepsis oder Entsetzen betrachtet, da die Nörgler im Internet eben immer lauter sind und Zweitens schreit der Mensch halt eben nach dem Gewohnten vor der Pandemie, Änderungen gab es schließlich in den letzten 2 Jahren genug. Aber es lief gut, sehr gut. Nicht alles, aber das Meiste, die Stimmung war wieder einmal unvergleichlich, auch wenn man den Eindruck hatte, die stillen Wettbewerbe, wer das bekloppteste Camp oder freakigste Kostüm hatte, waren etwas zurückgefahren.


Das Feeling, welches eben noch ein Stück gelöster, witziger, entspannter und verrückter ist als auf anderen Festivals, war exakt so wieder da, wie man es 2019 zurück gelassen hatte.

 

 

 

 

Dienstag 02.08.2022:

Wacken ist definitiv zu groß, um alles zu erleben, zu sehen, zu erkunden oder zu beurteilen. Also spiegelt dieser Bericht natürlich nur das eigens erlebte wieder. Etwas erschwert dadurch, dass die zugesprochenen Pressetickets halbiert wurden. Ob dies zugunsten eines neuen bezahl Campingplatz namens „Bauer Uwes Garten“ passierte, welcher sich angrenzend an den VIP Campingplatz befindet? Spekulation. Das Moshtel wurde ja schon vorher etabliert, neu hingegen war die Residenz Evil. Hier soll es gerüchteweise als Entschädigung für Komplikationen bei der Anreise dann einen Zugang zum VIP Bereich gegeben haben. Auch hier, der VIP Bereich vergrößerte sich in den letzten Jahren immer mehr, immer mehr Gäste beanspruchten diesen, was dazu führte, dass Laptop Plätze oder das Presse Zelt aus allen Nähten platzte und somit gerade Journalisten, die tagesaktuell posten oder eben aus aller Welt daher kommen ihre Arbeit nicht gut verrichten konnten. Die eigene Erklärung, durch die Halbierung der Pressetickets dies zu normalisieren wird auf jeden Fall ad absurdum geführt, wenn oben beschriebenes zutrifft.


Ansonsten gab es zwar weite Wege bei bestimmten Campingplätzen, aber dies ist ja auch nicht neu. Dass ein Duschcamp am Dienstagabend noch nicht betriebsbereit war, ist aber so nicht hinnehmbar, wenn die offiziellen Öffnungszeiten des Campingplatzes Montags 12 Uhr sind. Dafür waren diese aber die restlichen Tage selbst zur Vormittagszeit nicht überfüllt. Dass die Spühltoiletten am gleichen Ort dann Mittwoch Morgen immer noch nicht Betriebsbereit sind, ist wirklich ein Ärgernis.
Reibungslos hingegen war die Dixisituation auf den entlegenen Campgrounds. Hier wurde min. 2x am Tag geleert und es gab keine Schlangen davor. D.h., hier waren wohl ausreichende aufgestellt.
Die Toiletten im Infield sollten sich anders darstellen. Teilweise gab es meterlange Schlangen mit dazugehörigen Wartezeiten, selbst an den Pinkelrinnen für Männer. Den Gipfel erreichte das Ganze am Freitagabend, als mit Behemoth, In Extremo und Slipknot anscheinend drei krasse Zugpferde dafür sorgte, dass ganz Wacken im Infield mit Harndrang rumgammelte. Solche Schlangen gab es vorher noch nie und sogar die Wacken App schaltete sich mit dem Hinweis ein, wo es noch freie Kapazitäten gäbe – mit einigen Stunden Verzögerung wegen Netzüberlastung.
Da hier aber temporäre Probleme vorlagen, kann nicht unbedingt von einer Fehlplanung die Rede sein. Nachbessern wäre dennoch angesagt.


Die Bändchenausgabe hätte definitiv auch besser laufen können. Hier gab es gefühlt zu jeder Tag und Nachtzeit riesige Schlangen, die sich zwischen 30 Minuten und über zwei Stunden einpendelten. Das geht definitiv besser. Vielleicht nicht ohne Wartezeit, aber unter einer Stunde sollte machbar sein mit ordentlicher Vorplanung. Erfahrung dürfte ja vorhanden sein.
Die Anreise dürfte bei den Besuchern unterschiedlich gewesen sein, jedenfalls wurde hier im Vorfeld durch Umfragen versucht zu ermitteln, wann die größten Stoßzeiten sind, um vorzuwarnen. Da Wacken aber nunmal nicht von diversen Autobahnen mit dazugehörigen Ausfahrten umzingelt ist, wird hier der ein oder andere Stau nie vermeidbar sein. Die Abreise hingegen verlief erstaunlich reibungslos. Es dauerte zwar seine Zeit, vom Gelände zu kommen, der Rest verlief aber erstaunlich gut, außer eben mit dem unsäglichen Elbtunnel. Hamburg, was stimmt hier nicht mit dir?


Die Essensauswahl war wie immer riesig. Was hier auffiel war, dass die Preise bei teilweise identischem Angebot unterschiedlich waren, je nach Standort der Bude. Ebenso erging es dem Preis-Leistungsverhältnis und auch der Qualität der Speisen. Ein durchgängiges Fazit hier zu ziehen, würde niemand gerecht werden. Es gab Gutes und weniger Gutes, angemessenes und überteuertes, satt machende Portionen wie Häppchen zum gleichen Preis. Hier lohnte es sich, die Augen offen zu halten und sich eben die Portionen mal anzuschauen.


Beim Bier wurde auf Krombacher umgeschwenkt, Geschmacksache eben. Hier kostete ein 0,4 Becher 5 Euro. Gleiches konnte bei vorangegangenen Großevents schon beobachtet werden und war also durchaus als normal anzusehen. Bzw. gab es auch andere Events, die über diesem lagen. Ausreichend Trinkwasserstellen waren vorhanden und bei der Bandausgabe gab es zwar keinen Full Metal Bag mehr, eine Wasserflasche zum wiederbefüllen war aber für jeden drin, sodass hier bestimmt nicht gemeckert werden konnte.
Die Bierpipeline ist ja bekannt, im Infield gab es aber diesmal sogenannte Bierjets. Diese befüllten fünf (?) Becher automatisch auf einmal, sodass hier ein schnelles Zapfen angesagt war. Allerdings machte dies auch den Eindruck, als sei es schneller abgestanden und schal. Und an mindestens einem Stand (zwischen Harder Bühne und neuem Biergarten) gab es einen undefinierbaren Beigeschmack, der das Trinken dessen fast unmöglich machte. Hier sollte untersucht werden, was da nicht stimmte.


Die neue Geländeaufteilung funktionierte überraschend sehr gut und entzerrte das Infield unglaublich. Der Biergarten im Innenraum störte nicht, im Gegenteil, er sorgte für Ruheplätze mit Blick auf eine große Leinwand, auf der die Hauptbühnen übertragen wurden. Das Bullhead City kam ohne Zelt aus und auch dies sorgte für eine angenehmere Platzfindung. Und der von mir ständig gelobte Sound bei diesen beiden Bühnen litt erstaunlicherweise nicht durch fehlende Zeltwände.
Etwas vermisst wurde die Händlermeile und der Metalmarkt. Ob hier zu wenige Händler angefragt hatten, ob es zu wenige momentan gibt oder ob dies aus anderen Gründen nicht realisierbar war? Sollte sich dies wieder zurückändern lassen, wäre die Masse bestimmt dankbar.


Das Fest im Dorf darf mittlerweile auch von zwei Seiten betrachtet werden. Einerseits für viele Festivalbesucher eine Tradition, für die Bewohner eine gute Entschädigung für eine Woche Chaos und somit eigentlich eine gute Sache. Allerdings soll es angeblich genau dort immer mehr „Touristen“ ohne Ticket geben, die rumpöbeln und versuchen, selbst in geschlossenen Gasthäusern ihre Ballermann Party oder ihren Junggesellenabschied durchzuziehen. Durch das 9 Euro Ticket sicher in diesem Jahr noch mehr als sonst, sollte dies nicht so sein. Allerdings könnte eine Kontrolle am Bahnhof und ein Zugang nur mit Ticket oder Bändchen dies bestimmt besser regeln, als die Beschränkungen dieses Jahr, welche den Bewohnern erst am Mittwoch den Ausschank erlaubte und dies auch nur bis 22 Uhr. Hier werden die Veranstalter bessere Einblicke haben, sollten aber immer bedenken: ohne den Support des Dorfes wird es nicht funktionieren.


Die Metal Disco lieferte dann endlich mal das ab, was von solch einer gewohnt war: Gute, abwechslungsreiche Musik jeglichen Genres, über bekannte Gassenhauer bis hin zu etwas speziellerem, aber stets zum mitfeiern und in ordentlicher Lautstärke. Hier bitte mal genau hinschauen, um bei anderen Festivals nachzusteuern. Die Stimmung zeigte, dass es genau so verlangt und abgefeiert wird.


Mambo Kurt war allgegenwärtig und erheiterte mit seinem Nichtkönnen die, die es wollten, die Firefighters durften diesmal Samstags ran und die viel diskutierten Höhner spielten Samstag um 11:11 Uhr auf der kleinesten Bühne und klauten somit auch keinen Platz. Ein Headliner Slot auf der Hauptbühne bei einem Non-Metal-Act wie seinerzeit Santiano muss auf einem Metal Festival wirklich nicht sein. Das hier aber? Who cares? Nur Leute die ihre Darmbeschwerden in Form von Facebook Wutausbrüchen verbalisieren müssen.


Insgesamt gab es also die beiden Hauptbühnen Faster und Harder, die ausgelagerte Louder, die W.E.T. und Headbanger Stage beim Bullhead City, die Wackinger und Wasteland Stage sowie die Welcome To The Jungle Stage. Als neunte Bühne sollte in diesem Jahr die LGH (Landgasthof) Bühne neu etabliert werden. Die ursprünglich 8. Bühne, die Beergarden Stage, fehlte. Die Kirche wurde anscheinend nicht mitgezählt. Ob sich die LGH etablieren wird bleibt fraglich.
Und das Wetter? Minimale Nieselanfälle, ein angekündigtes Gewitter welches nie ankam und ein Hitzetag (Donnerstag), ansonsten angenehmes Wetter, nicht zu kalt, nicht zu warm, sorgten für das beste Wackenwetter seit Jahren. Danke dafür – an wen auch immer.

 

 

Mittwoch 03.08.2022:

Der Wacken Wednesday sollte 2020 erstmals etabliert werden, ursprünglich mit anderen Künstlern, u.a. Lindemann als Headliner. Warum dieser ca. 2 Monate vor dem eigentlichen Festival nun im Jahre 2022 absagte, bleibt ein Mysterium. Jedenfalls wurde mit Avantasia ein neuer Headliner gebucht und das Programm stilgerecht angepasst. Im Vorfeld aber gab es schon die Ankündigung, das Wacken 2023 würde im Ticketpreis (der natürlich angehoben wurde) den Mittwoch beinhalten, sodass man von ausgehen konnte, dass dieser zusätzliche Tag mit extra Ticket nicht wirklich viel Zuspruch erntete. Und das konnte dann auch am Tag selbst beobachtet werden.


Die Brothers of Metal z.B. waren dann eine der Bands, die exklusiv auf der Louder Stage spielten. Laut Internet 2012 als reines Spaß Projekt gegründet liest sich dies allerdings schöner als es den Anschein macht. Hier werden einfach alle gängigen Metal Klischees bedient, die dem jungen Wacken Publikum gefallen könnten: weiblicher Gesang, männlicher Gesang, Hymnenartige Chöre, Songaufbauten die nicht zu kompliziert sein dürfen, Wikinger Themen, True, blood und fight in jedem Lied als Wort, ein wenig Kriegerbemalung. Puh, es fällt schwer, dies als Spaß und nicht als Kalkulationsprojekt abzutun.


Aber abseits des Exklusiv Feldes gab es ebenfalls Live Musik zu verzeichnen. So spielten Mr Irish Bastard ihren Folk Metal lustig auf der Wackinger Stage. Es herrschte gute Stimmung aber kein Gedränge und auch hier war also gut kalkuliert, sowohl mit der Band als auch mit dem Platz, denn das Wackinger dient ja bekanntermaßen auch im hinteren Teil als Mittelalter Camp für die Schausteller und im vorderen Teil für Met und alternative, meist fleischlastige Speisen (ultra hoch im Kurs, der Zyklopenspieß). Abwechslung war aber auch auf dieser Bühne, so spielten danach Nothgard ihren geilen Death Metal ins Publikum, während auf der W.E.T. Stage der unkaputtbare Michael Monroe das Publikum bespaßte. Zuvor durfte hier die All Girl Cover Band The Iron Maidens ran, die in diesem Jahr zuhauf in Deutschland unterwegs waren.


Auf der Wasteland Stage warfen derweil Onslaught ihren Thrash Metal ins hungrige Publikum. Leider erlaubte es die Zeit nicht, nahe genug heran zu kommen um zu analysieren, wer da jetzt genau sang, denn eigentlich sollte dies nach dem Ausstieg von Sy Keeler David Garnett sein. Hier jedoch spielte der vermeintliche Sänger auch Gitarre, was nicht so ganz zusammenpasst. Jedenfalls wurde die Show ordentlich von ständigen Feuerfontänen untermalt.


Währenddessen gaben sich Epica im Special Infield große Mühe, die Gäste bei Laune zu halten, nachdem dort gefühlt die Hälfte an den überforderten Bierständen stand. Dies sollte allerdings das letzte Mal sein, dass die Bierstände nicht hinterher kamen, es sei denn, man stellte sich extra dumm an und nahm eben genau den, wo am meisten Leute standen und nicht z.B. den auf genau der Rückseite. Anscheinend aber gibt es nach wie vor ein Publikum für den ausgelaugten Wechselgesang den Epica aalglatt poliert präsentierten.


Dann wurde es Zeit für Tobi Sammet und Avantasia. Derzeit auf vielen europäischen Metal Festivals als eingesprungener Headliner unterwegs mit einem Heimgastspiel in Fulda zog Tobi und seine Mannschaft ein gut eingespieltes Programm vom Stapel. Neben den üblichen Gastsängern wie Jorn Lande oder Bob Catley durfte diesmal Ralf Scheepers ran, der dann auch passenderweis vornehmlich die Parts von Michale Kiske übernahm bzw. natürlich auch den neuen Song „The Wicked Rule The Night“ souverän performte. Sonst allerdings, auch wenn die Songs die Fans natürlich begeistern, muss langsam mal beanstandet werden, dass die immer gleichen Tracks zum Zuge kommen in einem Repertoire, das mit neun Studioalben mittlerweile für genügend Variation sorgen könnte.

 

 

 

 

 


Tobi an sich war sehr gut drauf, redete relativ wenig („was? So viel Zeit noch? Red ich zu wenig?“) aber wirkte, als ob er entweder von der Stimmung oder aber von ein paar Tropfen Alkohol beschwingt wäre und sorgte so für Spaß, der frisch und ungezwungen daher kam. „My name is Tobi, your name is Wacken“ und zum Schluss die obligatorische Zusammenführung von „Sign Of The Cross“ und „The Seven Angel“ ohne ausufernde Bandvorstellung sorgten für ein knackiges, rundes Erlebnis, welches die Gäste auf den Zeltplatz, zur Metal Disco oder wohin auch immer entschwinden ließ, um entspannt in den Donnerstag zu starten. Den einst als Bonustag geplanten Donnerstag wohlgemerkt.

 

 

 

Donnerstag 04.08.2022:

A Night To Remember, unter diesem Motto startet vor Urzeiten mal das Motto des Donnerstags und als eine der ersten Bands durften dann Thundermother ran, die Metal und Hard Rock Band, die wohl am meisten Konzerte während der Pandemie zockte. Wenn sonst nichts stattfand, die All Girl Band spielte gefühlt jede Woche während der zwei Jahre mindestens einmal. Ob‘s für einen zukünftigen Aufstieg reicht? Da ist Energie auf der Bühne, Radioairplay und Songs, die sich auch etwas festsetzen. Allerdings fehlt die gewisse Eigenständigkeit und es macht den Eindruck, als ob hier wie seinerzeit Airbourne eine Band durch extrem hohe Bereitschaft und Aufopferung nach oben klettert, dann aber stehen bleibt und evtl. auf eine Sprosse fällt, die nicht die gewollte (und dann gewohnte) Höhe hält. Mal schauen.


Es war heiß und so kam es, dass vorm Slushy Stand die gleiche Menge Leute standen, wie am Bierstand. Skyline eröffneten dann wie gewohnt die Hauptbühne im richtigen Infield. Umrundet wurde das Set bestehend aus Coverversionen von den beiden Eigenkompositionen, die die Band 2019 zum Jubiläum des Festival einspielte: „Thirty Years Ago“ und „This Is W.O.A.“. Gerade letzterer dürfte vielen aus den Harry Metal Videos vom Aufbau des Festivals bekannt sein. Die Covers sorgten für Stimmung und Abwechslung bei den Zuschauern. Sänger Dan glänzte mit richtig gutem Gesang, leider aber kamen keinerlei Gastsänger ins Spiel, wie dies sonst immer der Fall war. Noch nicht einmal Doro schaffte es. OK, einen Möchtegern Biff Byford gab es dann doch, der sich aber als seltsamer Schauspieler entpuppte. Denn es wurde überraschenderweise ein Dreh für eine kommende Wacken Serie in Szene gesetzt. Sehr zur Belustigung der anwesenden Zuschauer.


Mister Misery zockten mit weiß geschminkten Gesichtern und farbigen Konstaktlinsen keinen reinen Gothic , sondern eher modernen Metal, denn die harten Strophen wurden von fast schon zerbrechlichen Melodien im Refrain unterbrochen. Zum Schluß des Sets war die Meute jedenfalls so begeistert, dass ein staubiger Pit entbrach.
Als nächstes warteten Grave Digger auf. Nachdem diese schon auf dem Rock Hard Festival einige Dudelsack Spieler auf der Bühne hatten musste dies natürlich getoppt werden und so standen drei volle Reihen Dudelsäcke gestapelt auf der Reihe (80? Keine Ahnung). Ebenfalls hatte die Band einen Clean Gastsänger mit auf der Bühne, der anfangs seltsamerweise lauter als Chris Boltendahl abgemischt wurde. Bei „Excalibur“ glänzte Axel Ritt mit einem mega geilen Solo und warf sich das ganze Set über gewohnt in Posen, die inklusive Gitarrenspiel sehr anstrengend aussahen. Natürlich durfte „Rebellions“ nicht fehlen. Allerdings macht es in Wacken immer den Anschein, als versuche die Band ihren Riesenüberraschungserfolg von 2001 zu wiederholen, was einfach nicht gelingen kann. Für jeden, der damals dabei war, wird es wohl DAS Highlight in der Karriere von Grave Diggers Live Auftritten bleiben.


Rose Tattoo fingen derweil schon mal auf der Louder Stage, ihren Aussie Rock unters Volk zu bringen. Angry Anderson, mittlerweile 75 (!!!), versprühte schon immer das Feeling eines Kneipensängers. Leider aber war er auch der einzige der Band, der etwas ausstrahlte, der Rest sah leider aus wie eine drittklassige Kirmesband am Sonntagabend. Dennoch feierten die Fans ihre Bnd ab und bei „Rock n Roll Outlaw“ wurde Anderson nicht müde, dieses mit „Freedom“ einzuläuten bzw. im Mittelteil wie ein Mantra runterzubeten.


Bei Dirkschneider durfte man gespannt sein. Mittlerweile verliert man ja den Überblick, mit oder ohne Bundeswehr Orchester, als Old Gang oder einfach nur U.D.O. oder doch mit alten Accept Klassikern? Letzteres war heute der Fall, wohl auch eine Nummer Sicher bei dem Publikum. Jedenfalls kam aber auch der mittlerweile 70jähige (!!!) Udo richtig aus sich raus. Sonst entweder durchgängig mit Sonnenbrille unterwegs oder aber die Augen konstant zu, blickte dieser ins Publikum, nutzte die Bühnenfläche und wirkte zu keiner Sekunde so alt. Der ein oder andere mag sich noch erinnern, dass beim Intro von „Man & Machine“ die Bässe so dröhnten, dass jeder, egal in welchem Zustand, die Toiletten im Infield verließ. Erinnerungen wurden jedenfalls auch dieses Mal wach, denn der Bass dröhnte nicht nur in den Ohren, sondern ging durch die Erde in die Beine und den restlichen Körper. Richtig heftig und irgendwie kurz vor der Schmerzgrenze. Bei „Princess Of The Dawn“ sang dann auch wirklich ganz Wacken mit (kein Scherz, wir haben extra durchzählen lassen und kamen bei 75.000 an) und die Truppe rund um den German Tank entließ die Fans glücklich in den Abend.


Offiziell angekündigt als „Guardians Of Asgard“, angeblich eine Amon Amarth Coverband, sogar mit eigener Homepage, wurde die Erwartung geschürt und man solle die Augen offen halten. Was Manowar können, können die Wickinger doch schon lange und so trat also die Original Band als nicht ganz so geheimem „Secret Gig“ auf. Doch wo? Aufmerksame Beobachter stellten fest, dass es nicht nur ein riesiges Tor zwischen den beiden Hauptbühnen gab, sondern dass darüber auch eine Plattform zu sehen war und bei Dirkschneider an einem Schlagzeug geschraubt wurde. Und so kam es, dass Amon Amarth wohl die geilste Aussicht genoss, die jemals eine Band beim Spielen auf Wacken gehabt haben dürfte. Ein kurzes Gastspiel, ein neuer Song und zum Schluss natürlich „The Pursui Of Vikings“ und ein Johan Hegg, der Mühe hatte sein Grinsen wegzustecken um vernünftig zu growlen. Geile Sache ohne allzu große Überraschung.


Die gab es bei Overkill dafür. Positiv: Blitz trat im Wacken Shirt auf, in meinem Gedächtnis findet sich sowas (Musiker auf Wacken im Wacken Shirt) jedenfalls nicht wieder. Neutral: Die Setlist bot gängige Hits wie „Hell From The Gutter“, „Wrecking Crew“ oder „Welcome To The Garden State“. Negativ: Der Sound. Irgendwie ballerte in Höhe des Soundturms nicht wirklich viel. Vielleicht war es vorne besser? Jedenfalls kam von den grünen Männlein sonst schon mehr Druck rüber. Kurzzeitig gab es bei „Rotten To The Core“ auch mal Mikrophon Probleme, was Blitz nicht davon abhielt, enorm Spaß zu verbreiten: „verpiss dick“ als Deutschkenntnis im Song „Fuck You!“ kommt gut rüber.


Dann wurde es Zeit für den Headliner Judas Priest. Die Bilder der Show mit dem riesigen Painkiller Kreuz kursierten ja schon wochenlang im Internet, da die Band schon einige Einzelshows und Festivals hinter sich hatte. Rob Halford, als dritter Sänger heute mit Ü-70 unterwegs, glänzte nicht nur durch einen neuen Nasenring. Der Mann schaffte es, die höchsten Töne herauszuholen und sah dabei nicht im Entferntesten angestrengt aus, wie z.B. sein Fast Nachfolger Scheepers (sorry Ralf). Es ist ein Rätsel, wie er das schaffte, nachdem er vor einigen Jahren überhaupt nicht mehr gut bei Stimme war. Der Telepromter ist schon lange kein Geheimnis mehr, aber auch hier heute eine Überraschung: die gebückte Haltung davor wurde oft aufgegeben und es wurde während dem Gesang über die Bühne stolziert und Späße mit dem Publikum getrieben. Auch hier gilt: So losgelöst und locker hatte man Rob vor der Pandemie lange nicht gesehen. Aber auch Richie glänzte mit einem Super Gitarrenspiel und Drummer Scott durfte dann die Ansage vor Painkiller geben, man habe uns mehr vermisst als wir sie. Ballerte das Painkiller Drumintro mit einer Lockerheit durch und grinste einfach nur vor sich hin. Ein Hammer Auftritt einer Hammer Band zum 50 jährigen (!!!) Bestehen. Wahnsinn!


Wer keine Lust auf diesen Reinmetall hatte, der durfte sich einem Gemetzel auf der Louder hingeben, denn Gwar riefen zum zweiten Mal auf Wacken zum Schlachtfest auf. Und das hatte es in sich. Fast bei jedem Lied wurde jemand dahingemetzelt. Sei es die Queen, Biden oder als „Vlad The Impaler“ (schöner Insider auf einen früheren Song der Band) angekündigter Putin.Das Blut und Sperma spritzte literweise, mal rot, mal blau, sodass die Security mit Regenjacken im Graben standen und die Kameras in Säcke verpackt werden mussten. Schön nochmal „Sick Of You“ zu hören, der schon als zweites gespielt wurde und bei dem ein geköpfter Biden lustig mit den Armen zum mitmachen animierte. Sänger Blothar machte seine Sache zwar gut, aber gerade bei den alten Stücken merkte man, Oderus fehlt (R.I.P.). Den Abschluss bildete die AC/DC Nummer „If You Want Blood“ und es wurde nochmals aus allen Rohren gefeuert.
Eine Night to Remember? Mit Sicherheit!

 

 

 

Freitag 05.08.2022:

Nachdem der Donnerstag das Open Air mit einem Gewitter verschonte, gab es dennoch eine (benötigte) Abkühlung und ab und zu kamen auch kleine Tropfen durch. Crypta, die All-Girl Band aus Brasilien mit gerade einmal einem Studio Album am Start, machten am frühen Mittag enorm Druck auf der Headbanger Stage und man kann getrost attestieren, dass hier was großes heranwächst. Diese Band gilt es im Auge zu behalten, was Sepultura nicht mehr schaffen, ist hier enorm zu spüren. Sehr geil!


Dafür gab es zur gleichen Zeit im Infield mit Kissin Dynamite das weichere Kontrastprogramm, aber nicht weniger Energiegeladen. Nur eben anders. Die Schwaben verstehen es blendend, die Massen zu unterhalten und sich selbst auf der Bühne zu inszenieren. Und bei allem Großkotz und Machogehabe (offenes Hemd bis zum Bauchnabel, Thron und Krone bei „I Will Be King“ usw.) merkt man der Band an, dass dies rein zu Showzwecken vorhanden und nicht auf die Charaktere zu beziehen ist. Gitarrist Jim Müller, schon immer mega agil unterwegs, bangt mit seinem Kopf in eine Nebelfontäne sodass die Haare nur fliegen und Hannes lässt es sich zum Schluss nicht nehmen, per Crowdsurfing auf Tuchfühlung mit den Fans zu kommen. Auch wenn er per Handzeichen gerne diesen Ausflug eher beendet hätte genießt er es doch sichtlich und mit „Not The End Of The Road“ hat die Band wohl auch den Hoffnungssong schlechthin in der Pandemie herausgebracht. So lässt es sich angenehm in den Tag starten.


Auf der W.E.T. Stage spielten derweil Lost Society. Und irgendwie war klar, dass die Band ihren Stil verändert hatte, doch vom Image des Debüt Albums (lupenreiner Thrash mit ebensolchen 80iger like Bildern) war nicht mehr viel übrig. Vielmehr gab es nun Songs im Stile von Trivium oder Metalcore zu hören, zwar heftig aber auch teils mit Herzschmerz Refrains ausgestattet und Sänger Samy kam mit seinem Netzhemd, geschminkten Augen und blauen Haaren einem Emocore Prototypen doch sehr nahe. Die Fans aber wussten, worauf sie sich einließen, folgten der Einladung zum gemeinsamen Hinknien und des gemeinsamen Aufspringens und auch hier gab‘s ein Crowdsurfing des Sängers zum Abschluss.


Und wenn die W.E.T. verstummt, erklingt kurz darauf die Headbanger. Eisernes Gesetz in Wacken und Freedom Call kämpften für zwei Songs mit schlechtem Sound. Doch als die Probleme erst gelöst waren, knallte der Happy Metal der Franken dafür fast so krass, wie tags zuvor der von Dirkschneider. Am Fanaufkommen und dem Mithüpfen, Klatschen und Singen sah man ganz deutlich, Freedom Call haben eine immense Fanbase die es nicht zu verachten gilt und da hier internationales Publikum zugegen war, wäre die Band sicher auch auf einer Hauptbühne nicht untergegangen. Chris Bay ist mit seinem 3 Millionen Shows mittlerweile ultra routiniert und dennoch mit dem gleichen Spaß wie vor Jahren bei der Sache und es wurde Zeit, dass die Launemacher nach Jahren der Abstinenz wieder auf den Acker zurückkehrten. Ultra genial auch, den Party Song „Far Away“ wieder auszugraben. Mehr gute Laune kann an einem Freitagmittag eigentlich nicht verbreitet werden.


Auf der Louder Stage beendet kurz danach auch Therapy? ihr Set mit „Nowhere“ und Sänger Andy Cairns sah irgendwie ziemlich müde und fertig aus.
Am Nachmittag dann wurde die Zwischenbühne des Un-Secret-Gigs von Amon Amarth ein zweites Mal beackert. Dieses Mal aber von Hämatom meets Saltatio Mortis. Hämatom sind mittlerweile so etwas wie die zweite Doro geworden. Mit dem Unterschied, dass sie zugleich noch den zweiten Onkel Tom darstellen, denn selbst eine Doro schaffte zu Hochzeiten nicht eine solche Überpräsenz, wie die polarisierenden Deutschrocker. Donnerstag eine Berlin Show, Freitag ein Secret Gig, Samstag ein normales Programm auf der Hauptbühne, zwischendurch ein Gewinnspiel mit Ballonfahrt und soweit ich grade nachdenken kann die einzige Band, die auch auf dem Wacken World Wide vertreten war und in diesem Jahr live antreten durfte/konnte. Sei’s drum, mit „Wo sind die Clowns“ gab‘s dann wenigstens Abwechslung in Form eines Saltatio Songs und auch gesungen von deren Frontman, sodass die Berechtigung hierfür auch irgendwie gegeben war. Gegenüber dem majestätischen und vom Publikum herbeigesehnten Auftritt von Amon Amarth allerdings werden einige wahrscheinlich von einer Entweihung der Hochbühne sprechen.


Sollte sich also Wut aufgestaut haben, war dieser am besten bei der W.E.T. Stage abzubauen, denn hier zockten Nasty mit einem krassen Moshpit und hektisch wirkendem Gesang ihren Hardcore ins Publikum. Das INfield hingegen füllte sich immer mehr und Behemoth versuchten, böse Atmosphäre mit schwarzen Rauchsäulen nach Wacken zu tragen. Mir selbst fäällt es schwer, die Mode Ikone aus Polen enrst zu nehmen bzw. wenn Herr Nergal dann einen Papsthut trägt oder einen roten Umhang, werden Erinnerungen an Ghost wach. Und auch wenn Ghost eher nach Abba denn böse klingen, kommt mir das gebotene von Herrn Forge authentischer vor, als das hier gebotene. Mit hypnotischem Outro verabschiedete sich dann die Band. Doch wo z.B. Rammstein ihre Show und damit ihre Rollen beenden und sich vor dem Publikum verbeugen, wird bei Behemoth die Chose bis zum Schluss durchgezogen und auf ein Dankeschön, Tschüss, eine Verbeugung oder ähnliche Gesten warten die Fans vergebens. Soll wohl zeigen wie ernst man es mit dem Black Metal meint?


Während das Infield mittlerweile immer mehr überflutet wurde, spielten Soen auf der Headbanger Stage. Das kam bei den Gästen gut an, das hörte sich allgemein gut an, aber irgendwie ist Soen leider keine Wacken bzw. Festival Band. Höchstens vielleicht als letzte Band zum Entlassen in die Nacht. Denn Soen spielen wunderschöne, melancholische Melodien zum Träumen, aber keinesfalls zum Party machen. Die kam eher bei Venom auf, die gleichzeitig auf der Louder spielten. Die Old School Black Fans freuten sich einen Ast und während der Drummer ein umgedrehtes Kreuz mit seinen Sticks Richtung Publikum streckte, verabschiedete sich Cronos am Ende mit „We will return“. Ob er damit meinte, dass sich die Band bei lautem Gedröhne nochmal vom Publikum verabschiedete oder eher nochmal nach Wacken kommen möchte? Wer weiß? Jedenfalls wissen die Briten im Gegensatz zu Polen, wie man böse wirken, eine Show mit Spaß abzieht und sich zeitgleich dankbar zeigen kann.

Die ultimative Party im Infield stand mit In Extremo unmittelbar bevor und es schien fast, also ob kaum ein Besucher eine Abneigung gegen die Sechs Mittelalter Rocker habe. Das Set entpuppte sich als Best Of und ausländische Besucher staunten nicht schlecht, als jedes Wort von „Sternhagelvoll“ lautstark während schunkelnder Tänze mitgesungen wurde. Zu „Lieb Vaterland“ gab‘s dann auch mal eine Ansage zur Weltlage, aber eben nur zu dieser. Erstaunlicherweise waren Stimmen wie Flaggen und ähnliches zum Ukraine Konflikt rar bis gar nicht verbreitet. Ob es schon zu normal ist? Ob die Bands sich bedeckt halten sollten oder wollten? Wie auch immer, In Extremo lieferten ab und beendeten stilecht mit „Pikse Palve“.


Schon während In Extremo füllte sich das Infield so knallhart, dass man erahnen konnte, was danach losbrechen würde. Und bei der geballten Energie, dem kontrollierten Irrsinn und der Wucht, mit der Slipknot, die noch eine Woche zuvor ihr eigenes Festival im Pott abhielten, die Bühne zerstörten, kann man sich nur ausmalen, wie extrem es in den vorderen Reihen abging. Wackenwürdig, Headlinerwürdig und hoffentlich irgendwann erneut eingeladen, lieferten die Maskenmänner ab und ballerten den Acker in Grund und Boden. Selbst von den Eingangsschleusen aus zog einen die Band mit ihrer Wucht so dermaßen in ihren Bann, dass man aus dem Staunen nicht mehr rauskam.


Währenddessen spielte Phil Campbell mit seinen Bastard Sons einen Motörhead Set auf der Louder Stage. Ursprünglich mal als Band mit eigenen Songs geplant, wird der Phil wohl den Fluch als Erbe des Motörhead Sounds nicht mehr los. Die Leute verlangen nach den Covern und Phil darf wohl getrost als legitimster Spieler gelten, dem Original am nächsten zu kommen. Sänger Joel hat es da hingegen schwer, eine eigene Identität aufzubauen, wozu die dauerhaft getragene Sonnenbrill nicht unbedingt beitragen dürfte.
Mantar als Duo sind ja ebenfalls bekannt für ihre Brachialität. Ob‘s dran lag, dass die Band sich erst während dem Gig eingrooven musste, ob es nach Slipknot einfach keine Steigerung mehr gab oder die zwei besser auf kleinen intimen Bühnen aufgehoben sind? Letztendlich kam dieses Mal die Wucht leider nicht richtig raus. Das war gut, keine Frage, aber das kam auch schon deutlich intensiver und besser.


Ein wenig Gothic gabs dann in Form von ASP auf der Louder und Sänger Alexander, aufgekratzt wie immer, von einer Ecke zur nächsten und wieder zurück, versuchte mit ein paar „Eeeeeejjjjoooo“ zu schauen, ob die Leute noch vom Judas Priest Gig in Singlaune verweilten. Mit einem angeklebten Iro wirkte er jedenfalls nicht ganz so Humpty Dumpty mäßig wie einige Jahre zuvor bei Wacken und natürlich gab es den Hit „Ich will brennen“ nach Ansagen wie „habt ihr noch etwas Treibstoff im Tank?“. Der dürfte danach aber ziemlich leer gewesen sein.

 

 

 

Samstag 06.08.2022:

Wer also auf Wacken tatsächlich um 11 Uhr schon wach ist (nicht fit), der wird wohl auch seinen Spaß an den Höhner gehabt haben. Berichten zufolge gab es Massen die es abfeierten. Verwunderlich? Keinesfalls. Kurze Zeit später gab‘s jedenfalls für die True Punk Jünger (gibt’s sowas?) den Auftritt von Slime. Aber auch hier gegenseitige Stimmen. Eine Legende die sich selbst ruiniert? Zwar nicht mehr so gut aber wenigstens jemand von der alten Schule? Mag wohl jeder für sich entscheiden und anderen die Meinung auf Sozial Media überbretzeln, jedenfalls wurden die Punks vor Ort abgefeiert. Es gibt zwar mehrere Bands wie Beispielsweise Napalm Death oder die Donnrstags aufspielenden Gwar, bei denen sich kein Gründungsmitglied mehr finden lässt. Für eine Band die 1979 gegründet wurde, wirkten hier aber irgendwie alle Mitglieder zu jung. Für einen Frühshoppen aber erstmal nicht verkehrt.


Die Power Metaller von Orden Ogan mausern sich langsam zu einer guten Live Band. Auf Scheibe schon lange mit eigenem Sound und super starken Songs und ausgeklügeltem, ständig verändertem Konzept etabliert, wurden die Fans doch öfter etwas enttäuscht, da hörbar zu viel Gedöns vom Band kam. Dies war zwar beim Wacken Auftritt nicht ganz verschwunden, aber nicht mehr so omnipräsent. Vielleicht sollte Frontman und Bandgründer Seeb, dem die Sache als „Nur-Sänger“ deutlich leichter fällt als so manch anderen seinesgleichen, dauerhaft über einen Live Keyboarder nachdenken, der dann den Sound so untermalen kann, dass er dennoch so bombastisch wie auf Platte klingt, aber eben organisch für ein Live Konzert. Jedenfalls feierte die Meute Altes wie Neues und beim Song „Forlorn Or Forsaken“ konnte man getrost anstatt „fade or shine“ auch das Wacken Motto „Rain or Shine“ verstehen, kamen doch ein paar Abkühlungstropfen passenderweise aufs Publikum nieder. Ein guter Auftritt, allerdings bleibt die Frage, warum bei einem Festival Auftritt, bei dem die Leute nun mal Partywütig sind, kein Pirates Song ertönt. Wer solch ein Lied schreibt, dem sollte klar sein, wann dies gespielt werden MUSS! Minuspunkt im ansonsten guten Gig.


Die Firefighters von Wacken durften natürlich auch auf dem Festival nicht fehlen. Dieses Mal dann eben Samstag, mit Zepterübergabe an den neuen Feuerwehr Kapitän. Im Vorbeigehen auch hier wieder enorm Zuspruch. Es stellt sich sowieso die Frage, wenn Wacken zu Höchstformen aufgelaufen ist, an welcher Stelle gerade kein Aufkommen herrscht. Alle Bühnen, das Dorf, der Zeltplatz und auf jedem Fleck. Einfach überall Menschen, Stimmung und Leben. Wie war das nochmal? Watt is Wacken? Datt is Wacken!


Tarja wurde dann von ihren Fans empfangen. Symphatisch kam die Ex Nightwish Sängerin rüber, sah aber teilweise aus wie ein lebendiger Insta Filter und die Musik an sich konnte sich auch nicht einigen, welcher Stil verfolgt wird: harte Gitarren, funkiger Bass, Cello zwischendrin und Opernhafter Gesang? Hui. Beim Cover „Over The Hills And Far Away“ aber sang natürlich das ganze Publikum mit und Taja musste über sich selbst lachen, mit welche komischem Tanzgehüpfe, sie sich auf der Bühne fortbewegte. Bei der Danksagung meinte man fast, die Dame würde in Tränen ausbrechen und es sei ihr gegönnt, auf Wacken oder vor großem Publikum aufzutreten, die Frage ist nur, ob wirklich noch viele Anhänger bei dem vorherigen Stilmischmasch willig sind, lange zuzuhören.
Fans mögen jetzt sauer sein, aber Danko Jones hat auf seinen Alben zusammen genommen so viele gute Songs, dass es für genau eines reichen würde. Sorry, aber so wirkte dann auch leider der Gig. Die Band gab alles, keine Frage, Basser Calabrese hat eh Gummibänder in seinen Sprunggelenken und Danko Jones kauft man seine Metal Lobhymnen auch wirklich ab (dieses Mal Richtung Death Angel als Lieblingsband während Sänger Mark von Bühnenrand winkte oder die Beschwerde über den fehlenden Metal Markt), aber „First Date“, „I Think Bad Thoughts“ und der Abschluss „My Little RnR“ waren für den hier schreibenden die einzig wirklich guten Songs. Das mögen wie schon erwähnt, die Fans anders sehen. Aber so ist das nun mal mit dem Geschmäckle.


Und das Geschmäckle ist es nun mal auch, ob die eine Hälfte den 800sten Auftritt von Hämatom auf Wacken nun abfeiert oder nicht. Der anwesenden Masse gefällt’s und einen auf einer Plattform crowdsurfenden und dazu spielenden Drummer sieht man nun auch nicht alle Tage. Doch auch hier, Eigenständigkeit sieht anders aus. Klar erfindet niemand mehr das Rad neu und setzt bekannte Bausteine im besten Fall nur neu zusammen. Aber man wird den Eindruck nicht ganz los, als ob hier mehr das „Bedienungsfeld“ denn das „Kreativfeld“ geboten wird.


Arch Enemy, die damals als sozusagen Neustart mit Neuzugang Allisa noch zur Mittagsstunde spielen durften, sind längst zum etablierten Headliner herangewachsen und präsentieren sich als eingespielte Macht. Aber ähnlich wie die Platten immer mehr zu kalkulierbarem werden, so werden auch die durchgestylten Auftritte routinierter und vorhersehbarer. Und wer zuletzt die Metal Doku auf RTL II gesehen hat und die Ex Sängerin Angela auch nicht mehr ganz von einem aufgespritzten Löwengesicht unterscheiden konnte, der wird wohl wissen, woher dieses kalkulierbare kommt. Disturbed, Volbeat, jetzt dann auch Arch Enemy. Eine Band, die größer wird, setzt auf Nummer sicher und verweichlicht den OSund um noch größer zu werden. Ob es nur so geht? Die Masse feierts, der alte Kern bricht weg. Hat jemand Metallica erwähnt?


Dann wurde es Zeit für den Promoters Farewell. Die beiden Wacken Gründer Thomas Jensen und Holger Hübner schritten angebrachter weise durch das mittlere Tor. Holger bedankte sich in Deutsch, Thomas versuchte dies sinngemäß in Englisch und endete mit „I’m over the mood“, erntete verdient sympathisierende Lacher und nach 2 Minuten gaben die beiden schon die Bühne frei, für eine bombastische Showinszenierung, gepaart aus Livegesang, pantomimischen Darstellern und in Szene gesetzten Einspielungen auf den Leinwänden. Und langsam wurde erkenntlich, die Untoten wurden nach und nach von den Wikingern besiegt und kündigten somit das Motto fürs nächste Jahr an: Wikinger!


Was für Arch Enemy gilt, gilt auch für Powerwolf. Von einer Erfolgskurve gezeichnet, die nur nach oben zeigt durften die Saarländer dann den endgültigen Samstag Headliner geben. Allerdings waren Powerwolf schon immer als leicht verdauliche Kost zu haben und somit verwässert hier niemand den Sound. Dieser bleibt gleich, zieht irgendwie immer mehr Leute und gibt den sympathischen Möchtegernwölfen recht. „Amen & Attack“, „Werewolves Of Armenia“ oder „We Drink Your Blood“, mittlerweile dürften auch Nicht Fans diese Songs mitsingen können. Die Kulisse tut ihr übriges und die Fans freut‘s.


Auf der Party, pardon, Louder Stage kamen zur gleichen Zeit Death Angel zum Zuge und man muss es sagen, gegenüber den zwei Tage zuvor aufspielenden Overkill lag die Bay Area gegenüber New Jersey diesmal vorne. Moshpit, Crowdsurfen, gereckte Fäuste und lautes Gejohle, eine einzige Thrash Party wurde ausgerufen und gipfelte in „Thrown To The Wolves“, wobei sich Sänger Mark als bewegungsfreudigster Angel entpuppte, während die Gitarristen ihre Luftsprünge dieses Mal etwas zügelten. Vielleicht auch einfach nicht mehr so möglich an einem Samstagabend? Änderte aber nichts an der Energie, mit der die Band ihr Publikum in die Nacht entließ.


Was könnte das Horror Motto des diesjährigen Wacken Open Air besser beenden als eine Show von Lordi auf der Hauptbühne? Nix, richtig. Und genauso war es auch. Eine super Kulisse bot die Monstertruppe und auch wenn es nicht mehr dicht gedrängt war, gefüllt war das Infield dennoch denn irgendwie schafft es die Wacken Meute auch noch samstags um 1 Uhr agil zu sein. Und wer Lordi nur auf zwei Hits reduziert, der sollte sich mal z.B. den geilen Song „Hug You Hardcore“ von Monstereophonic anhören, der mittlerweile fest ins Set gehört. Generell gibt es viel geile Musik bei Lordi zu entdecken, auch wenn der letzte Output mit 7 (!!!) Alben vielleicht etwas zu überladen ist. Aber natürlich wurden auch die zwei Hits gespielt, wobei es immer noch überrascht, dass „Would You Love A Monsterman“ anscheinend bekannter und bliebter ist und damit nach „Hardrock Halleluja“ gespielt wird. Egal, geiler, würdiger Abschluss eines geilen Festivals, ein Mash up zwischen Gwar und Lordi wäre aber rigendwie auch mal geil..
Auf dem Heimweg noch kurz einen Blick auf die Headbanger Stage, auf der Pertubator spielte. Richtig Metal war hier auch nix, aber der Synthie-Industrial-Techno begeisterte in der Nacht noch einige Hundert mit geiler Lichtshow und tanzbaren Beats. Good Night.

 

 

Nachher:

Was kann man abschließend über das Wacken sagen? Es ist gut, dass es wieder da ist. Es hat gefehlt und die Metalwelt braucht Wacken (Gegenteilschreier behaupte ich mal, haben niemals bis hierhin gelesen). Die Änderungen funktionierten, Nachbesserungen an diversen Stellen dürfen gerne sein, werden sich aber im Laufe der Zeit nach dem Pandemiestillstand hoffentlich auch schnell wieder einpendeln. Der Spirit ist nach wie vor da und das ist das Wichtigste. 2023 war dann auch folgerichtig nach Vorverkaufsstart innerhalb 5 Stunden ausverkauft. Das in diesen Zeiten, in denen so mancher Headliner auf seinen Karten sitzen bleibt? Da scheinen welche im Norden so einiges Richtig gemacht zu haben.

 

 

 

 

Es war ein Fest, es war das Highlight des Jahres, so wie es all die Jahre zuvor auch war. Und wenn Chris Bay singt  „Metal is for everyone“, so schreibe ich: Wacken is for everyone!
Für die Massenmedien, damit sie sich auch mal in die Welt des Metal, der dunklen und bösen, wagen dürfen.
Für die Daheimgebliebenen, die sich die Massen an Streams geben dürfen.
Für die Hater, damit sie sich einmal im Jahr zusammen auf einem Nenner auskotzen dürfen und nicht immer nur ihr eigenes Underground-Süppchen kochen müssen.

Und für 80.000 Metalheads weltweit die da oben eine ausgelassen super Party zusammen feiern und denen für ein paar Tage die Hater und Nervköppe und Kriege und Arschlöcher und alles was einen sonst noch so nervt mal grandios am Arsch vorbei gehen.
Wir sehen uns nächstes Jahr.

Ich freu mich jetzt schon!

 

(Pics by Röbi, Jogi, Kathi, Wessi, Pasi)

 

 (Röbin)

 

https://www.wacken.com/de/

 


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